Verlängerte Weihnachtsferien: Hübsche Idee ist billige Symbolpolitik

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Ganz Deutschland sucht nach einer Lösung für einen sicheren Schulunterricht. Die Antwort in NRW lautet: Zwei Tage mehr Weihnachtsferien. Unser Autor findet: Das ist billige Symbolpolitik.

Dortmund

, 13.11.2020, 18:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Plan des NRW-Schulministeriums ist einfach: Die Weihnachtsferien sollen bereits am 18. Dezember beginnen. Man schenkt sich die zwei Tage am 21. und 22. Dezember. Diese Tage, von denen ohnehin niemand sagen kann, warum man sie noch zwischen ein Wochenende und Ferienbeginn packt.

Und alle bleiben dann zuhause unter sich und feiern dann mit Oma, Opa und allen Verwandten Weihnachten. Das ist vernünftig überlegt und klingt in der Theorie schön. In manchen Familien wird es auch genauso ablaufen.


Einigen Dortmundern bereiten die verlängerten Ferien Probleme

Doch Reaktionen auf die Ankündigung zeigen: Für viele Dortmunder ist der verfrühte Ferienbeginn ein Grund, sich zu ärgern.

Ein beträchtlicher Teil der Dortmunder hat vor Heiligabend eben keine lockere Woche, um sie mit Kindern zuhause gemütlich abzusitzen.

Es sind zwei weitere Tage, an denen die privaten Netzwerke strapaziert werden müssen, um die Kinder zu betreuen. An denen der Chef wieder um freie Tage gebeten werden muss, weil Homeoffice im Einzelhandel oder in der Pflege eben nicht möglich ist.

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Die pauschale Regelung vergisst wie schon manche Maßnahmen zuvor Alleinerziehende und Familien mit besonderen Herausforderungen.

Eine Dortmunder Mutter schreibt: „Ich hoffe auf eine Freundin, die einspringt oder mein Sohn kommt mit mir zur Arbeit. Vom Urlaub ist nichts mehr übrig. Im Gegenteil: ich mache Überstunden, schon in weiser Voraussicht für nächstes Jahr. Wer weiß wie es weiter geht?“

Für berufstätige Eltern sind zwei weitere unsichere Tage in diesem Chaos-Jahr

Es sind nur zwei Tage. Aber es sind zwei zusätzliche unsichere Tage am Ende eines Chaos-Jahres, in dem die Systeme von Urlaubsplanung und Betreuung in vielen Familien außer Kraft geraten sind.

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Schulen haben in Dortmund einen Anteil am Infektionsgeschehen. Sie sind aber kein Treiber, die Fälle verteilen sich über relativ viele Schulen.

Schulleiter: Corona-Fälle sind „Alltag“

Dortmunder Schulleiter berichten, es sei mittlerweile „Alltag“, einzelne Fälle zu melden und nachzuverfolgen. Zugleich schildern Schulleiter die Erfahrung, dass die Mehrzahl der Fälle aus den Familien in die Schulen hineingetragen werde.

Helfen die verlängerten Ferien, um die Infektionsgefahr zu verringern? Vieles hängt davon ab, wie sich die Zahlen in den nächsten Wochen entwickeln.

Bleiben sie hoch, wird möglicherweise der Präsenzunterricht eingeschränkt oder eingestellt. Was dann in der Frage von Notbetreuung oder Urlaubsplanung ganz neue Probleme aufwerfen würde.

Schulministerin Yvonne Gebauer hat am Donnerstag eine neue Offenheit für das Thema Homeschooling kundgetan. Schulen dürften Lösungen für Distanzunterricht doch wieder eigenständig entwickeln, wenn sie keine andere Möglichkeit sehen. Zuletzt war das - wie in Solingen - Städten noch untersagt worden.

Dieses Hin und Her ist für Familien, Verantwortliche an Schulen und auch Kinder nur noch anstrengend.

Voller Westenhellweg statt voller Klassenräume?

Selbst wenn die Zahlen sinken sollten, bleibt immer noch die Frage: Wenn es freitags noch einen potenziellen Corona-Kontakt in der Schule geben sollte, ist man dann nicht sieben Tage später bei der Bescherung immer noch ansteckend für die Verwandten aus der Risikogruppe?

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Es gibt ein weiteres Bild, das viele schon gedanklich zeichnen, seit die Idee von den verlängerten Weihnachtsferien in der Welt ist. Das von einem vollen Westenhellweg, auf dem Familien einträchtig Weihnachtseinkäufe erledigen.

Es ist ein Bild, das sich jeder Einzelhändler in der City sehnlich wünscht und das in seiner Normalität eine Wohltat wäre.

Aber es ist auch ein Bild, das den Gedanken der Vor-Quarantäne konterkariert und einem deshalb absurd vorkommt.

Hieran zeigt sich, wie schwierig es weiterhin ist, das richtige Maß zu finden.

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