US-Wahl: Dortmunder Unternehmen könnten mit Trump-Sieg sehr gut leben

rnDortmunder Wirtschaft

Dortmunder Firmen verfolgen die Auszählung der US-Wahl gespannt. Sie hoffen auf stabile Handelsbeziehungen, weil sie in den USA viel Geld verdienen. Auf Trump haben sie sich eingestellt.

Dortmund

, 05.11.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Firma RoTeg steht für Robotertechnologie. Einige Kunden des Unternehmens von der Brennaborstraße in Kley sitzen in den Vereinigten Staaten. Vor wenigen Tagen erst wurde dort ein Großprojekt erfolgreich abgeschlossen. Sieben Roboter aus Dortmund palettieren jetzt in Kentucky Pkw-Bremsscheiben.

Natürlich blickt man bei RoTeg mit Interesse auf den Ausgang der US-Wahl. „Wir haben bisher in den USA eine ganz gute Nachfrage nach unseren Anlagen. In den vergangenen Jahren unter der Präsidentschaft von Donald Trump hatten wir durchaus einen Zuwachs zu verzeichnen“, sagt Marketing-Chef Michael Weber.

Dass der Vier-Achs-Palettierroboter in Kentucky jetzt nur unter großen Schwierigkeiten aufgebaut und in Betrieb genommen werden konnte, habe nichts mit Donald Trump und der Androhung von Handelsbeschränkungen zu tun, sondern mit der Corona-Pandemie.

Aufbau in Kentucky per Anleitung aus Dortmund

Die Einreisebeschränkungen der USA verhinderten die geplanten Montagen durch werkseigene Mitarbeiter – eine andere Option musste her. „Unsere Dortmunder Maschinen- und Anlagenbauer entwickelten völlig neue Abläufe und Verfahren für den Bau komplexer Anlagen im außereuropäischen Ausland“, sagt Michael Weber.

Ein wichtiger Teil der Lösung waren Videotutorials und Schulungen amerikanischer Techniker per Bild- und Videokonferenz. Darüber hinaus gab es während der Montageabläufe in Kentucky einen durchgehenden telefonischen Support aus Dortmund. Die Techniker waren per Bild und Ton online verbunden und konnten sich gegenseitig Augen und Hände sein.

Corona kann also für RoTeg und die über 60 Beschäftigten in Dortmund das Amerika-Geschäft nicht stoppen. Offen ist dagegen, was passiert, wenn Donald Trump im Amt bleibt und seine Handelspolitik gegenüber der Europäischen Union verschärft. Auch, wenn die speziellen und leicht bedienbaren Roboter aus Oespel den Amerikanern beim Palettieren ihrer Waren (unter anderem auch Lebensmittel und Baustoffe) sprichwörtlich unter die Arme greifen, könnten sie mit Strafzöllen belegt werden.

„Ob es zu weitreichenden Handelsbeschränkungen kommt, müssen wir abwarten. Wir hoffen einfach, dass das gute Verhältnis zu unseren amerikanischen Kunden bestehen bleibt“, sagt Michael Weber.

IHK: „Verlässliche Beziehungen von großer Bedeutung“

RoTeg ist nur eines von vielen Dortmunder Unternehmen, die in den USA Geschäfte machen. „In unserer IHK-Region pflegen rund 230 Unternehmen außenwirtschaftliche Beziehungen mit den USA“, sagt Heinz-Herbert Dustmann, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund (IHK). Er fügt hinzu: „Sicherlich blickt man gerade in diesen Unternehmen mit Spannung und großem Interesse auf den Ausgang der US-Wahlen. Für diese Betriebe sind gute und verlässliche Handelsbeziehungen mit dem amerikanischen Markt von großer Bedeutung. Die USA sind für Nordrhein-Westfalen mit einem Exportvolumen von rund acht Milliarden Euro zwischen Januar und August 2020 der viertwichtigste Handelspartner.“

