Uralte Rosskastanien am Wall werden gefällt

Bakterien- und Pilzbefall

Sie stehen traurig braun an der Straße: kranke Rosskastanien. Die Alleebäume am Wallring prägten lange das grüne Gesicht der Stadt. Doch das wird sich in den nächsten Jahren deutlich verändern.

DORTMUND

, 14.06.2017, 17:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Uralte Rosskastanien am Wall werden gefällt

Die Rosskastanien, die gefällt werden müssen, sind bereits mit einem roten Punkt markiert.

Die Stadt will die massenhaft erkrankten Rosskastanien durch Eichen, Platanen und andere Bäume ersetzen. Über das neue Alleekonzept am Wallring soll im Juli der Rat entscheiden. Die prächtige Kastanienallee am Wall hat sich schon deutlich gelichtet. Mehr als 80 von insgesamt 560 Rosskastanien am Wallring mussten in den vergangenen Monaten gefällt werden. Aus Krankheitsgründen.

Bakterien machen Kastanien zu schaffen

Insgesamt, so stellten Experten fest, ist jede fünfte der 2275 Rosskastanien im Stadtgebiet von dem aggressiven Bakterium Pseudomonas syringae befallen. Das wurde vor gut sieben Jahren erstmals festgestellt und ist inzwischen eine bundesweite Plage. Es lässt die Bäume erst regelrecht „bluten“, dann werden die Wunden in der Rinde von Pilzen befallen, und das Laub wird schütter. Die zum Teil mehr als 100 Jahre alten Bäume verfaulen bei lebendigem Stamm. „Heilbar ist das nicht“, sagt Umweltdezernent Ludger Wilde. „Und das zwingt die Stadt mit Blick auf die Verkehrssicherheit zum Handeln“.

Konkret heißt das: Das Grün am Wallring wird durchforstet. Überall dort, wo Kastanien Anzeichen der Erkrankung zeigen, müssen sie gefällt und ersetzt werden. Dabei sollen abschnittsweise andere Baumarten zum Einsatz kommen, um neue Monokulturen zu vermeiden. Den Anfang machen der östliche Königswall und der Burgwall zwischen Freistuhl und Bornstraße. Hier sollen im Herbst auf dem Mittelstreifen großkronige Traubeneichen und am Straßenrand Stieleichen gesetzt werden.

"Ostwall wird deutlich anders aussehen"

2018 sollen dann der Schwanenwall und der nördliche Teil des Ostwalls mit noch zu bestimmenden Baumarten folgen, 2019 zeitgleich mit ohnehin anstehenden Kanalbau-Maßnahmen der südliche Teil des Ostwalls, dessen Kastanienallee fast 150 Jahre alt ist. „Der Bereich Ostwall wird dann deutlich anders aussehen“, kündigt Wilde an.

Ein kleiner Trost für Grün-Liebhaber: Mit den Neupflanzungen soll die Gesamtzahl der Bäume am Wall sogar erhöht werden. Dafür will die Verwaltung 16 von 1950 Parkplätzen entlang des Wallrings opfern. Und generell ist man bemüht, die Standortbedingungen für die Straßenbäume zu verbessern. So sollen im Mittelstreifen die Böden ausgetauscht und Bordsteine erhöht werden.

Insgesamt wird sich der Ersatz der Rosskastanien mindestens bis zum Jahr 2021 hinziehen, kündigt Martin Rüthers, Bereichsleiter Technische Dienste Grün im Tiefbauamt, an. Am Königswall zwischen Hauptbahnhof und U-Turm könnten die Kastanien vielleicht sogar erhalten bleiben. Denn dort zeigen die Bäume bislang keine Krankheitssymptome. Generell verspricht Rüthers: „Wir wollen den Umbau so behutsam wie möglich umsetzen. Ich bin Gärtner und nicht Holzfäller.“ 

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