Verbotene Prostitution in Dortmund auf Höchststand seit 2013

rnPolizei-Statistik

Der Internationale Hurentag im Juni soll auf die Arbeitsbedingungen von Prostituierten hinweisen. In Dortmund ist illegale Prostitution in den letzten Jahren deutlich häufiger aufgefallen.

Dortmund

, 12.06.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Körperkontakt mit Kunden gibt es in vielen Berufszweigen. Doch die Arbeit von Prostituierten ist mit Corona-Mindestabstand so gar nicht umsetzbar. Wegen der zeitweisen Schließung der Bordelle liegt die Vermutung nahe, dass einige Sexarbeiterinnen ihren Job illegal weiter ausüben.

Dabei sind die Zahlen zur verbotenen Prostitution im vergangenen Jahr bereits deutlich gestiegen. Die Polizei Dortmund hat 187 Fälle aus dem Jahr 2019 verzeichnet - das sind 68 Prozent mehr als noch vor vier Jahren. Der Höchstwert lag zuletzt bei 212 Verfahren im Jahr 2013.

Straßenprostitution ist nur noch an einer Stelle legal

Straßenprostitution ist in Dortmund seit 2011 nur noch an der Linienstraße erlaubt. Von dieser Straße abgesehen gibt es einen Sperrbezirk von Eving bis zum Westfalenpark und vom Unionviertel bis zum Ostfriedhof, in dem jede Art der Prostitution verboten ist.

Aus Sicht der Polizei ist der Anstieg der Ermittlungsverfahren von 2018 auf 2019 - es gab 28 Prozent mehr Anzeigen - schnell erklärt: „Nach zahlreichen Beschwerden von Anwohnern zum Beispiel der Bergmannstraße in der Nordstadt hat die Polizei dort den Kontrolldruck erhöht“, heißt es auf Anfrage. Die Straße liegt ganz in der Nähe des ehemaligen Straßenstrichs nahe der Bornstraße.

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Die Frauen und die Freier würden ihre Geschäfte dort auch tagsüber in der Nähe von Kindertagesstätten ausüben: „Die Polizei nimmt die Bürger-Beschwerden sehr ernst und geht konsequent gegen den ‚Freiersuchverkehr‘ in den Anliegerstraßen vor“, so Sprecher Peter Bandermann. Die Kontaktaufnahme finde in der Regel auf offener Straße und in Autos statt.

Die Polizei hat es in dem Bezirk nach eigener Aussage konstant mit etwa 40 drogensüchtigen und „häufig austherapierten“ Frauen zu tun, die zur Finanzierung der Sucht ihre Körper verkaufen. Dabei handele es sich auch um Frauen, die vom Krankheitsverlauf stark gezeichnet sind. „Austherapiert“ bedeutet, dass es keine sinnvollen Behandlungsmöglichkeiten der Sucht mehr gibt.

Drei Anzeigen innerhalb von zweieinhalb Stunden

Bandermann nennt beispielhaft einen Abend im März dieses Jahres, an dem an der Bergmannstraße innerhalb von zweieinhalb Stunden gleich drei Anzeigen wegen illegaler Prostitution geschrieben wurden.

Drei Frauen, die der Polizei alle bereits bekannt waren, nahmen Gespräche mit Männern auf und gingen oder fuhren mit ihnen fort, bis Polizisten einschritten. „Eine 30-Jährige erklärte unter Tränen, dass sie kein Geld habe und nur so ihren Lebensunterhalt finanzieren könne“, berichtet Bandermann.

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Polizeipräsident Gregor Lange sagt zum Thema: „Die Polizei ist täglich im Einsatz, um die damit verbundenen Belästigungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten.“ Allerdings lasse sich die Situation „dank politischer Entscheidungen über die Schließung des Straßenstrichs mit den Zuständen zwischen 2009 und 2012 nicht mehr vergleichen“. Lange sieht seitdem generell eine positive Entwicklung durch die Arbeit von Stadtverwaltung und Polizei.

Simone Kleinert vom Frauenrechtsverein Terre des Femmes sagt zum Thema: „Wir sind absolut dagegen, Frauen in der Prostitution zu kriminalisieren.“ Sie meint, dass 80 bis 90 Prozent aller Sexarbeiterinnen Zwangsprostituierte oder Opfer von Menschenhandel seien.

Initiative gegen die Kriminalisierung

Für Drogenabhängige sei es sehr schwer, Geldstrafen zu bezahlen. „Wenn sie es schaffen auszusteigen, haben sie erst mal einen Schuldenberg angehäuft“, so Kleinert.

Sie fordert stattdessen, nur diejenigen zu bestrafen, die die Notlage der Frauen ausnutzen. „Freier und Zuhälter, die sich zugedröhnte Frauen nehmen - was sind das für Männer?“, fragt sie. Die Mitternachtsmission schätzt, dass vor der Corona-Pandemie rund 2000 Prostituierte in Dortmund arbeiteten - legal oder illegal.

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