Umspannwerk kontra Landschaftschutz – Anlieger fürchten Schnellschuss

rnAn der Gotthelfstraße

Ein Umspannwerk in einem Landschaftsschutzgebiet? Anlieger der Gotthelfstraße machen mobil und fürchten, dass der Plan noch schnell über die Bühne soll – und dass sie übergangen werden.

Kirchhörde, Großholthausen

, 07.06.2020, 13:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Herbst 2019 seien ihnen Gerüchte für ein Umspannwerk an der Gotthelfstraße das erste Mal zu Ohren gekommen, sagt Wilhelm Wiegand. Es habe geheißen, das Werk solle der Stromversorgung von E-Bussen im Betriebshof von DSW an der Stockumer Straße dienen. Damals habe das niemand bestätigen können. Doch jetzt befürchten er und seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative Höchstspannungsleitung Dortmund-Süd, dass dieser Plan noch schnell über die Bühne soll.

Denn: Das Gelände für das neue Umspannwerk an der Gotthelfstraße liege nach dem neuen Entwurf des neuen Landschaftsplan für die Stadt in einem Landschaftsschutzgebiet. „Würde hier heute gebaut, dann wäre das nicht der Fall, es stünde nicht drin“, sagt Peter Cramer. Weil, so sagen die Anlieger, im neuen Landschaftsplan die komplette Pferdewiese - so nennt man hier die Grünfläche - drin sei.

Über die Pferdewiese führt eine Hochspannungsleitung und weiter auf die andere Seite der Gotthelfstraße. Weil die Oberleitung „aufgerüstet“ wurde, gründete sich vor drei Jahren die Bürgerinitiative. Die Oberleitungen führen teils direkt über Häuser. Das beunruhigt hier, und nun fühlt man sich zum zweiten Mal durch einen möglichen Bau eines Umspannwerks betroffen.

Landschaftsplan ist am 18. Juni Thema im Rat

Der neue Plan für das Landschaftsschutzgebiet soll am 18. Juni vom Rat der Stadt genehmigt werden. Beraten wird er auch in der Sitzung der Bezirksvertretung Hombruch am 9. Juni (14.30 Uhr, Helene Lange-Gymnasium). „Warum wird nicht eine unabhängige Partei damit beauftragt, einen besseren Standort zu finden, wenn es die DEW21 selbst nicht kann?“, fragen die Anlieger.

Man betont ausdrücklich: Man sei keinesfalls gegen Elektromobilität. Aber man vermisse ganz klar aufgezeigte Alternativen: Warum nicht direkt an die Stockumer Straße am Betriebshof oder an der Schüruferstraße am Emschertor? „Es gibt bessere Alternativen“, sagt Wilhelm Wiegand. Am 10. Mai hat er an das Bauordnungsamt geschrieben, „Aufklärung“ eingefordert, auch, weil man „Besuche von zuständigen Herren vor Ort“ gesehen habe. Eine Antwort habe er nicht erhalten. Am 4. Juni hat er einen zweiten Brief geschrieben.

Die grüne Fläche stellt das Landschaftsschutzgebiet dar, die große Fläche ist die „Pferdewiese“, der kleine Zipfel heißt im Volksmund „Hundewiese“.

Die grüne Fläche stellt das Landschaftsschutzgebiet dar, die große Fläche ist die „Pferdewiese“, der kleine Zipfel heißt im Volksmund „Hundewiese“. © screenshot Britta Linnhoff

DEW bestätigt auf Anfrage grundsätzlich Pläne für den Bau eines Umspannwerks. Wörtlich heißt es: „Wir befinden uns derzeit in einer Standortprüfung für den Bau. Diese Anlage soll – sofern realisierbar – die bestehende Umspannanlage im Wohngebiet Batheyweg ersetzen. Dabei wird auch der von Standort an der Gotthelfstraße geprüft.“ Weil man sich derzeit noch im Prüfverfahren befinde, könne man zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Fragen beantworten. Sobald eine Entscheidung getroffen worden sei, berichte man gerne über das Projekt, so Jana-Larissa Marx, Leiterin Unternehmenskommunikation von DEW21.

Bezirksbürgermeister kennt das Thema gut

Bezirksbürgermeister Hans Semmler kennt das Thema. Ende April habe man ihm seitens der Stadt mitgeteilt, dass bisher weder ein Bauantrag noch eine Bauvoranfrage eingereicht worden sei. Es gebe lediglich Vorgespräche mit der Verwaltung, „zur Klärung der Rahmenbedingungen“, aber kein abschließendes Plankonzept, das man Politik oder der Öffentlichkeit vorstellen könnte.

Er sagt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier etwas gebaut wird, was gültigen Plänen widerspricht.“ Und weiter: „Grundsätzlich sei es so, dass ein Standort eines Umspannwerks „sicherlich keine politische, sondern eine Entscheidung darüber ist ,ob es genau an dieser Stelle für die vorhandenen Leitungen erforderlich ist`“.

Thomas Quittek vom Bund für Umwelt und Naturschutz betont, grundsätzlich bedeute ein Landschaftsschutzgebiet nicht automatisch ein Tabu für irgendwelche Maßnahmen. Aber die gelte es, genau abzuwägen: Was bedeute eine solche Maßnahme für Mensch, Tier und Umwelt, und gäbe es Alternativen?

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