Vater von Unfallopfer vermisst Bestrafung des LKW-Fahrers

Tödlicher Unfall auf Ruhrallee

Bernd Strumpelmeyer hat im Juni 2014 seine Stieftochter verloren. Christiane war auf der Ruhrallee unterwegs, als die 51-jährige Rollerfahrerin von einem LKW erfasst und überfahren wurde. Bernd Strumpelmeyer und seine Familie trauern seitdem. Jetzt versetzte ihnen die Gerichtsverhandlung zum Unfall einen neuen Tiefschlag.

BERGHOFEN

, 19.05.2016, 12:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Vater von Unfallopfer vermisst Bestrafung des LKW-Fahrers

Der LKW-Fahrer erkannte das Unfallopfer nicht. Für ihn fuhr die 51-Jährige mit ihrem Roller auf der Ruhrallee im „toten Winkel“.

Am 30. Juni 2014 waren Bernd Strumpelmeyer aus Berghofen und dessen Ehefrau in der Stadt, um für die 51-jährige Tochter Christiane ein kleines Geschenk zu kaufen. Zur Übergabe beim verabredeten Kaffeetrinken am nächsten Tag kam es nicht: Auf der Ruhrallee überrollte ein LKW Christiane, die noch an der Unfallstelle starb.

Gegen 19.40 Uhr schellte bei Bernd Strumpelmeyer an dem Tag das Telefon. „Papa, es ist ein schwerer Unfall passiert. Es sieht nicht gut aus“, hörte der heute 67-jährige Vater von vier Kindern die Stimme einer seiner drei Söhne, der vorher seine Schwester am Arbeitsplatz abgeholt hatte. Beide fuhren auf Motorrollern durch die Stadt.

Beim Abbiegen von der Ruhrallee auf den Südwall erfasste der 40-jährige Fahrer einer Zugmaschine den Roller der 51-Jährigen. Die Frau stürzte. Der LKW schleifte sie mit. Wenige Augenblicke später lag das Unfallopfer tot auf der Fahrbahn. „Christiane ist leider verstorben... Komm bitte nicht... Du darfst Christiane so nicht sehen“, hörte Bernd Strumpelmeyer beim zweiten Anruf seines Sohnes.

Keine Entschuldigung

Seitdem versucht die Familie, den Tod der Frau, die selbst Mutter und Großmutter war, zu verarbeiten. „Wir wären einen kleinen Schritt weitergekommen, wenn sich der Fahrer uns gegenüber schon früh erklärt und entschuldigt hätte, sagt Bernd Strumpelmeyer heute, fast zwei Jahre nach dem Schicksalsschlag und zwei Wochen nach der Gerichtsverhandlung. Die Verhandlung vor dem Amtsgericht am 4. Mai 2016 erlebte der Stiefvater von Christiane als Tiefschlag.

„Nichts erweckt unsere Tochter wieder zum Leben, auch ein hartes Urteil nicht. Aber ein gerechtes Urteil hätte uns einen großen Schritt weitergeholfen“, kommentierte er die Einstellung des Verfahrens wegen geringer Schuld. 

Der Fahrer, der nach dem Unfall einen Herzinfarkt erlitt und seitdem arbeitsunfähig ist, muss 2500 Euro an einen Verkehrsclub zahlen, der technische Assistenzsysteme für LKW mitentwickelt. Sensoren sollen die Fahrer vor Gefahren im „toten Winkel“ warnen – „der 40-jährige Fahrer der Zugmaschine hat die Rollerfahrerin nicht sehen können“, sagt Gerichtssprecher Dr. Gerhard Breuer. Denn das Unfallopfer fuhr im toten Winkel. Laut Gutachter sei der Fahrer nicht aufmerksam genug gewesen.

Mit einer Geldstrafe davongekommen

Dennoch versteht Bernd Strumpelmeyer nicht, warum der LKW-Fahrer mit einer Geldstrafe davongekommen ist. Denn der 40-Jährige saß am Steuer einer Zugmaschine, die er wegen ihres Gewichts über 7,5 Tonnen nicht hätte fahren dürfen. „Neben dem Geld wäre doch mindestens ein Fahrverbot fällig gewesen“, sagt der Berghofer, denn: „Vielleicht würde meine Tochter leben, wenn der Fahrer diesen LKW nicht bestiegen hätte.“

Auch in diesem Jahr werden die Angehörigen elf Tage vor dem 30. Juni wieder den Südwestfriedhof besuchen. Der 19. Juni ist Christianes Geburtstag. Bernd Strumpelmeyer ist hin- und hergerissen: „Ich vermisse auch nur den Ansatz einer Strafe.“ Und: „Wir alle sollten daran denken, dass jedem von uns im Straßenverkehr eine Unachtsamkeit passieren kann.“

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