Verklausuliertes Nein

Der Herr der Bahnhöfe hatte hoch gepokert: Nur, wenn der Bund seine Fördermittel großzügiger verteilt, könnten fünf marode NRW-Bahnhöfe bis zum Jahr 2012 saniert werden, teilte der Chef der DB Station&Service AG, Wolf-Dieter Siebert Anfang Juni mit.

02.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der Bund lehnt allerdings ein Sonderpaket mit 80 Prozent öffentlicher Förderung für NRW, das Siebert schnüren wollte, ab. Und damit auch den Finanzierungs-Strohhalm für den Umbau des Dortmunder Hauptbahnhofs. «Die Hauptverantwortung für die Bahnhöfe liegt zunächst beim Eigentümer, also der Bahn AG», teilte das Bundesverkehrsministerium gestern mit, nachdem man sich in Berlin wochenlang in Schweigen gehüllt hatte. Genauso wie gestern in der Bahn-Zentrale und im Landesverkehrsministerium. Es gebe keine Erkenntnisse, ob das Finanzierungspaket Sieberts die Zustimmung des Bundes findet, hieß es dort noch am Nachmittag.

Nun ist allerdings wieder mehr als fraglich, ob Dortmund wie erhofft auf absehbare Zeit zumindest einen umgebauten und erweiterten Hauptbahnhof als Alternative zum geplatzten Großprojekt «3do» bekommt. Eine Fertigstellung bis 2012 hatte Siebert dafür zuletzt als Zeitziel ausgegeben (wir berichteten). 145 Mio. Euro sollte der neue Bahnhof kosten. Voraussetzung dafür wäre, dass es bei den bisher zugesagten Fördermitteln von 130 Mio. Euro - 75 Mio. vom Bund, 55 vom Land - bleibt.

Statt einer Zusage gab es vom Bundesverkehrsministerium dagegen gestern bürokratisch verklausuliert ein Nein zumindest für eine erhoffte Paket-Förderung mit Ausnahmen zu den bisherigen strengen Förderrichtlinien. «Der Ausbau von beispielsweise Shopping-Meilen in Bahnhöfen ist insofern nicht förderfähig.»

Ein Einkaufsparadies wie «3do» sollte der neue Hauptbahnhof indes eh nicht mehr werden. Einer Überbauung der Gleise ist bei der Bahn vom Tisch. Stattdessen wird ein Vorziehen des Empfangsgebäudes und eine Vergrößerung des Bahnhofstunnels ins Auge gefasst - in dem dann auch Platz für weiteren Einzelhandel wäre.

Größere Handelsflächen außerhalb der eigentlichen Bahnstation, der zur Refinanzierung des Bahn-Anteils an den Baukosten beitragen könnte, waren dagegen allenfalls in einem zweiten Schritt vorgesehen. Und sie hätten angesichts des begrenzten Platzes im unmittelbaren Bahnhofsumfeld im Vergleich zum «3do»-Konzept, das 36 000 Quadratmeter Handel vorsah, ebenfalls nur eine bescheidene Größenordnung gehabt. Oliver Volmerich

Lesen Sie jetzt