Unwetter: Drastische Bilder – ein Stresstest für die Emscher

rnUnwetter-Bilanz

Zwei Unwetter haben am Freitag und Samstag (14./15.8.) den Dortmunder Westen heimgesucht. Besonders hart traf es Huckarde. Aber auch andere Stadtteile meldeten „Land unter“. Eine Bilanz.

Kley, Mengede, Huckarde, Dorstfeld

, 17.08.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gewitter, Hagel – und vor allem Starkregen: Am Freitagabend und Samstagnachmittag (14./15.8.) sind schwere Unwetter über Dortmund gezogen und haben vor allem den Dortmunder Westen getroffen. Im Blickpunkt stand vor allem der Stadtteil Huckarde.

Mit Ausnahme Huckardes sind die Stadtteile glimpflich davongekommen. Allerdings liefen in Nette die Keller voll, und der Parkplatz des Rewe-Marktes stand komplett unter Wasser.

Eine erste Bilanz zeigt, dass sich die Maßnahmen im Hochwasserschutz der vergangenen Jahre auszahlen. Die Pegelstände der Emscher in Dorstfeld, Deusen und am Hochwasser-Rückhaltebecken (HRB) in Mengede weisen für Freitagabend und Samstagnachmittag kurze markante Spitzen auf. Schnell floss das Wasser aber wieder ab.

Die Emscher ist ein Sprinter

In Dorstfeld erreichte der Pegel in der Nacht zu Samstag den Höchstwert mit 1,41 Metern, Samstagnachmittag waren es 1,38 Meter. Normal sind 0,21 Meter, erklärt Ilias Abawi am Montag (17.8.) auf Anfrage.

„Sehr entspannt“, nennt der Sprecher der Emschergenossenschaft das Starkregen-Ereignis. „Es war kein dramatisches Hochwasser.“ Im Gegensatz zu anderen Flüssen sei die Emscher „ein Sprinter“: das Wasser steige schnell, fließe aber auch schnell ab.

An "normalen Tagen" eine grüne Wiese: Das Regenrückhaltebecken des Zechengrabens im Süden von Nette nahm die Wassermassen des Unwetters am Samstag auf.

An "normalen Tagen" eine grüne Wiese: Das Regenrückhaltebecken des Zechengrabens im Süden von Nette nahm die Wassermassen des Unwetters am Samstag auf. © privat

Auch in Deusen und am HRB Mengede seien die Pegelstände in der Spitze noch unter dem Mittleren Hochwasser geblieben. In Mengede fehlten mit einer Scheitelspitze von drei Metern daran noch 77 Zentimeter. „Alle Anlagen haben gut funktioniert, es gab keine Ausfälle“, sagt Ilias Abawi. „Es gab keine Überflutungen.“ Auch nicht in Deusen, das Huckarde am nächsten liegt.

Deutliches Hochwasser zeigte sich auch im südlichen Teil von Nette an den Zuflüssen der Emscher. Der Nettebach stieg kurzzeitig deutlich an. Und auch das Regenrückhaltebecken des Zechengrabens an der Mengeder Straße füllte sich. „Auch wenn es drastisch aussieht, fuktioniert der Hochwasserschutz“, sagt der EG-Sprecher.

Das HRB hat seinen Zweck erfüllt

Das Hochwasser-Rückhaltebecken in Mengede an der Stadtgrenze zu Castrop-Rauxel nahm die Wassermengen auf. 3,04 Meter betrug hier der Höchststand. „Da war noch Luft nach oben“, sagt Abawi. Die Drosselanlage ließ nur die übliche Menge Wasser durch. Die Hochwasser-Welle trat in den Städten flussabwärts erst gar nicht auf. Das HRB hat seinen Zweck erfüllt.

Guter Hochwasserschutz bedeute aber nicht absolute Sicherheit. „Es besteht immer die Möglichkeit, dass bei einem Jahrtausend-Ereignis die Emscher über die Ufer tritt.“ Deswegen komme dem Projekt „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ besondere Bedeutung zu. In Zeiten des Klimawandels geht es dabei auch darum, Regen nicht nur in die Emscher und ihre Zuflüsse abzuleiten. „Regen soll möglichst da versickern, wo er entsteht“, sagt Ilias Abawi.

Auch der Nettebach stieg deutlich an, blieb aber in seinem Bett.

Auch der Nettebach stieg deutlich an, blieb aber in seinem Bett. © privat

Positive Bilanz der Stadtentwässerung

Ein positives Fazit nach dem jüngsten Starkregen zieht die Stadtentwässerung. „Die sehr umfassenden Maßnahmen des Lippeverbands, der Emschergenossenschaft und der Stadtentwässerung in der Vergangenheit haben ganz eindeutig Wirkung gezeigt“, schreibt Stadtsprecher Christian Schön auf Anfrage.

Das Niederschlagswasser werde dem natürlichen Wasserkreislauf, in erster Linie den Gewässern, zugeführt, die Gewässerlandschaft sei naturnah gestaltet. „Naturnah gestaltete Gewässer nehmen im Gegensatz zu vormals technisch ausgebauten Gewässern mehr Niederschlag auf und halten diesen zurück.“

Durch sogenannte Regenrückhaltebecken wie beispielsweise an der Borussiastraße/Kleyer Weg in Kley mit einem Speichervolumen von 14.000 Kubikmetern werde der Niederschlag im Kanalnetz zwischengespeichert und zurückgehalten, so Schön. „Überlastungen des Kanalnetzes werden damit vermindert oder gar vermieden.“

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