US-Seite hetzt mit Video aus Dortmund gegen Flüchtlinge

Propaganda-Lüge

Ein Video aus Dortmund erregt derzeit Aufsehen in den Sozialen Netzwerken: Die wackelige Handy-Aufnahme zeigt eine Straßenschlacht in der Nordstadt. Eine Propaganda-Seite aus den USA verbreitet sie auf Facebook und behauptet, zu sehen seien randalierende Flüchtlinge. Doch tatsächlich zeigt das Video etwas ganz anderes.

DORTMUND

, 24.09.2015, 17:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
US-Seite hetzt mit Video aus Dortmund gegen Flüchtlinge

Die Polizei berichtet von massiver Gewalt gegen Beamte. Dieses Foto zeigt den Angriff von linken Randalierern auf einen Polizeibulli. Der Vorfall ereignet sich gegen 12.30 Uhr an der Ecke Lessingstraße/Uhlandstraße. Der Beamte im Bulli wird schwer verletzt.

Die Bilder sind drastisch: Hunderte Menschen ziehen vermummt durch einen Straßenzug, einige greifen einen Polizeiwagen an, im Hintergrund hört man die verängstigte Stimme der Filmerin. Die US-amerikanische Facebook-Seite " The Modern American Revolution " hat das Video am 19. September hochgeladen.

Der Kommentar dazu: Das passiere, wenn man "ausländische Invasoren" ins Land lässt. Die verstörenden Szenen seien am Vortag "in Germany" entstanden, ähnliches blühe Amerika, wenn US-Präsident Obama und der Kongress "diesen Leuten" Asyl in den Vereinigten Staaten gewähre.

Die Seite "The Modern American Revolution" - nach kruder Selbstbeschreibung eine politische Organisation, die neben vielem anderen gegen die amerikanische Regierung, Ausländer und Steuern ist - hat auf Facebook fast 140.000 Fans. Und so machte das Video schnell die Runde: 56.000 Menschen sahen es an, über 1700-mal wurde es geteilt. Mehr als 220 Kommentare stehen bisher neben den Bildern, viele von ihnen mit rassistischem Inhalt oder der Aufforderung, zu den Waffen zu greifen und sich zu verteidigen.

Angebliche Flüchtlinge sind in Wahrheit Linksautonome

Dabei sitzen die Kommentatoren einer ausländerfeindlichen Propaganda auf. Denn tatsächlich ist das angebliche Flüchtlingsrandale-Video eine glatte Lüge. Es entstand nicht - wie behauptet - vergangene Woche, sondern ist tatsächlich schon vier Jahre alt. Es zeigt Auseinandersetzungen in der Dortmunder Nordstadt Anfang September 2011. Und mit Flüchtlingen hat es erst recht nichts zu tun.

Neonazis hatten damals zu einem sogenannten "Antikriegstag" nach Dortmund gerufen. Um dagegen zu protestieren, waren neben über 10.000 friedlichen Neonazi-Gegnern auch 1500 militante Linksautonome in die Stadt gekommen. Als die Polizei verhinderte, dass sie zu den Rechtsradikalen durchdrangen, griffen sie in der Lessingstraße und der Uhlandstraße Polizisten an. Mehr als 40 Beamte wurden verletzt.

Dabei entstand das Video, mit dem nun auf Facebook Angst vor Flüchtlingen geschürt wird. Es war auch Teil unserer damaligen Berichterstattung zu den Vorfällen rund um die Neonazi-Demo.

Das Originalvideo:

Beliebte Masche von Neonazis

Immer wieder benutzen Rechtsradikale erfundene Geschichten, um Stimmung gegen Ausländer im Allgemeinen und Flüchtlinge im Speziellen zu machen - zuletzt in Lünen, als Neonazis auf einer Propaganda-Seite im Netz behaupteten,  eine Jugendliche sei von Flüchtlingen vergewaltigt worden . Tatsächlich gab es so einen Fall nie.

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