Unwetter in Dortmund: Straße verwandelt sich in Kartoffel-Fluss

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Der Briefsweg verwandelte sich in einen Fluss, in dem haufenweise Kartoffeln schwammen. Jetzt machen Anwohner und Stadt Dortmund klar Schiff.

Asseln

, 17.08.2020, 15:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dietrich Wrobel (79), der seit elf Jahren am Briefsweg in Asseln wohnt, hatte so etwas zuvor noch nicht erlebt: Die Straße vor seinem Haus verwandelte sich bei dem Unwetter am Samstag (15.8.) binnen kurzer Zeit in einen reißenden Fluss, der eine ungeheure Menge an Kartoffeln mit sich führte.

Viele Menschen haben sie offenbar für den Eigenbedarf aufgesammelt. „Ich glaube ja ehrlich gesagt nicht, dass die noch zu gebrauchen sind“, sagt Wrobel, „weil sie über den Asphalt gespült wurden, waren sie an vielen Stellen kaputt.“ Aber immerhin: „Die Kinder haben an dem Sturzbach ihren Spaß gehabt“, so Wrobel weiter.

Die Schlammspuren von einem Feld nördlich des Ertmarwegs bis hin zum Asselner Hellweg waren auch am Montag (17.8.) noch gut zu sehen. Das war die Schneise, die der Kartoffelstrom am Samstag genommen hatte.

Wrobel versuchte, mit einem Besen wenigstens vor seinem Haus etwas sauber zu machen. Er habe gehört, dass es so etwas wohl vor ungefähr 30 Jahren zuletzt gegeben haben soll.

Am Ursprung des Kartoffelflusses - der Quelle sozusagen - waren am Montag Mitarbeiter der Stadtentwässerung damit beschäftigt, die „Einlaufbereiche“ zu säubern - also die Stellen, in denen das Wasser eigentlich in die Kanalisation abgeleitet werden soll, wenn sie nicht wie in diesem Fall von Kartoffeln verstopft sind.

Die Mitarbeiter der Stadtentwässerung waren am Montag damit beschäftigt, die Kanaleinläufe am Ertmarweg zu spülen, um sie wieder durchlässig zu machen

Die Mitarbeiter der Stadtentwässerung waren am Montag damit beschäftigt, die Kanaleinläufe am Ertmarweg zu spülen, um sie wieder durchlässig zu machen. © Andreas Schröter

Der Ertmarweg ist seit Jahren ein sensibler Bereich. An seinem Ende erstrecken sich leicht ansteigend kilometerweit Felder, die bis zum Flughafen reichen. Wenn es regnet, kommt an dieser Stelle eine Menge Wasser an. Deswegen hat die Stadt im Jahr 2015 die Abwassergräber verbreitert und vertieft - „ausgekoffert“ - und die Einläufe vergrößert. Das alles hilft naturgemäß wenig, wenn besagte Einläufe verstopft sind.

Anwohner steckten Kartoffeln ein

Und so hatte die Feuerwehr auch bei diesem Unwetter wieder zahlreiche Einsätze wegen vollgelaufener Keller am Ertmarweg - nicht jedoch wegen der Kartoffeln, die zwar skurril waren, aber keine eigentliche Gefahr darstellten. Ein Feuerwehrsprecher bestätigt, dass sich viele Anwohner bei den vorbei schwimmenden Kartoffeln bedient haben.

So sieht der Kartoffelacker von Maik Middelschulte am Ende des Ertmarwegs nach dem Unwetter aus. Viele Kartoffeln liegen noch offen auf dem Feld

So sieht der Kartoffelacker von Maik Middelschulte am Ende des Ertmarwegs nach dem Unwetter aus. Viele Kartoffeln liegen noch offen auf dem Feld. © Andreas Schröter

Die erste Grob-Reinigung, so EDG-Sprecherin Petra Hartmann, erfolgte nach Information beim EDG-Pförtner durch die Bereitschaft am Wochenende. Sie sagt: „Hierbei wurden auch die Kartoffeln aufgenommen. Über die Menge können wir keine Auskunft geben.“

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Die Beseitigung sei als Straßenkehricht erfolgt – ohne Trennung. „Der Gedanke an Reibeplätzchen verbiete sich also“, so Hartmann, nicht ganz ernst gemeint.

Der betroffene Landwirt, Maik Middelschulte aus Holzwickede, war nicht zu einer Stellungnahme bereit.

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