Unsicherheit nach Thomas-Cook-Insolvenz: Was Dortmunder Reisende wissen sollten

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Nach der Insolvenzerklärung des Reiseveranstalter Thomas Cook ist die Verunsicherung groß. Wir versuchen, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

von Von Ines Eckermann

Dortmund

, 23.09.2019, 15:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

Einer der größten Reiseveranstalter ist pleite: Am Montag (23.9.) machte Thomas Cook seine Insolvenz auf seiner Website öffentlich bekannt. Die Auswirkungen sind vielfältig - und die Verunsicherung hier vor Ort ist groß.

So nimmt etwa die Cook-Tochter Fluglinie Condor nach eigenen Angaben aktuell keine Reisenden mit, die über Thomas Cook gebucht haben. Was das für diese Reisenden konkret bedeutet, darüber wolle der Konzern seine Kunden zeitnah informieren, heißt es dort. Den Flugbetrieb will Condor aufrechterhalten - und hat dafür einen Not-Kredit bei der Bundesregierung beantragt, berichten mehrere Medien.

Dortmunder Reisebüros verunsichert

In Dortmund herrscht derweil große Ungewissheit. Im Stadtgebiet gibt es sechs reine Thomas-Cook-Reisebüros und ein Holidayland, das Thomas-Cook-Produkte vertreibt.

Über die Website des Cook-Reisebüros an der Gleiwitzstraße zum Beispiel können sich Reisewillige am Montag noch einen Urlaub zusammenstellen. Nirgends findet sich online ein Hinweis auf eine Insolvenz, als wir die Seite am Montagvormittag gegen 12 Uhr besuchen. Auch am Nachmittag ist dies noch möglich, drei Tage Abu Dhabi im Oktober zum Beispiel sind um 15 Uhr noch ab etwa 410 Euro zu haben.

Noch am Freitag warb das Unternehmen auf Facebook mit einem 100-Euro-Gutschein-Code. In Dortmund ahnte offenbar niemand, dass sich die Situation innerhalb von Tagen so sehr ändern würde.

Auf unsere Anfrage reagiert man in dem Reisebüro dünnhäutig: „Wir warten selbst noch auf Informationen vom Konzern. Alles, was wir hier wissen, haben wir selbst nur aus den Medien erfahren.“ Auch für die Mitarbeiter heiße es nun also: abwarten. Was sie den Kunden sagen können und was aus ihren Arbeitsplätzen wird, sei in der Schwebe.

Die übrigen fünf Dortmunder Standorte waren am Montagvormittag während unserer telefonischen Stichprobe nicht zu erreichen, jedoch sind auch weitere Standort-Websites am Montag abrufbar. So zum Beispiel auch jene des Reisebüros in der Thier-Galerie.

Während die deutschen Thomas-Cook-Töchter Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours und Air Marin ihre Websites bereits abgeschaltet und auf einen Hinweis auf die Insolvenz weitergeleitet haben, sind die Seiten der Dortmunder Reisebüros am Montagvormittag noch erreichbar - allerdings nur über Google. Wenn man über die Thomas-Cook-Hauptseite geht, kommt man nicht mehr weiter zu den anderen Standorten.

Verbraucherzentrale verweist nach Hessen und Brandenburg

Bei der Verbraucherzentrale vor Ort suchen Dortmunder Bürger vergeblich nach Rat: In ganz NRW habe die Verbraucherzentrale nach eigenen Angaben keinen Experten für Reiserecht, heißt es in der Dortmunder Niederlassung. Presse und Verbraucher können sich alternativ an die Verbraucherzentralen in Hessen und Brandenburg wenden.

Viele Anfragen von Kunden seien bis zum späten Montagvormittag noch nicht eingegangen, heißt es im Nachbar-Bundesland. Klar sei jedoch: „Pauschalreisende sind bei der Pleite von Thomas Cook besser gestellt“, erklärt Ute Bitter von der Verbraucherzentrale Hessen.

Kostenloser Ersatz

Wer eine Reise im Paket über Thomas-Cook gebucht hat - also eine Pauschalreise mit Flug, Hotel und Mietwagen -, ist bei der Insolvenz zumindest etwas abgesichert: Für sie muss der Reiseveranstalter kostenlos einen Ersatzflug garantieren.

Um das zu gewährleisten, muss jeder Pauschalreiseveranstalter über eine Insolvenzabsicherung verfügen. Wenn die Insolvenz das Aus für den noch anstehenden Urlaub bedeutet, muss der Insolvenzabsicherer dem Reisenden zudem Zahlungen erstatten.

Komplizierter wird es, wenn der Urlaub bereits begonnen hat: Nachdem die Insolvenz eines Reiseanbieters bekannt gegeben wurde, können Hotels oder Pensionen den Reisenden weitere Übernachtungen verwehren oder fordern, dass die bereits gebuchten Übernachtungen erneut vor Ort bezahlt werden.

Damit die Reisenden bis zum gebuchten Rückflugtag ein Dach über dem Kopf haben, müssen sie also oft erst mal selbst in die Urlaubskasse greifen. Später können sie das Geld mit ihrem Sicherungsschein bei der Insolvenzversicherung einfordern, so die Verbraucherberater.

Kostenerstattung ist Fleißarbeit

Die Insolvenzversicherung übernimmt allerdings nur die tatsächlichen Kosten - und keine Mehrkosten durch den Wechsel in ein anderes Hotel oder Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Reiseveranstalter.

Der Haken an der Insolvenzabsicherung: Nach Angaben der Verbraucherzentrale sei die Versicherungssumme gedeckelt. Je weniger Reisende sich melden, desto mehr Geld erhielte der einzelne Reisende als Entschädigung. Die Ansprüche müsse jeder für sich geltend machen.

Individualreisende gehen leer aus

Wer dagegen einen Condor-Flug unabhängig vom Hotel über Thomas Cook gebucht hat, hat keinen Insolvenzabsicherer im Rücken: Der bleibt nicht nur am Boden, sondern auch auf den Kosten sitzen. Direkt über die Thomas-Cook-Tochter Condor gebuchte Flüge können nach Angaben des Konzerns weiterhin angetreten werden.

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