TU-Labor kann Rätsel um Bach-Porträt nicht lösen

Sensations-Gemälde

Der Dortmunder Kunstsammler Wolf-Dietrich Köster glaubt, ein verschollenes Porträt von Johann Sebastian Bach gekauft zu haben. Doch die Kunst-Welt ist sich unsicher. Ein Experten-Team der TU Dortmund hat das Gemälde nun auf seine Echtheit untersucht. Sie machten überraschende Entdeckungen - ganz lösen konnten sie das Rätsel jedoch nicht.

DORTMUND

, 18.12.2015 / Lesedauer: 3 min
TU-Labor kann Rätsel um Bach-Porträt nicht lösen

Dieses Bild eines unbekannten Malers hat der Dortmunder Unternehmer Wolf-Dietrich Köster auf einer Auktion ersteigert. Jetzt untersuchen es Kunsthistoriker auf die Echtheit hin - ist das ein Porträt von Johann Sebastian Bach oder sieht es nur so aus?

 Der private Sammler Wolf-Dietrich Köster hatte das Bild 2014 günstig auf einer Auktion erstanden.  Er meinte in dem Porträt Johann Sebastian Bach erkannt zu haben und schlug für 4500 Euro zu. Seitdem beschäftigen sich Fachleute mit dem „neuen“ Bachbild, darunter auch eine Expertengruppe an der TU um Musikwissenschaftler und Bach-Experte Prof. Martin Geck. Einiges spricht für die Echtheit: Rahmen und Rückwand sowie die Ähnlichkeit mit dem anerkannten Bach-Porträt von Elias Gottlob Haußmann.

Die Untersuchung im Teilchenbeschleuniger Delta brachte nun neue Hinweise, aber keine abschließende Aussage. Auch die Physiker konnten nicht eindeutig feststellen, ob das Gemälde zu Bachs Lebzeiten (bis 1750) oder später entstanden ist. Aber immerhin legen die Ergebnisse nahe, dass es vor 1910 gemalt wurde.

Pigmente passen nicht so ganz ins 18. Jahrhundert

Dr. Alexander von Bohlen, Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften Isas, analysierte im Teilchenbeschleuniger die atomare Zusammensetzung der Farben. Er fand Anteile von Pigmenten, die nicht so richtig zu Farben aus dem 18. Jahrhundert passen. Für die Untersuchung hatten die Experten ihr Augenmerk auf das Weiß gelegt, um Aufschluss über das Alter zu erhalten. Für die fragliche Zeit könnten vor allem drei Pigmente eine Einordnung erlauben: Bleiweiß, Lithopone, Titanweiß.

Bleiweiß ist die ältere Farbe und enthält ein Bleikarbonat. Es ist giftig und wurde in den letzten Jahren vom Markt genommen. Ein nahezu ebenso gut deckendes Pigment wurde um 1840 patentiert und zog nach und nach in die Malerei ein. Es handelt sich dabei um Lithopone, ein Gemisch aus Bariumsulfat und Zinksulfid. Das dritte Pigment, das im Weiß enthalten sein kann, ist Titanweiß, chemisch Titandioxid – ungiftig, sehr feinkörnig und lichtbeständig. Ein reaktionsfaules Gemisch, das heute in allen nur denkbaren Objekten als Weißpigment vorhanden ist. Es wurde synthetisch in den 30er-Jahren hergestellt und hat fast jedes andere Weiß im Laufe der Zeit verdrängt.

Denkbar, dass Portrait nach 1840 überarbeitet wurde

Die Analysen des Bachporträts haben keine Hinweise auf das moderne Titanweiß ergeben, was für ein gewisses Alter des Werks spricht. Dafür enthielt rund die Hälfte der untersuchten Stellen schwache bis kräftige Signale von Barium und Zink. Das deutet auf Litophone hin, die Verbindung, die im 18. Jahrhundert noch nicht verwendet wurde.

Allerdings beweise die reine Anwesenheit von einzelnen Elementen noch nicht, dass auch das entsprechende Pigment vorhanden sei, erklärt Alex von Bohlen. Es tauchten auch kräftige Bleisignale auf. „Es wäre denkbar, dass das Porträt nach 1840 überarbeitet wurde“, schließen die Experten aus den Ergebnissen.

Ungewöhnlich geschriebener Buchstabe macht Experten stutzig

Die Methode, die die TU Dortmund anwendet, lässt keine Rückschlüsse auf eine Schichtfolge der Farbaufträge zu. Wenn das Gemälde tatsächlich zu Bachs Lebzeiten entstanden ist, müssen die Forscher von einer Restaurierung oder Retusche nach 1840 ausgehen, bei der die modernere Farbe bevorzugt wurde. Diese These könnte durch Flächen gestützt werden, die ausschließlich Signale für Bleiweiß liefern.

Ergänzende Untersuchungen könnten weiterhelfen. Die Isas-Wissenschaftler haben schon eine Strategie für die weitergehende Analyse mittels Synchrotronstrahlung und Röntgendurchleuchtung. „Erst dann können wir sicher sagen, dass ein bestimmtes Pigment in der Farbe steckt“, sagt von Bohlen.

Und noch eine weitere Untersuchung könnte Aufschluss bringen: Auf der abnehmbaren Holzrückwand des Rahmens steht eine Inschrift, bei der ein für die vermeintliche Entstehungszeit ungewöhnlich geschriebener Buchstabe die Experten stutzig macht. Von der Analyse der Tinte erhofft sich der Experte weitere Hinweise. 

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