Oliver Hermes ist Vorstandsvorsitzender der Wilo Gruppe in Dortmund

Als Vorstandsvorsitzender der Wilo Gruppe betont Oliver Hermes den „Region for region“-Ansatz seines Unternehmens und sagt: „Wir erleben eine ‚Globalisierung 2.0‘. Diese wird geprägt sein durch eine stärkere Regionalisierung der Wertschöpfungsketten in den drei großen Wirtschaftszentren Nordamerika, EU und Asien.“ © Julia Sellmann/laif

Beim Hörder Pumpenhersteller Wilo beispielsweise sind im Geschäftsjahr 2019 die Umsatzerlöse in Nordamerika kräftig gewachsen - um 13,6 Prozent. „Die Geschäftsentwicklung war sehr positiv“, sagt Oliver Hermes, der Vorstandsvorsitzende der Wilo Gruppe.

Und diese US-Bilanz hängt maßgeblich damit zusammen, dass Wilo in den für das Unternehmen sehr wichtigen Einzelmarkt USA kräftig investiert hat. Und das nicht trotz der Trump-Devise „America first“, sondern auch wegen dieser Devise. „Im Wesentlichen ging es der US-Regierung darum, die nationalen Unternehmen unterschiedlicher Zweige zu stärken und eine Re-Industrialisierung des Landes vorzunehmen. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung haben wir uns durch den Erwerb US-amerikanischer Pumpenhersteller im November 2019 strategisch kräftig verstärkt. Nach der gelungenen Integration der in 2017 erworbenen US-Gesellschaften Weil & Scot, haben wir 2019 eine weitere Gesellschaft gekauft – American-Marsh Pumps“, so Oliver Hermes.

Aktuell investiert Wilo in eine neue Produktionsstätte in Cedarburg/Chicago. Mittelfristig soll dort ein dritter globaler Stützpunkt der Wilo Gruppe eingerichtet werden.

Tintometer produziert auch in Florida

Ähnlich geht auch die Tintometer GmbH auf dem amerikanischen Markt vor. Das Weltmarkt-Unternehmen aus Aplerbeck, das Produkte zur Wasseranalytik in Kläranlagen oder Schwimmbädern und auch zur Farbmessung entwickelt und herstellt, produziert längst in den USA.

Bei seinem Besuch im Sommer stellte Firmenchef Cay-Peter Voss (r.) dem damaligen Oberbürgermeister Ullrich Sierau (l.) die Tintometer GmbH vor. Das Aplerbecker Unternehmen stellt Produkte zur Wasseranalytik und zur Farbmessung auch in Florida her.

Bei seinem Besuch im Sommer stellte Firmenchef Cay-Peter Voss (r.) dem damaligen Oberbürgermeister Ullrich Sierau (l.) die Tintometer GmbH vor. Das Aplerbecker Unternehmen stellt Produkte zur Wasseranalytik und zur Farbmessung auch in Florida her. © Peter Wulle

Entsprechend gelassen verfolgt Firmenchef Cay-Peter Voss das Rennen ums Weiße Haus. „Was den Ausgang der Wahl angeht, bin ich neutral. Wir kommen über die Runden, weil wir selbst Standorte in den USA haben“, sagt Firmenchef Cay-Peter Voss. Trump sorge mit seiner „America-first“-Handelspolitik zwar für Unsicherheiten, diese habe aber auch Erfolge gezeitigt.

„Wir produzieren in Sarasota bei Tampa in Florida. Und ich war vor der Trump-Wahl 2016 in dem Industriegebiet, in dem wir heute sind. Damals stand dort mehr als jedes zweite Gebäude leer und wurde zum Verkauf angeboten“, erzählt Cay-Peter Voss. Das habe sich geändert: „Die Handelsbeschränkungen mit China haben Wirkung gezeigt. Es gibt wieder Arbeit in den Fertigungsbetrieben. Damals hatten mir die Firmenchefs, die ich dort traf, gesagt, dass sie ihr Geschäft an China verloren hätten“, sagt Cay-Peter Voss und liefert damit eine Erklärung dafür warum Donald Trump zum Beispiel im so wichtigen „Swing state“ Florida gewinnen konnte.

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