Neues Verkehrskonzept: Haben Fahrräder bald Vorrang vor Autos?

rnRadwege

Dortmund soll ein überarbeitetes Radwegenetz erhalten. Die Pläne werden bald vorgestellt - und könnten Auswirkungen auf die Anzahl an Parkplätzen haben.

Hörde

, 02.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich sollte der oberste Mobilitätsplaner der Stadt Dortmund kommen, um etwas über die Planung für das Radwegenetz in Hörde zu erzählen. Was Handfestes für den Bezirk habe er nicht, sagte Winfried Sagolla in der Bezirksvertretung Hörde. Sehr wohl aber Pläne für die gesamte Stadt.

? Was stellte Sagolla vor?

Er sprach am Dienstag (25.2.) in der Bezirksvertetung (BV) über die langfristige Zukunft der Radwege in der Stadt. „Wir haben eine Menge an Radwegen“, sagte Sagolla. „Wir haben aber auch noch sehr viele Netzlücken und damit viel vor der Brust.“ Beispielsweise an der Willem-van-Vloten-Straße.

Derzeit plane seine Abteilung in Zusammenarbeit mit einem Ingenieurbüro, wie man diese Lücken schließen und Radwege zukünftig kategorisieren kann – in ein Freizeit- und in ein Alltagsnetz. Die Kategorie soll dann auch darüber entscheiden, nach welchem Standard ein Weg ausgebaut wird.

? Was bedeutet das?

Im Prinzip geht es darum, die Radwege zu hierarchisieren. Was sind Haupt- oder Nebenwege? Welche Strecken benutzen Radfahrer täglich, um zur Arbeit zu kommen und welche Strecken benutzen sie für Radtouren am Wochenende?

Winfried Sagolla von der Stadt Dortmund

Winfried Sagolla ist bei der Stadt Dortmund Leiter des Bereichs Mobilitätsplanung . © Oliver Schaper (Archiv)

Um langfristig Aufschluss darüber zu erhalten, setzt die Stadt auf ihre Fahrrad-App. Die könnte in diesem Herbst an den Start gehen und soll die Bewegungen der Radfahrer nachzeichnen.

? Warum der ganze Aufwand?

Seit einigen Jahren läuft innerhalb der Stadt Dortmund das Projekt „Emissionsfreie Innenstadt“. Ziel ist es, die Menschen vom Auto weg und dafür in Busse und Bahnen, auf den Fußgängerweg oder aufs Rad zu bringen. Die Überarbeitung des Radwegenetztes soll dazu dienen, das Radfahren attraktiver zu gestalten.

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„Wir müssen uns erst einmal eine Vorstellung davon machen, wie das zukünftige Radnetz in ganz Dortmund aussehen soll“, sagte Winfried Sagolla in der Bezirksvertretung. Ein Netz, das vollständig und für ganz Dortmund gelten soll.

? Und was für Auswirkungen hat das auf Parkplätze?

Vorab: Derzeit ist es noch so, dass ein großer Teil der Radwege mit einer sogenannten wassergebundenen Decke aus Dolomitsand bestückt ist. In Zukunft könnte der Standardbelag für das geplante Alltagsnetz Asphalt sein, wie Sagolla erklärte.

„Und auf Hauptverkehrsstraßen würden wir nur noch in ganz großen Ausnahmen Schutzstreifen aufmalen“, sagte Sagolla. Statt der gestrichelten Linien, die von Autos überfahren werden können, kämen dann nur noch reine Fahrradwege mit durchgezogener Linie.

„Wir kriegen die Leute sonst nicht aus den Autos raus. Sie fühlen sich als Radfahrer auf einem Schutzstreifen unsicher“, so Sagolla: „Wenn Sie gesicherte Radwege haben wollen, dann gibt es links und rechts in der Regel keinen einzigen Parkplatz und dem Autoverkehr müsste man eine Spur wegnehmen.“

Mehr Fahrradstreifen für Dortmund? Gut möglich.

Mehr Fahrradstreifen für Dortmund? Gut möglich. © Christian Stein (Archiv)

Möglich wäre auch, dass klassische Autostraßen als Fahrradstraßen ausgewiesen werden. „Die Rechts-vor-links-Regelung würde dann wegfallen, Radfahrer dürften nebeneinander fahren.“

? Wann weiß man mehr und wann wird das alles umgesetzt?

Bis zum Sommer soll eine politische Vorlage fertig sein, die dann den Gremien vorgelegt wird. Spätestens zu diesem Zeitpunkt werden die Pläne also auch öffentlich einsehbar sein.

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„Beschließen wird das aber wohl nicht mehr dieser Rat“, sagte Sagolla angesichts der bevorstehenden Wahl am 13. September. Mit einer Entscheidung rechnet er für Ende 2020 oder Anfang 2021. Schon Ende März 2020 soll innerhalb der Verwaltung ein erster Konzeptvorschlag vorliegen.

Bis dann alles umgesetzt sein wird, dauert es aber bedeutend länger. „Wir werden das in 20 Jahren nicht abgearbeitet haben“, sagte Sagolla. „Es kommt immer darauf an, wie viele Ressourcen man einsetzt.“

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