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Verkauf des kleinen Hannibal: Das plant der neue Eigentümer - Mieterverein in Sorge

rnNordstadt

Der Hannibal 1 in der Nordstadt ist frisch verkauft, schon beginnen die Diskussionen. Der neue Eigentümer erklärt, was er vor hat. Der Mieterverein äußert Bedenken.

Dortmund

, 27.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Für die Mieter in 232 Wohnungen an der Bornstraße 77-85, Jägerstraße 2-4 und Lauenburgerstraße 2, 4 und 6 verändert sich möglicherweise bald einiges. In jedem Fall müssen sie eine neue Eigentümerstruktur lernen: Der gesamte Hannibal 1, baugleich mit dem seit der spektakulären Räumung leerstehenden Hannibal 2 in Dorstfeld, ist künftig im Besitz des Unternehmens Merlion Wohnen. Öffentlich in Erscheinung tritt ein Unternehmen mit dem Namen Velero und Sitz in Berlin. Velero vertritt den Eigentümer und übernimmt die Hausverwaltung.

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Merlion gehört laut Handelsregister zur Hedgefonds-Investmentgesellschaft Cheyne Capital mit Sitz auf Tortola, der größten der britischen Jungferninseln, östlich von Puerto Rico.

Thomas Lange ist Geschäftsführer und Gesellschafter von Velero. „Der Eigentümer hat ein großes Interesse an einem guten Zusammenleben“, sagt Lange über den Kauf. Die LEG als bisheriger Eigentümer habe sich entschieden, die Objekte zu veräußern – und Velero griff zu. Das 2015 gegründete Unternehmen kauft Wohnungsbestände mit Schwerpunkt in NRW und den Neuen Bundesländern, an denen „etwas zu tun ist“, wie es Thomas Lange formuliert. Velero hat rund 10.000 Wohnungen in seinem Portfolio.

Der Mieterverein äußert Sorge über die langfristige Entwicklung

Dr. Tobias Scholz, wohnungspolitischer Sprecher beim Mieterverein Dortmund, sagt zu den direkten Auswirkungen des Eigentümerwechsels im Hannibal 1: „Der bisherige Mietvertrag bleibt uneingeschränkt gültig. Deshalb sind keine neuen Vereinbarungen erforderlich.“

198 der 232 Wohnungen befinden sich noch bis Ende 2027 in einer Mietpreisbindung und sind vor Erhöhungen geschützt. Doch Scholz äußert Sorge über die langfristige Entwicklung der Wohnanlage. „Es handelt sich im Vergleich zu klassischen Wohnungsunternehmen und Wohnungsgenossenschaften um ein kurzfristiges Investment in Wohnungen.“

Eigentümer-Vertreter: „Wir machen keine Luxussanierungen“

„Wir planen keine Luxussanierungen oder exorbitante Mieterhöhungen, wir wollen keine Mieter verdrängen“, sagt Velero-Geschäftsführer Thomas Lange. Stattdessen solle der Wohnkomplex „sanft weiterentwickelt“ werden. Es gehe darum, Standards herzustellen und Wohnungen zu sanieren, wenn sie leer stehen - was im Hannibal 1 nur selten der Fall ist.

Velero trifft auf Skepsis, die Thomas Lange „in der Massivität überrascht.“ In Wulfen-Barkenberg bei Dorsten hat das Unternehmen 1300 Wohnungen gekauft. Angesichts der Vorgeschichte dieser Siedlung löst das Besorgnis aus, es fällt das Wort „Heuschrecke“. Hier stehen rund 200 Wohnungen leer und befinden sich laut Berichten der Dorstener Zeitung in kritischem Zustand.

„Ich kann Unsicherheiten verstehen. Aber wir gehen mit den besten Absichten an die Sache heran“, sagt Thomas Lange über das Engagement beim Hannibal.

Neuer Eigentümer möchte bald mit den Akteuren vor Ort sprechen

Der Hannibal 1 hat viel hinter sich. Und die Menschen in seinem Umfeld haben schon viel geschafft. Das gilt vor allem für die soziale und pädagogische Arbeit, die von dem Wohnkomplex ausgeht. Erst im Mai haben die Fabido-Kita Bornstraße und das Netzwerk IN-Familie Hannibal- und Brunnenstraßenviertel den Deutschen Kita-Preis erhalten. „Wir wissen, dass in Dortmund die Beteiligten bereits gut kommunizieren. Darauf wollen wir aufsatteln“, sagt Thomas Lange.

Im August wird es ein Treffen zwischen Thomas Lange und Vertretern des Mietervereins geben. „Die Gesprächsbereitschaft des Eigentümervertreters ist für anonyme Fonds nicht selbstverständlich“, sagt Mietervereins-Vertreter Tobias Scholz.

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