Nach Schicksalsschlag: Trauern im Wald gibt Kindern ein Stück Freiheit

rnVerein Querwaldein

Der Verein Querwaldein bietet künftig etwas Neues an: eine Wald-Spielgruppe für trauernde Kinder. Die Anmeldung ist ab sofort möglich – und kann den Kindern ein neues Lebensgefühl geben.

Dorstfeld, Renninghausen

, 15.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich sollte die Wald-Spielgruppe für trauernde Kinder bereits Ende August an den Start gehen. „Aber gerade findet sich noch alles zusammen, vor allem, was Institutionen angeht, die uns unterstützen und zum Teil auch Kinder vermitteln, die von unserem Angebot profitieren können“, erklärt Natur- und Wildnis-Pädagogin Marion Metzger vom Verein Querwaldein.

Deshalb werde die Gruppe vermutlich erst später starten. Auch, damit sich erst einmal genug Kinder für das angestrebte Gruppen-Gefühl zusammenfinden. Mindestens fünf und maximal zehn sollen es sein.

„Es sollen ausreichend Spielkameraden, aber auch ausreichend Konzentration für jedes einzelne Kind da sein“, sagt Marion Metzger. Weil das Angebot des Vereins mit Sitz in Dorstfeld, am Rande der westlichen Innenstadt, noch neu ist, müsse sich das alles erst finden und zusammenfügen.

„In der Natur gehören Leben und Sterben zusammen“

Den Rahmen gibt es allerdings bereits. Der Ort des Geschehens ist der Schultenhof in Renninghausen, wo Querwaldein auch andere naturpädagogische Aktionen für Kinder anbietet.

Dort seien die örtlichen Gegebenheiten ideal für Spiele und Gruppen-Aktionen, so Trauer-Pädagogin Karin Sinn, die die Gruppe gemeinsam mit Marion Metzger leiten wird. Zudem sei der Hof gut angebunden, sodass auch Kinder teilnehmen können, deren Eltern kein Auto besitzen.

„Die Arbeit mit den Kindern im Freien ist ideal“, sagt Marion Metzger. „In der Natur gehören Leben und Sterben ohnehin untrennbar zusammen. Hier ist alles offen, deshalb kann auch über alles offen gesprochen werden.“

Das Programm richte sich zwar vor allem nach den Wünschen der Kinder, es soll aber auch Rituale geben, beispielsweise zur Begrüßung. Das Angebot ist auf Kinder zwischen 6 und 12 Jahren ausgelegt, jüngere Kinder sind aber auch willkommen.

Teilnahme ist unbegrenzt

Zudem dürfe jedes teilnehmende Kind so lange in der Gruppe bleiben, wie es die Gruppe brauche. Wann immer es freie Plätze gibt, können neue Kinder hinzustoßen. „Trauer ist ein Lebensthema, der Verlust bleibt für immer“, sagt Karin Sinn. „Jeder braucht eine unterschiedlich lange Begleitung.“

In der Gruppe sei Platz für die Traurigkeit der Kinder, die sie im Alltag oft unterdrücken müssen. Denn meist sind sie beispielsweise in ihrer Schulklasse die einzigen, die Mutter, Vater, ein Geschwisterkind oder einen andere derartig nahe Bezugsperson verloren haben.

In der Wald-Spielgruppe eint der Schicksalsschlag die Kinder. Das gegenseitige Verständnis sei da und erleichtere es vielen, sich überhaupt erst zu öffnen und ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen.

„Kinder reden oft nicht, sie erleben“, sagt Karin Sinn. „Das gemeinsame Erleben in der Natur kann ihnen Sicherheit zurückgeben, wilde Spiele im Wald können die Spannung im Inneren lösen.“ Oft sei es auch so, dass die Kinder sich bei den Aktivitäten ganz automatisch unterhalten.

Die Frage nach dem „Wie?“

Dabei sei die Frage, wie der Angehörige gestorben sei, meist die bedeutsamste für die Kinder. Aber auch die Frage, wie es nun ohne die Person ist, wie es weitergeht und wie sich das Leben innerhalb der Familie durch den Verlust verändert hat.

„Es ist wichtig, dass hier in der Gruppe Platz für Gefühle und Gespräche ist“, sagt Karin Sinn. „Im Alltag fehlt das oft. Erst sind der Schock und die Anteilnahme im Umfeld groß, aber für alle geht das Leben weiter. Nur für die Hinterbliebenen geht auch das Fehlen eines Menschen weiter und ist extrem stark.“

Marion Metzger und Karin Sinn hoffen, dass ihr Angebot in der Natur gut angenommen wird. „Gemeinschaftsaktionen mit den Familien zwischendurch lockern das Ganze dann noch einmal auf“, sagt Karin Sinn.

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