Unbelehrbarer Lkw-Fahrer: Eine Posse um Knöllchen und ein ohnmächtiges Amt

rnPermanente Ordnungswidrigkeit

Seit Monaten steht an nahezu jedem Abend und an den Wochenenden ein Muldenkipper an einer Straße. Er steht in Pkw-Parkbuchten. Es hagelt Anzeigen und Knöllchen – den Fahrer interessiert es nicht.

Nette

, 01.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jörg muss irgendwo in Nette wohnen. Das liegt nahe. Denn Jörg parkt an der Mengeder Straße, kurz vor der Kurve am Awo-Wohnheim – nahezu jeden Abend und an den Wochenenden. Die Parkbuchten dort sind Pkw vorbehalten. Das Problem: Jörg fährt keinen Pkw, sondern einen Lkw. Genauer: einen Muldenkipper einer Dortmunder Baufirma.

Dass der Vorname des Berufskraftfahrers überhaupt bekannt ist, liegt an Jörg selbst. Er macht aus seinem Namen keinen Hehl. Wie viele andere Trucker auch, hat er sein Namensschild stolz auf dem Armaturenbrett der Zugmaschine drapiert. „Löwe“ steht auf einem zweiten.

Nun ist es nicht so, als wären die Parkbuchten gegenüber der Grünanlage am Netter Sportplatz heiß begehrt. Vielleicht versteht Jörg die meist freien Stellplätze ja auch als Einladung.

Der Seitenstreifen ist eindeutig als Parkbucht ausschließlich für PKW beschildert.

Der Seitenstreifen ist eindeutig als Parkbucht ausschließlich für PKW beschildert. Am 20. August steht Jörg nicht auf dem Bürgersteig, sondern leicht auf der Straße. Er verengt den ohnehin schmalen Straßenraum in der Kurve. © Jürgen Utecht

Aber: Die Mengeder Straße ist hier relativ unübersichtlich. Einen Radweg gibt es nicht. Und in der Kurve begegnen sich häufig Linienbusse. Deswegen dürfen hier nur Autos parken. Aus gutem Grund: Häufig steht Jörg mit seinem breiten Lastzug auf dem Bürgersteig.

Jörg gefährdet Verkehrsteilnehmer

Jürgen Utecht ist häufig mit dem Fahrrad von Nette nach Mengede unterwegs. Jörgs Missachtung und die Gefährdung von Verkehrsteilnehmern ärgert Utecht schon seit gut einem Jahr. Über die E-Mail-Adresse des Ordnungsamtes (fremdanzeigen.verkehrsueberwachung@stadtdo.de) hat er als „einfacher Bürger“ mehrfach Parkverstöße angezeigt – bis zum 28. Juli zwölfmal.

Bei einem Termin 2019 sprach er Ordnungsamtsleiterin Beate Siekmann auf das Problem falsch parkender Lkw an - diesmal nicht als einfacher Bürger, sondern in seiner Funktion als Bezirksvertreter der Grünen. Beate Siekmann habe ihm versichert, diesen Fremdanzeigen werde nachgegangen, erklärt Jürgen Utecht. Gehört habe er davon nie etwas. Jörg parkt derweil weiterhin unbeirrt auf der Mengeder Straße.

Der Parkstreifen ist gar nicht breit genug für den Lastzug. Deswegen steht Jörg meistens mit einem Reifen auf dem Bürgersteig.

Der Parkstreifen ist gar nicht breit genug für den Lastzug. Deswegen steht Jörg meistens mit einem Reifen auf dem Bürgersteig. © Jürgen Utecht

Am 10. August schreibt Utecht wieder ans Ordnungsamt – als stellvertretender Fraktionssprecher. Nichts passiert. Er wartet eine Woche. „Da ich bisher noch keine Rückmeldung zu meinen Anzeigen, Beschwerden und Anfragen bekommen habe, erweitere ich den Adressatenkreis [...] um die Pressestelle und den Oberbürgermeister“, beginnt eine weitere E-Mail.

Fünf Verwarnungen – das Falschparken geht weiter

Das wirkt offenbar. Am 18. August bekommt Jürgen Utecht Antwort. Ordnungsamtsleiterin Siekmann schreibt, lediglich neun Anzeigen hätten die Voraussetzungen für eine Vorgabe erfüllt.

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„Für den Lkw [...] wurden bereits fünf Verwarnungen wegen Parkens auf einem Seitenstreifen, der nur für Pkw freigegeben ist, erteilt“, schreibt Siekmann. Drei Verfahren seien bezahlt, zwei noch offen. „Obwohl Verfahren geahndet worden sind, setzt trotzdem in vielen Fällen leider keine Verhaltensveränderungen der Fahrzeugführer ein“, erklärt die Amtsleiterin.

Utecht ärgert die Ignoranz

„Es spielt keine Rolle, ob es 5, 10 oder 20 Anzeigen sind“, sagt Utecht im Gespräch mit dieser Redaktion. Am 20., 24. und 28. August hat er weitere Parkverstöße angezeigt. „Die Ignoranz ist das Thema“, ärgert er sich. „Und das geht einfach so durch. Die Knöllchen sind billiger als legal zu parken“, sagt er. „Jörgs Firma reagiert darauf überhaupt nicht.“

Schlechtes Beispiel macht Schule: Am 15. Juli machte es der Fahrer einer großen Spedition Jörg nach und stellte seinen LKW hinter Jörg auf dem Seitenstreifen ab.

Schlechtes Beispiel macht Schule: Am 15. Juli machte es der Fahrer einer großen Spedition Jörg nach und stellte seinen LKW hinter Jörg auf dem Seitenstreifen ab. © Jürgen Utecht

Das Problem falsch oder gefährlich parkender Lastzüge war bereits mehrfach Thema in der Bezirksvertretung (BV) Mengede. Beinahe jeder Bezirksvertreter kann derlei Stellen benennen.

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Im Juni beschloss die BV auf Antrag der Grünen einstimmig die Forderung nach einem stadtbezirksweiten Parkkonzept für Lkw und Großfahrzeuge. In einigen Gewerbegebieten gebe es ungenutzte Flächen, die als Stellflächen angelegt werden können, lautet ein Vorschlag.

„Das ehemalige Nickel + Eggeling Gelände wäre geeignet“, sagt Utecht. Das liegt in Mengede an der Dönnstraße. Bleibt die Frage, ob Jörg so weit laufen würde.

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