US-Soldaten erreichen die Zeche Fürst Hardenberg

11. April 1945

Lange konzentrierten sich die Kampfhandlungen vor allem auf den Westen - das änderte sich am sechsten Tag der Befreiung Dortmunds vor 70 Jahren: US-Truppen rückten in den Osten der Stadt vor. Am Abend erreichten die Soldaten die Zeche Hardenberg. Der Tag im Minuten-Protokoll.

DORTMUND

, 11.04.2015, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

6 Uhr: Nach rund einer Woche Artilleriebeschuss rücken die ersten US-Soldaten von Lünen-Brambauer kommend in Brechten, dem nördlichsten Vorort der Stadt, ein. Die letzten Kriegstage hatten viele Brechtener angesichts von Artillerie- und Jagdbomberangriffen in Bunkern und Kellern verbracht.

„Hier hockte alles im Dunkeln und wartete auf den Einmarsch des Feindes. Als wir am 11. April morgens 6 Uhr den Bunker verlassen hatten und eben zuhause angelangt waren, sahen wir die ersten Amerikaner einrücken. Unsere Truppe hatte sich inzwischen abgesetzt, so daß unser Dorf ohne Kampf besetzt wurde“, berichtet der Brechtener Wilhelm Tappe in seinen Erinnerungen an die letzten Kriegstage. 

8 Uhr: In Eving verhindern Bergarbeiter, dass Teile der Schachtanlagen der Zeche Minister Stein gesprengt werden. Zuvor waren in Eving und Lindenhorst Panzersperren aufgebaut und Kanalbrücken gesprengt worden. Für die Evinger ist es nun aber nur eine Frage der Zeit, bis die US-Truppen einrücken. An vielen Häusern wehen schon weiße Fahnen.

Eine Flakstellung in Lindenhorst. Foto: privat

9 Uhr: In Asseln werden Bäume auf der Bahnhofstraße gefällt, die Panzersperren bilden sollen.

10 Uhr: Nach kurzem Beschuss nehmen die Amerikaner Eichlinghofen und Kleinholthausen endgültig ein.

Der Lütgendortmunder Dr. W. Kötting beschreibt den Beschuss in seinem Tagebuch. Es wird vorgelesen von Radio-91.2-Moderator Dietrich Hellmann:

12 Uhr: Vollalarm in Asseln und Wickede. Alliierte Tiefflieger bombardieren die Vororte. Es gibt noch einmal Tote und Zerstörungen. Die letzten deutschen Soldaten ziehen von Norden kommend durch den Dortmunder Osten in Richtung Holzwickede – erkennbar auf der Flucht.

14 Uhr: US-Truppen rücken im Dortmunder Osten ein, weitgehend ohne Widerstand. Auch die eingerichteten Straßensperren sind für sie keine Hindernisse.

15 Uhr: Ebenfalls aus Richtung Brambauer kommend rollen die ersten amerikanischen Panzer in Holthausen ein. Vom Schulhof aus nehmen die US-Soldaten die Artilleriestellungen am Grävingholzwald unter Feuer. Die sind allerdings schon verlassen.

Die ersten Panzer treffen ein. Foto: Stadtarchiv Dortmund

15.30 Uhr: Die amerikanischen Stellungen in Holthausen werden von der letzten Flakeinheit in Kemminghausen aus beschossen. Ein US-Soldat, der die auf einen Bauernhof festgesetzten Dorfbewohner informieren will, wird von einem Granatsplitter tödlich getroffen, berichtet ein Augenzeuge.

16 Uhr: Über Husen, Wickede und Asseln rücken die US-Soldaten bis Wambel vor. Für diese Stadtteile ist der Krieg damit vorbei.

Wie die Situation in Husen war, beschreibt ein namenloser Ortsbürgermeister später in einem Brief an die Besatzungsmacht. Radio-91.2-Moderator Norbert Hoffmann liest den Bericht vor:

17 Uhr: Überall werden Straße für Straße alle Häuser systematisch durchsucht, um untergetauchte Soldaten ausfindig zu machen - und Erinnerungen an die NS-Zeit zu tilgen. Anhänger des Regimes hatten Parteiausweise, Abzeichen oder andere Dokumente, die sie mit der NSDAP in Verbindung bringen konnten, oft sorgsam versteckt.

Selbst Briefmarken mit Hitler-Porträt wurden konfisziert, erinnert sich eine Zeitzeugin. Unisono wird aber stets von der korrekten Behandlung durch die Besatzer berichtet, auch wenn die Verständigung mit den fremden Soldaten schwer fällt.

Unmut entsteht zuweilen da, wo ganze Häuser beschlagnahmt werden, in denen dann US-Soldaten ihr Quartier aufschlagen. „Schulen, Bauernhöfe und andere private Häuser wurden von Truppen vorübergehend belegt. Schwere Panzer und andere Waffen wurden auf Schulhöfen und anderen Flächen abgestellt und dort gewartet“, berichtet ein Zeitzeuge.

18 Uhr: Erste US-Soldaten erreichen die Zeche Fürst Hardenberg in Lindenhorst. Hier war bis vor wenigen Tagen noch Kohle gefördert worden. Wir beenden unseren historischen Kriegsende-Liveticker für heute mit einem Überblick über die bisher befreiten Gebiete (grün):

Was bisher geschah:

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