Igitt oder oho? Fleischfan Vicky (22) testet Austausch-Produkte beim Vegan Street Day

rnVeganes Straßenfest

Fleischliebhaberin Vicky (22) hat sich beim größten veganen Straßenfest in Deutschland durch einige Alternativen probiert. Das Ergebnis der Geschmackstests fiel ganz unterschiedlich aus.

von Rebekka Antonia Wölky

Dortmund

, 03.08.2019, 21:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Vegan Street Day, der am Samstag (3. August) auf dem Reinoldikirchplatz stattgefunden hat, lag als Deutschlands größtes veganes Straßenfest weit außerhalb von Vickys (22) Komfortzone. In Dortmund findet er seit 2006 statt. Vertreten sind auf dem Fest neben Organisationen wie Greenpeace Energy und Animal Rights Watch auch Hersteller vieler Produkte, die ohne tierische Inhaltsstoffe auskommen. Darunter Kleidung und Alternativen zu Bienenhonig.

Vickys Lieblingsgericht ist seit jeher Salami-Pizza – also keine besonders veganerfreundliche Wahl. „Wenn ich meinem Vater erzähle, wo ich heute bin, denkt der, ich sei krank“, sagt die Studentin aus Lücklemberg lachend, als sie sich den veganen Food-Trucks zögerlich nähert. Für unseren Geschmackstest hat sie sich trotzdem durch Weizenburger, Bohnenfrikadellen und milchfreies Eis probiert. Und drei unterschiedliche Bilanzen gezogen.

Auf dem Weg zu den kulinarischen Angeboten lesen Besucher auf Plakaten, warum Milch- und Eierproduktion oft mit Tierquälerei verbunden sind. Die veganen Fleischersatzprodukte sind Vicky trotzdem nicht ganz geheuer.

Brötchen mit Brötchen und Salat

Als erstes bestellt sie schließlich einen veganen Döner. Und fragt interessiert, woraus das „Nicht-Fleisch“ vom Spieß denn gemacht sei. „Seitan“, ist die Antwort. „Ein Weizenprodukt.“ „Aha, dann esse ich jetzt also quasi Brötchen im Brötchen“, folgert Vicky. Beherzt beißt sie in den Döner, kaut mit gerunzelter Stirn. Obwohl aus dem Fleisch-ist-mein-Gemüse-Lager der Gesellschaft kommend, gibt sie schließlich zu: „Ich würde jetzt wirklich gern sagen, dass es schlecht ist, aber es ist einfach nur langweilig. Schmeckt nach nix mit Soße und Salat.“

Igitt oder oho? Fleischfan Vicky (22) testet Austausch-Produkte beim Vegan Street Day

Das „Brötchen im Brötchen“ - also der vegane Döner - hat leider nicht sofort überzeugt. © Schaper

Zur Konsistenz des Seitan-Kebab sagt sie nur: „Nicht Fleisch“. Isst man den Seitan pur, so erinnert er aber wenigstens geschmacklich ein wenig an Mortadella. Und die steht bei Vicky eigentlich hoch im Kurs. Die erste Bilanz ist also: „Es gibt Schlimmeres, aber kaufen würde ich es mir nicht.“ Außerdem merkt sie an, dass Weizen auch nicht als das gesündeste aller Lebensmittel gelte. Und da das Auge ja bekanntlich mitisst, folgt auch eine knappe Bewertung in Sachen Ästhetik: „In der Auslage sieht das aus wie ein Haufen aufgeweichter Pappe.“ Ob Dönerfleisch so viel anders aussieht, bleibt fraglich.

Der veganste Burger der Welt

Beim zweiten Gericht fällt das Ergebnis etwas anders aus. Burger mit einer „Frikadelle“ aus schwarzen Bohnen gibt es. Die sieht zwar fast aus wie eine aus Fleisch, schmeckt aber Vickys Gesichtsausdruck nach zu urteilen definitiv anders. Denn der wechselt von freudiger Erwartung vor dem ersten Bissen zu Skepsis beim abbeißen und schließlich Ekel beim Kauen.

Igitt oder oho? Fleischfan Vicky (22) testet Austausch-Produkte beim Vegan Street Day

Ein veganer Burger mit „Fleisch“ aus schwarzen Bohnen, wie der sich wohl schlägt? © © Schaper

Immerhin spuckt sie die schwarze Masse nicht gleich wieder aus, sondern murmelt nur „Das wird immer mehr im Mund.“ Und der Geschmack? „Baah. Zitat Ende.“ Auch, als sie sich zur Gewürzgurke vorgearbeitet hat, wird es anscheinend nicht besser. Aber die Soße sei sehr lecker, Burgerbrötchen und Salat ebenfalls.

„Ohne das Burgerpatty würde ich es gern essen“, sagt Vicky. „Schwarze Bohnen sind ja auch wirklich das Veganste, was es gibt.“ Selbst der Autorin als Vegetarierin schmeckt die Frikadelle ein bisschen zu sehr nach Pflanze. Es ist eben nicht das, was man erwartet, wenn man in einen Burger beißt.

Eis wie Schokoriegel

Zur Belohnung für Tapferkeit und Durchhaltevermögen bekommt Vicky zum Abschluss ein Eis. Zwar ein veganes, aber Eis sei Eis, findet sie. Die Schlange an dieser letzten Station ist besonders lang, Vicky wertet das als gutes Zeichen und schöpft neue Hoffnung. Und tatsächlich: Das zweifarbige, kunstvoll gedrehte Softeis kann voll und ganz überzeugen. „Oh, das ist lecker, schmeckt wie Milky-Way“, sagt Vicky nach den verstörenden pflanzlichen Erfahrungen dieses Mittagessens fast ein wenig überrascht.

Igitt oder oho? Fleischfan Vicky (22) testet Austausch-Produkte beim Vegan Street Day

Eiskalt, schokoladig und trotzdem vegan - wenigstens das überzeugt voll. © Schaper

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