Streit in Lanstrop: Zwei Vereine wollen sich um Haus Wenge kümmern

rnWasserschloss in Lanstrop

Zwei Vereine möchten sich um das Wasserschloss Haus Wenge kümmern. Die Stadt hat nun entschieden, welcher Verein sich künftig kümmern darf. Darüber wird jetzt gestritten.

Lanstrop

, 15.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In Lanstrop möchten sich künftig gleich zwei neue Vereine um das Wohl und Wehe des Wasserschlosses Haus Wenge kümmern. In ihrer Namensgebung unterscheiden sich die Vereine nur um eine Winzigkeit voneinander – der eine Verein heißt „Haus Wenge Heimat- & Kulturverein“, der andere nennt sich „Haus Wenge Heimat und Kulturverein“.

Was wie eine Szene aus dem Monty-Python-Film „Das Leben des Brian“ klingt, ist in Lanstrop bittere Realität. Die Stadt Dortmund als langfristige Pächterin des Wasserschlosses hat auf die Vereinsgründung bestanden, weil sie für die künftige Nutzungsvereinbarung einen rechtsfähigen Partner braucht. Denn der seit 2016 existierende Lenkungskreis sei das nicht gewesen.

Am 8. Januar kam es zum Streit

Zum Streit kam es während der Gründungsversammlung eines der beiden Vereine am 8. Januar. Laut der Freien Journalistin Sabine Schwalbert, die sich im alten Lenkungskreis engagiert hat, seien auf dieser Versammlung plötzlich Leute aufgetaucht - vorwiegend SPD-Politiker -, die zuvor nicht im Lenkungskreis mitgemacht, dann aber die Vorstandsposten unter sich ausgemacht hätten.

Dieser Vorwurf zielt auf den Lanstroper SPD-Politiker Willi Most ab, der auf der Versammlung zum 2. Vorsitzenden gewählt wurde. Er sagt: „Das war eine demokratische Abstimmung. Da war alles in Ordnung.“

Architektonisches Kleinod und beliebt bei allen Lanstropern ist das Haus Wenge an der Alekestraße 4 - wie hier beim Tag des Offenen Denkmals..

Architektonisches Kleinod und beliebt bei allen Lanstropern ist das Haus Wenge an der Alekestraße 4. © Oliver Schaper (Archiv)

Fakt ist: Es gibt zwei Vereine. Der eine ist unter dem Vorsitz von Bezirksbürgermeister Heinz Pasterny (SPD), der andere unter dem Vorsitz des Lanstroper Mieterbeirat-Mitglieds Christian Clobes.

Die Stadt hat sich nun entschieden, mit welchem Verein sie zusammenarbeiten möchte. Dazu sagt Nordwärts-Chefin Michaela Bonan, in deren Zuständigkeit das Haus Wenge fällt: „Wir haben die Nutzungsvereinbarung mit dem Verein getroffen, in dem Heinz Pasterny Vorsitzender ist.“

Das heiße aber nicht, dass die Mitglieder des anderen Vereins nun außen vor seien. Aufgabe des extra für solche Fälle eingesetzten Moderators Heinz Bünger (dem ehemaligen VHS-Chef) sei es, alle Protagonisten vor Ort an einen Tisch zu holen, um das Beste zum Gelingen des Projektes herauszuholen.

So unschön die aktuelle Situation sei, sie komme bei ehrenamtlichen und informellen Projekten, die aus der Bürgerschaft erwachsen, leider öfter vor.

Phase 1 sei ein großer Enthusiasmus bei allen Beteiligten, Phase 2 ein heilloser Streit, Phase 3 ein Herausschälen der Handlungsträger, die das Projekt am Ende wirklich weiterbringen.

Beim Haus Wenge sei man gerade etwa am Ende der Phase 2 angekommen. Gerade diese Situation veranschauliche, wie wichtig es sei, solche Projekte professionell zu begleiten.

Ärger auch um das designierte Hausmeisterpaar

Das Ungemach ist damit noch nicht vorbei: Der Pasterny-Verein möchte nicht länger mit Sven Jütte zusammenarbeiten, der mal als Hausmeister vorgesehen war und der mit seiner Partnerin bereits im Haus wohnt – etwas, das der Lenkungskreis laut Heinz Pasterny bisher geduldet habe.

