Umweltprojekt bringt Schüler und Senioren zusammen: Darum profitieren alle davon

rnDroste-Hülshoff-Realschule

Die Projekttage der Droste-Hülshoff-Realschule in Kirchlinde drehen sich um das Thema Umweltschutz. Eine Schülergruppe wird von Seniorinnen unterstützt - und dabei lernen alle dazu.

Kirchlinde

, 09.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Im Garten des Awo-Seniorenzentrums Kirchlinde wird fleißig gewerkelt. „Soll ich Ihnen helfen?“, tönt es vom Ende des Tisches, an dem sechs Bewohnerinnen des Zentrums mit 15 Schülern der Droste-Hülshoff-Realschule sitzen. Alle haben je einen Tontopf vor sich und hantieren mit Pinseln, Farben und Schablonen. Einer der Schüler geht um den Tisch herum.

Umweltprojekt bringt Schüler und Senioren zusammen: Darum profitieren alle davon

Dank der großen Farbauswahl konnten Seniorinnen und Schüler ihrer Fantasie freien Lauf lassen. © Carolin West

„Die Sonne?“, fragt er und hält dann die entsprechende Schablone vor den Topf einer Seniorin, der wie alle Töpfe später ein Ohrenkneifer-Hotel werden soll. „Ja, so sieht es schön aus“, sagt sie und lächelt ihn an. „Die Schüler sind eigentlich nicht zum Helfen hier“, erzählt Lehrerin Ute Dixon. „Aber es passiert automatisch. Sie sehen, wenn eine der Damen Hilfe braucht.“

Das Projekt soll bei der Berufswahl helfen

Und genau das sei einer der Gründe für das gemeinsame Projekt der Realschule und des Seniorenzentrums, das Teil der Umweltschutz-Projekttage der Schule ist. „Wir haben hier teilweise einen Altersunterschied von 86 Jahren - das ist der Wahnsinn“, sagt Ute Dixon. „Und bei der gemeinsamen Arbeit an den Ohrenkneifer-Hotels merken beide Gruppen, dass sie sich ergänzen können.“

Umweltprojekt bringt Schüler und Senioren zusammen: Darum profitieren alle davon

Mit Herzen, Blumen und Schmetterlingen wurden die meisten der Ohrenkneifer-Hotels verziert. © Carolin West

Ein anderer Gedanke steckt aber auch hinter dem Projekt: „Es geht generell um Umweltschutz, aber hier im Seniorenheim spielt auch die Berufswahl eine Rolle“, erklärt Ute Dixon. „Die Schüler bekommen mit, was die Aufgaben in einem Pflegeberuf sind.“

Türen öffnen für potenzielle Mitarbeiter

Diesen Hintergedanken teilt Peter Boeckel, der Leiter des Awo-Seniorenzentrums. „Schön wäre es natürlich, wenn sich der ein oder andere Schüler vorstellen könnte, hier zu arbeiten.“ Den Bewohnern tue es gut, wenn sich junge Menschen mit ihnen beschäftigen und sie Abwechslung haben.

„In einer anderen Einrichtung, die ich geleitet habe, gab es das Projekt ‚Jung und Alt‘“, erzählt Peter Boeckel. „Da kamen Schüler regelmäßig vorbei.“ Denkbar sei ein ähnliches Projekt auch mit der Droste-Hülshoff-Realschule - wenn es der Unterrichtsplan zulässt. Eine weitere Zusammenarbeit mit dem Seniorenzentrum sei definitiv ab dem kommenden Schuljahr geplant.

Zusammenarbeit schlägt eine Brücke zwischen damals und heute

Ein mögliches Projekt sei dann ein Spielenachmittag - mit den Tablets von heute und den Brettspielen von damals. „So können alle voneinander lernen“, sagt Peter Boeckel. Und die Bewohner werden wieder zu einem Teil der Gemeinde. „Die, die aus Kirchlinde kommen, waren das ja schon“, sagt der Heimleiter. „Und wenn es nach mir geht, sollen alte soziale Bindungen bestehen bleiben und neue hinzukommen.“

Umweltprojekt bringt Schüler und Senioren zusammen: Darum profitieren alle davon

Konzentriert arbeiteten Schüler und Seniorinnen an ihren Insektenhotels. © Carolin West

Ein zartes Band zwischen den Seniorinnen und den Schülern der fünften bis neunten Klasse wurde schon beim Bau des Insektenhotels geknüpft. „Esra hat mir geholfen“, erzählt Maria Jacksteit (91) mit einem stolzen Blick auf ihren bemalten Tontopf und wirft der Elfjährigen ein verschwörerisches Lächeln zu. „Ich wollte unbedingt ein Insektenhotel bauen, weil manche Arten vom Aussterben bedroht sind“, erklärt Esra. Der 80 Jahre älteren Maria Jacksteit zu helfen, gerade, was die feineren Pinselstriche anging, habe ihr Spaß gemacht.

Langsames Annähern ist wichtig

„Wir haben die Bewohner angesprochen, an dem Projekt teilzunehmen, die auch noch etwas davon haben“, sagt Sabrina Dieckmann vom Awo-Seniorenzentrum. „Die kognitiven Fähigkeiten müssen einfach da sein, damit alle Spaß haben.“ Trotzdem sei es wichtig, Kinder und Senioren langsam zusammenzubringen. „Sie müssen ja erst ihren Umgang miteinander finden.“

Umweltprojekt bringt Schüler und Senioren zusammen: Darum profitieren alle davon

Pinsel gab es in allen Formen und Größen, damit die Projektteilnehmer immer das richtige Werkzeug parat hatten. © Carolin West

Und ist der erst einmal gefunden, fällt der Abschied am Donnerstag nach der Präsentation der Pojekte in Realschule vermutlich schwer. Aber eine Erinnerung bleibt: die Ohrenkneifer-Hotels. „Und damit tun alle etwas für die Umwelt“, erklärt Lehrerin Ute Dixon. Denn die kleinen Insekten fressen Blattläuse und machen Gift unnötig. „Fressen die auch Eichenprozessionsspinner?“, fragt Heimleiter Peter Boeckel nach der Raupe, die in Dortmund ihr Unwesen treibt. Wohl leider nicht.

https://www.ruhrnachrichten.de/dortmund/jendrik-herdemann-baut-bienen-hotels-fuer-freunde-fuer-die-stadt-und-fuer-die-zukunft-1385784.html
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