Der Ernstfall ist eingetreten, der Beruf kann nicht länger ausgeübt werden. Eine Umschulung über das Berufsförderungswerk (BFW) ermöglicht Melanie (32) die Rückkehr in die Arbeitswelt.

von Jan-Simon Lischewski

Dortmund

, 27.08.2019, 07:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Melanie Winkler ist 32 Jahre alt und steht kurz vor dem Abschluss ihrer Umschulung zur Sport- und Fitnesskauffrau am Berufsförderungswerk (BFW) Dortmund. Dass sie noch einmal eine Ausbildung abschließt, war vor einigen Jahren nicht abzusehen.

Aufgrund ihrer Epilepsie musste die gebürtige Schwelmerin ihre erste Lehre zur Kauffrau für Bürokommunikation abbrechen. Ob sie jemals wieder würde arbeiten können, war unklar. Heute hat Melanie ihre Krankheit im Griff und blickt mit Hilfe des BFW voller Zuversicht auf ihre zukünftige Laufbahn.

Vor Beginn ihrer Umschulung musste Melanie selbst mehrere Monate eine Reha bewältigen – heute sieht sie in diesem Bereich ihre berufliche Zukunft.

Fakten zum Beruf und zur Ausbildung:

Die Ausbildung von Sport- und Fitnesskaufleuten dauert regulär drei Jahre und besteht aus zwei inhaltlichen Schwerpunkten: dem kaufmännischen Anteil und dem fachspezifischen Aspekt Sport und Bewegung. Die Jobmöglichkeiten nach bestandener Lehre sind daher vielseitig. „Viele gehen in den Reha-Bereich zum Arbeiten, oder, ganz klassisch, ins Fitnessstudio. Man könnte auch in den Event-Bereich damit gehen, oder in einen kaufmännischen Beruf“, erklärt Melanie.

Im Gegensatz zur betrieblichen Ausbildung besteht die Umschulung am Berufsförderungswerk Dortmund aus einem Rhythmus von drei Monaten theoretischer Seminare am Campus des BFW im stetigen Wechsel mit drei Monaten Praktikum in einem Kooperationsbetrieb. Eine klassische Ausbildungsvergütung durch den Betrieb gibt es nicht, die Umschulung wird entweder von der Rentenversicherung, der Berufsgenossenschaft oder der Bundesagentur für Arbeit bezahlt.

Als Schulabschluss-Empfehlung nennt das BFW den Hauptschulabschluss, zudem sollten die Teilnehmer selbst gerne Sport treiben. Erfolgt die Ausbildung nicht über eine Einrichtung wie das BFW, sondern in einem Betrieb, empfiehlt die IHK Dortmund den Realschulabschluss mit Fachoberschulreife als Qualifikation. Das Ausbildungsgehalt in einer Regel-Ausbildung liegt hier im ersten Lehrjahr bei durchschnittlich 550 € bis 650 € pro Monat und steigt im dritten Lehrjahr auf monatlich 650 € bis 750 €, abhängig vom Betrieb.

Umschulung nach Berufsunfähigkeit: Melanie (32) wird Sport- und Fitnesskauffrau

Melanie während ihres Praktikums im ZAR Bielefeld im Rahmen ihrer Umschulung zur Sport- und Fitnesskauffrau. © Jan-Simon Lischewski


Das sagt Melanie über ihre Berufswahl:

Was gefällt dir an dem Beruf besonders gut?

Melanie: „Dass er abwechslungsreich ist – besonders im Reha-Bereich. Ich arbeite mit Neurologie-Patienten, bin jeden Tag ein bisschen auf der Trainingsfläche, in Orthopädie-Gruppen, bei Aquafitness-Kursen. Das ist super!“ Auch der direkte Menschenkontakt ist für Melanie ein wichtiger Aspekt: „Wenn man die Fortschritte bei den Patienten sieht – ich finde das total toll. Das gibt einem ganz viel mit!“ Die Umschulung zur Sport- und Fitnesskauffrau bietet Melanie zudem einen persönlichen Nutzen: „Mir gefällt auch gut, dass ich selbst immer mit Sport mache.“

Was gefällt dir an dem Beruf nicht?

Melanie: „Was ein bisschen schwierig ist, sind die wechselnden Arbeitszeiten. Man hat dann zum Beispiel einen Tag Spätschicht, am nächsten Tag Frühschicht und am dritten Tag die Mittelschicht – man hat keinen Rhythmus“, konstatiert Melanie, „oder wenn jemand ausfällt, muss man spontan einspringen. Man kann schlecht planen.“ Im Reha-Zentrum hat Melanie immerhin an den Wochenenden frei. „Im Fitnessstudio ist es schon üblich, dass man auch am Wochenende arbeitet“, erläutert sie.

Wo hättest du in der Schule besser aufpassen sollen?

Melanie: „Wenn es an die Physiologie des Körpers geht, an die Anatomie, ist das zunächst kein Problem. Aber wenn es an die Chemie und Physik geht, die auch dazu gehören, dann wird es schwierig. Ich hatte das nur drei Jahre lang in der Schule, da fehlt einfach ganz viel. Das muss ich mir jetzt selbst erarbeiten. Viele denken sich: ‚Dann bin ich auf der Trainingsfläche und mache ein bisschen Sport und das war es dann‘ – aber da gehört so viel mehr dazu. Du arbeitest halt mit Menschen und hast eine Verantwortung. Du kannst auch ganz viel kaputt machen beim Training“.

Infos zu Ausbildungsplätzen

Melanie ist eine von jährlich rund 500 Menschen, die sich nach der Berufsunfähigkeit als Folge von Unfällen oder Behinderungen über das Berufsförderungswerk Dortmund zurück in die Arbeitswelt kämpfen. Über 75 Prozent der Absolventen des BFW gehen den Angaben nach nach der Ausbildung in den erlernten Beruf. Die Umschulung zur Sport- und Fitnesskauffrau ist dabei eine von 40 angebotenen Qualifikationen des BFW. Während eines zweiwöchigen Reha-Assessments werden die Teilnehmer auf ihre körperliche und geistige Eignung geprüft und an Berufe herangeführt, die den Interessen und Fähigkeiten der Rehabilitanden entsprechen. Welche Ausbildungen angeboten werden sowie weitere Informationen über den Eingliederungsprozess sind auf der Website des Berufsförderungswerks unter bfw-dortmund.de zu finden.

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