Radikallösung: Umleitung führt Autofahrer durch Wildnis auf Schnellstraße

rnBaustellen-Chaos

Wie kommt man aus einer Sackgasse wieder raus, die eine Einbahnstraße ist? Am Ende der Schnellstraße OW IIIa in Dortmund hat man für dieses Problem eine Lösung gefunden, die alle überrascht.

Kirchlinde

, 15.10.2020, 16:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

An der Revierstraße in Dortmund-Kirchlinde liegt ein kleines, aber erfolgreiches Gewerbegebiet. Das Gewerbegebiet ist so klein, dass die Revierstraße eine Sackgasse ohne Wendehammer ist.

In dieser Woche bekommt die Straße eine neue Asphalt-Decke. „Das war auch nötig“, sagt Ulrike Wunsch von der Firma Wunsch-Pflege, die ihre Büros der Revierstraße liegt.

Für die Zeit der Bauarbeiten wurde die Revierstraße kurzerhand in eine Einbahnstraße umgewandelt. Das Problem: Normalerweise schließen sich Sackgasse und Einbahnstraße aus. Denn es gäbe keinen legalen Weg, um aus der Sackgasse wieder rauszukommen, wenn man nur in eine Richtung fahren darf.

Die Planer der Bausteller haben für dieses Problem eine radikale und kuriose Lösung gefunden. Die aber für einige Autofahrer völlig verwirrend ist. Ausgenutzt haben die Planer die besondere Lage der Revierstraße. An ihrem Ende kommt die Fahrbahn dem Autobahnzubringer Mallinckrodtstraße (OWIIIa) bis auf wenige Meter ziemlich nah. Nur ein Grünstreifen trennt die beiden Straßen.

Durch diese Schneise müssen die Autofahren aus der Revierstraße auf die OWIIIa fahren. Übersichtlich geht anders.

Durch diese Schneise müssen die Autofahren aus der Revierstraße auf die OWIIIa fahren. Übersichtlich geht anders. © Holger Bergmann

Jetzt allerdings nicht mehr. Denn durch das Grün wurde eine Schneise geschlagen und der Boden befestigt. Hier ist der provisorische Verkehrs-Abfluss für die Revierstraße entstanden.

OWIIIa wir auf eine Spur verengt

Wer also in der Revierstraße zu tun hatte – bei Aral getankt, ein Paket im Briefverteilzentrum aufgeben oder in einem der Betriebe gearbeitet hat – der fährt nun einen abenteuerlichen Umweg zurück: Mitten durch eine ungepflegte Wildnis, biegt von da auf die OW IIIa/Mallinckrodtstraße ein, muss hier die Abfahrt nutzen und kann dann erst auf der Straße Bärenbruch Richtung Marten oder Kirchlinde fahren.

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Das ist nicht nur unbequem, das bringt auch Probleme mit sich. Zum einen auf der OWIIIa selbst. Die wird nämlich in diesem Bereich auf die linke Spur verengt, weil die rechte Spur jetzt als Auffahrt des Gewerbeverkehrs genutzt wird.

Schon mit zwei Spuren gibt es täglich zwischen 16 und 18 Uhr Staus in diesem Bereich, weil das Stück hier zugleich die Autobahnabfahrt Dortmund-Hafen der A45 ist. Das Provisorium verschärft die Situation.

Umweg ist nicht ausgeschildert

Größer sind die Probleme an der Revierstraße selbst. Denn dass man aus der Straße nicht mehr auf dem gewohnten Weg rauskommt, erfahren Autofahrer erst, nachdem sie reingefahren sind.

Das ist die Revierstraße hinter dem Briefverteilzentrum. Hier ist seit über 20 Jahren kein Verkehr mehr geflossen. Das sieht man der Straße auch an.

Das ist die Revierstraße hinter dem Briefverteilzentrum. Hier ist seit über 20 Jahren kein Verkehr mehr geflossen. Das sieht man der Straße auch an. © Holger Bergmann

Und wer dann vor dem Einbahnstraßen-Schild steht und sich fragt, wie man wieder zurückkommt, der bekommt erstmal keine Antwort. Denn der Weg in den hinteren und nicht einsehbaren Bereich der Revierstraße ist nicht ausgeschildert.

Wer die Verkehrsführung noch nicht kennt, kann nur den Schmutzspuren der Baustellen-Fahrzeuge folgen – oder Autofahrern, die sich besser auskennen.

Anlieger haben keine Information bekommen

Immer wieder sieht man Autofahrer, die sich mit Schrittgeschwindigkeit durch die Revierstraße bewegen, besorgt, ein Schild zu übersehen, das ihnen weiterhilft.

Erst wenn man den Teil erreicht hat, dem man ansieht, dass hier seit 20 Jahren niemand mehr hergefahren ist, wenn man sich also ganz sicher ist, sich verfahren zu haben, dann sieht man das Ende der Strecke.

So ging es zum Beispiel den Kunden des Trainingszentrums Fitness-Place: „Es gab keine Information, wir konnten unseren Kunden gar nicht sagen, wie sie wieder rauskommen“, berichtet ein Mitarbeiter.

Fahrzeuge rechtzeitig aus der Tiefgarage gefahren

Besser war die Kommunikation erst am Donnerstag. Die Baufirma informierte den Pflegedienst Wunsch Pflege rechtzeitig über Asphaltier-Arbeiten am nächsten Tag: „Wir konnten unsere Fahrzeugflotte rechtzeitig aus der Tiefgarage holen“, berichtet Ulrike Wunsch. Die Fahrzeuge, mit denen die Pflegerinnen zu den Kunden fahren, wären sonst gefangen gewesen, stehen jetzt aber auf dem Parkplatz des Sportplatzes am Bärenbruch.

Die Bauarbeiten sollen noch bis Freitag (23.10.) weitergehen, denn die Revierstraße bekommt jetzt auch einen Gehweg. Erst dann wird die Umleitung über die Mallinckrodtstraße ein Ende haben.

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