Willi Most bezeichnet den Aufenthalt Jüttes im Haus Wenge dagegen als „rechtswidrig“. Der Verein werde nun alles daransetzen, Jütte des Hauses zu verweisen. Er habe sich Lanstroper Bürgern gegenüber nicht so verhalten, wie es der Verein gerne sehen würde, so die Begründung.

Im Clobes-Verein dagegen ist Jütte 2. Vorsitzender und soll weiterhin Hausmeister bleiben – eine verfahrene Situation.

Vereine haben eigentlich dasselbe Ziel

Dabei wollen beide Vereine dasselbe: das Haus Wenge wieder für die Öffentlichkeit nutzbar machen und dort viele Aktivitäten anbieten. Das können Ausstellungen sein, Trauungen, kleine Konzerte, regelmäßige Treffs von verschiedenen Gruppen und noch vieles mehr.

Georg Anders, Schriftführer im Pasterny-Verein, betont, dass das Haus auch für andere Vereine oder Gruppen aus der Bürgerschaft bereitstehen soll. Der MGV Lanstrop habe bereits Interesse bekundet. Ein Treffen für Geflohene, eine Skatgruppe oder Seminare – auch von der VHS –, die im Haus stattfinden könnten, sind weitere Ideen. Vor dem Haus könnte eine Fahrradstation entstehen.

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Mit finanzieller Hilfe des NRW-Heimatministeriums könnte der Dachstuhl so hergerichtet werden, dass Architektur-Studierende ihn untersuchen könnten. Er ist als freitragender hölzerner Dachstuhl eine architektonische Besonderheit. Um die Außenanlagen möchte sich innerhalb der Gräfte der Verein kümmern, wie Kassierer Werner Gollnick ausführt, außerhalb, im Wenge-Park, bleibe die Stadt zuständig.

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Zum Vegetationskonzept gehören auch Wildblumenwiesen, die dem einen oder anderen womöglich als „Unkraut“ erscheinen mögen, um das sich nicht gekümmert werde. Dem sei nicht so.

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Wie Heinz Pasterny weiter ausführt, sollen die Arbeiten im Haus im Juni abgeschlossen sein. Wie berichtet hatten immer neue Schäden, die bei der Renovierung zutage traten, die Arbeiten verzögert. So mussten unter anderem Balken und Wände erneuert und ein zweiter Fluchtweg gebaut werden.

Kontakt

Verein nimmt Mitlieder auf

Der Pasterny-Verein besteht derzeit aus 13 Mitgliedern. Weitere sind willkommen: einfach eine kurze Nachricht in den Briefkasten des Hauses an der Alekestraße 4, 44329 Dortmund, werfen. Der Clobes-Verein besteht derzeit aus 10 Mitgliedern.

Das Haus Wenge ist ein ehemaliger Adelssitz, dessen Grundmauern auf das 13. Jahrhundert zurückgehen. Seit 2018 hat die Stadt Dortmund es zunächst für 20 Jahre (mit der Option auf 10 weitere Jahre) vom Pächter Prof. Thomas Drisch, der 2006 in die Schweiz ausgewandert ist, angemietet – mit dem Ziel, es für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen.

Kommentar

Rauft Euch zusammen!

Als Journalist sehe ich leider nur die Spitze des Eisbergs, alles, was darunter ist, bleibt mir verborgen. Deswegen maße ich mir kein Urteil darüber an, ob der Pasterny/Most- oder der Clobes/Schwalbert-Verein im Recht ist. Ich weiß nur, dass viele Menschen in Lanstrop und Umgebung sehnsüchtig darauf warten, dass das wunderschöne Haus Wenge endlich wieder für die Öffentlichkeit nutzbar ist. Viel zu lange zieht sich dieser Prozess nun schon hin. Man könnte fast weinen darüber, dass nun – da die Bauarbeiten offenbar tatsächlich dem Ende entgegengehen – zwischenmenschliche Probleme die Öffnung weiter verzögern könnten. Deswegen möchte ich den dringenden Appell an alle Beteiligten richten: Versuchen Sie, sich zum Wohle der Lanstroper und des Hauses Wenge zusammenzuraufen. Wenn Michaela Bonan von Nordwärts recht hat, und ich glaube ganz sicher, dass sie recht hat, ist ein Streit im Laufe von solchen Prozessen schon fast normal. Aber danach muss dann die nächste Phase kommen. Von Andreas Schröter
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