"Urlaub opfern" um Amtsgänge zu erledigen

Bürgerdienste

Wir haben bei Facebook nach Erfahrungen bei den Dortmunder Bürgerdiensten gefragt. Auslöser: ein Foto von einer meterlangen Warteschlange quer über den Friedensplatz. Und wir haben viele Antworten bekommen. Unter anderem ist von geopfertem Urlaub und einer "Zumutung" die Rede.

DORTMUND

, 16.07.2016, 03:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
"Urlaub opfern" um Amtsgänge zu erledigen

Lange Schlangen bildeten sich zuletzt – wie hier am 12. Mai – auf dem Weg zu den Bürgerdiensten.

Eine nicht enden wollende Schlange, die sich quer über den Friedensplatz zieht, das Ziel: die Dortmunder Bürgerdienste, die Uhrzeit: 6 Uhr morgens. Schier nicht zu bewältigen sind die vielen Anliegen der Menschen, die die zu wenigen Bürgerdienste-Mitarbeiter in den Ferien bearbeiten müssen.

Auf Anfrage erklärte der Leiter der Behörde, Manfred Kruse, eine Verbesserung der Lage sei wohl erst im September nach der Einstellung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter zu erwarten.

Via Facebook haben sich viele Internetnutzer bei uns gemeldet. So schreibt die Nutzerin Laura Gra: "Der Ansturm ist gigantisch, aber das weiß man mittlerweile auch schon etwas länger." Sie selbst habe drei Wochen auf einen Termin warten müssen, sei dann aber "ohne Probleme" dran gekommen und in fünf bis zehn Minuten wieder draußen gewesen. Dieser Bericht ist jedoch eine Ausnahme - vielfach klingen die Erfahrungen sehr negativ.

Vier, sechs, acht Stunden Wartezeit

So erzählt der Nutzer Frank Treder von der vierstündigen Wartezeit seiner Lebensgefährtin in der Bezirksverwaltung Eving. Er empört sich: "Neuerdings muss man seinen Urlaub opfern, um Amtsgänge zu erledigen!" Sechs Stunden wartete auch Melanie Meyer, fast acht Stunden Fadime Demirci: "Es ist eine Zumutung." Ein Nutzer berichtet von einer Frau, die ihren Pass nicht verlängern konnte und nun ihren Urlaub absagen muss. Auch bei der Hotline sei niemand durchgekommen.

Glück hatten die Nutzerin Carolin Ja und ihre Begleitung, die verhältnismäßig "schnell" dran gekommen seien. Dennoch: "Ich will da nicht nochmal hin müssen!", schreibt ihre Freundin. So empfinden einige, jedoch nicht allein aufgrund der Wartezeit. 

So berichtet Nalan Bahloul: "Die Securitys sehr unfreundlich, (habe) mit Baby fünf Stunden gewartet." Auch andere Mitarbeiter der Behörde seien gereizt und unfreundlich gewesen, berichtet beispielsweise Anja Turk von den Erlebnissen einer Freundin. Diese habe von ihrem Problem berichtet, mit ihren drei Kindern nicht um 6 Uhr vor dem Stadthaus aufschlagen zu können - und sei nicht gerade auf Verständnis gestoßen.

Wegen Überfüllung weggeschickt

Einige der Facebook-Nutzer berichten, sie könnten sich wegen dieser Umstände nicht ummelden, ihre Autos anmelden oder den Pass verlängern. Talgat Diaminov berichtet: "Ich musste mich um 5.30 Uhr anstellen, nur um meinen Perso neu zu beantragen, und da war schon eine Schlange vor mir." Am Tag zuvor sei er wegen Überfüllung weggeschickt worden, hatte sich bei seiner Maßnahme in Aachen abgemeldet, wofür er eine Bescheinigung mitbringen musste. Die erhielt er so jedoch nicht. "So musste ich zum Arzt und mich krankschreiben lassen, damit ich nicht in Schwierigkeiten komme", schreibt er.

Das Problem bei den Bürgerdiensten ist kein neues. Bereits vor einigen Monaten gab es Berichte von Menschen, die aufgrund zu langer Wartezeiten und chaotischer Verhältnisse ihre Anliegen nicht erledigen konnten. Tipps, die die Facebook-Nutzer haben: Solange der Ansturm derart stark sei, sollten die Bürgerdienste um 7 Uhr anfangen und mit vereinzelten Pausen durcharbeiten, auch samstags und mittwochs öffnen.

Als Vorbild wird unter anderem Hagen genannt: Dort könne man das Auto bereits am Infoschalter abmelden, ohne warten zu müssen. Termine gibt es laut Berichten der Facebook-Nutzer teilweise erst wieder ab September.

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