Verein aus Hörde hilft Ex-Gefangenen seit Jahrzehnten – und löst sich jetzt auf

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Der Verein Gefangeneninitiative aus Hörde hilft Ex-Gefangenen dabei, ins richtige Leben zurückzukehren. Die in Dortmund einzigartige Arbeit wird es in dieser Form nicht mehr lange geben.

Hörde

, 04.09.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Gefangeneninitiative wird es bald nicht mehr geben. Ende August 2020 wird der eingetragene Verein, der sich seit Ende der 1970er-Jahre um ehemalige Strafgefangene kümmert, Geschichte sein.

Vor wenigen Wochen haben Herbert Kortländer und Regina Merkel das sogenannte Liquidationsverfahren beim Notar in Auftrag gegeben. Dieser formale Schritt mit dem so sperrigen Namen ist nötig, um die Löschung eines Vereins in die Wege zu leiten. Und das muss ein Jahr im Voraus geschehen. Jetzt liegt der Antrag beim Amtsgericht.

Angefangen hat alles in der Nordstadt

„Ich hatte schon eine Träne im Knopfloch“, sagt die Diplom-Pädagogin, die seit 1983 im Verein ist. „Aber wir haben die Vereinsauflösung schon lange vorbereitet.“ 1995 ist die Gefangeneninitiative aus der Nordstadt an die Hermannstraße 78 gezogen, wo sie 1979 ihren Anfang nahm. Während die ehemaligen Gefangenen zunächst noch in verteilten Einzelwohnungen untergebracht waren, gibt es hier in Hörde vier Wohnungen für zehn Menschen.

Verein aus Hörde hilft Ex-Gefangenen seit Jahrzehnten – und löst sich jetzt auf

Regelmäßig hat die Gefangeneninitiative Bücherflohmärkte veranstaltet, zuletzt im Mai 2019. © Rüdiger Barz (Archiv)

Der Verein hilft ihnen dabei, durch nahe Betreuung das Leben nach der Haft zu schaffen. In den vergangenen 24 Jahren lebten hier hunderte verschiedene Straftäter, Schwarzfahrer, Vergewaltiger. Die meisten von ihnen haben es so geschafft, ein Leben ohne Straftat zu führen.

Spenden willkommen

Antiquariat ist fünf Tage die Woche geöffnet

  • Die Gefangeneninitiative ist beheimatet in der Hermannstraße 78. Zu erreichen ist der Verein unter Tel. 41 21 14. Ein Blick ins Archiv ist möglich unter www.archiv-schwarzer-stern.de.
  • Das Antiquariat im Erdgeschoss ist montags bis donnerstags von 10 bis 16 Uhr und freitags von 10 bis 15 Uhr geöffnet.
  • Geldspenden willkommen auf folgendes Konto: IBAN DE62 4405 0199 0291 0122 99

Sozialarbeiter Herbert Kortländer hat 1984 bei der Gefangeneninitiative angefangen. „Ein bisschen Wehmut ist dabei, dadurch dass man schon so lange dabei ist“, sagt er. Zusammen mit Regina Merkel hält Kortländer den Verein seitdem am Leben, die beiden haben ihn 1990 neu gründen müssen, als kurz zuvor ein Mitarbeiter Geld unterschlagen hat. Diese Jahrzehnte der Mitarbeit und des Engagements zeigen aber auch eines: Kortländer und Merkel werden nicht jünger. Das Alter ist auch der wesentliche Grund für das Ende des Vereins.

Gespräche mit einem Nachfolger laufen

Für die Ex-Gefangenen gibt es aber noch Hoffnung. Zwar müssen sie zum 31. August 2020 aus der Hermannstraße ausgezogen sein, doch möglicherweise wird ein anderer Verein die Arbeit der Gefangeneninitiative als eigenes Projekt weiterführen. Die Gespräche laufen noch.

Verein aus Hörde hilft Ex-Gefangenen seit Jahrzehnten – und löst sich jetzt auf

Beheimatet ist der Verein an der Hermannstraße 78, direkt neben dem Cabaret Queue. © Michael Nickel

„Wenn es nicht gehen sollte, werden wir aber alle Hebel in Bewegung setzen, eine Wohnung für alle zu finden. Auch wenn es wahnsinnig schwer ist, bezahlbaren Wohnraum zu finden“, sagt Regina Merkel. „Wir setzen niemanden auf die Straße.“

So eine Vereinsauflösung kostet aber auch Geld. Viele Förderer hatte die Gefangeneninitiative in den vergangenen Jahren nicht, der LWL hat den Verein maßgeblich unterstützt.

Geld konnten Kortländer und Merkel aber auch durch den Verkauf von Büchern im hauseigenen Antiquariat auftreiben. Ab Januar werden die mit 75 Prozent Rabatt verkauft. Bis dahin läuft der reguläre Verkauf normal weiter. Und der Verein macht auch weiter bis zu seinem letzten Tag.

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