Vergewaltigungsprozess: Angeklagter legt Fotos vor

Landgericht Dortmund

Mithilfe von Fotos will ein mutmaßlicher Vergewaltiger aus Nette Zweifel an der Aussage seiner Frau säen. Verteidiger Axel v. Irmer legte am Dortmunder Landgericht Bilder vor, die eine traditionell gekleidete Muslima zeigen. Dadurch werde die Belastungszeugin aus Syrien als Lügnerin überführt, hieß es.

NETTE

01.03.2017, 13:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

„Ich habe ihr nichts getan. Bei Allah, ich schwöre, das ist die Wahrheit.“ Mit diesen Worten hatte der 34-jährige Angeklagte beim Prozessauftakt vor drei Wochen seine Unschuld beteuert. Weder habe er seine Ehefrau geschlagen, noch getreten oder beklaut. Und vergewaltigt schon gar nicht.

Streitigkeiten um eine nach seinem Verständnis zuletzt viel zu freizügige Kleidung seiner Ehefrau, bestätigte der im Sommer 2015 aus Syrien nach Deutschland geflohene Angeklagte jedoch. In der Familienwohnung in Nette sei die junge Mutter in letzter Zeit sogar ohne Kopftuch herumgelaufen. „Damit war ich nicht einverstanden“, so der 34-Jährige.

Ehefrau erhebt schwere Vorwürfe

Die Ehefrau dagegen hatte gegen ihren Mann schwere Vorwürfe erhoben. Am 30. August 2016 soll der 34-Jährige sie vor den Augen des gemeinsamen Sohnes (eineinhalb Jahre) brutal vergewaltigt haben. Dass die Zeugin den Richtern darüber hinaus auf Nachfrage erklärt hatte, sie habe es mit Blick auf die Kleidungsgepflogenheiten des Islam schon immer eher locker gehalten – und in Syrien nicht anders ausgesehen als nun in Dortmund - will die Verteidigung nun als Lüge enttarnen. „In Syrien“, erklärte Rechtsanwalt Axel v. Irmer am Mittwoch, „da hat sie nämlich ausschließlich so ausgesehen.“ Und tippte dabei auf mehrere Fotoabzüge.

Diese habe er von der Familie des Angeklagten aus Syrien frisch zugesendet bekommen. Abgebildet sei das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer darauf eher streng traditionell nach muslimischer Sitte gekleidet – und damit alles andere als locker.

Die Richter wollen die Frau am nächsten Prozesstag mit den Fotos konfrontieren. Mit einem Urteil ist wohl frühestens am 3. April zu rechnen. 

 

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