Verschwundener Brief lässt 81-Jährigen um seine BVB-Dauerkarte zittern

rnDeutsche Post

Zwölf Tage brauchte ein Brief von Derne nach Brechten. Da der Umschlag Unterlagen zum Südtribünen-Ticket enthielt, machte sich Hans Dieter Wehrs (81) Sorgen um seine Zukunft im Stadion.

Derne, Brechten

, 11.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwischen der Altenderner Straße in Derne und der Evinger Straße in Brechten liegen rund sieben Kilometer; eine Strecke, die laut Google Maps mit dem Auto etwa acht Minuten in Anspruch nimmt.

Als Hans Dieter Wehrs am Mittwoch, 13. Mai, in der Postfiliale an der Altenderner Straße einen Brief abgab, ging er deshalb davon aus, dass das Schreiben innerhalb von ein, zwei Tagen beim Empfänger in Brechten ankommen würde. Doch da hatte sich Wehrs geirrt: Der Brief benötigte geschlagene zwölf Tage, was bei dem 81-Jährigen für ziemliches Nervenflattern sorgte.

Kein Leben ohne den BVB

Hans Dieter Wehrs ist eingefleischter BVB-Fan: Seit 1949 besucht er die Spiele der Borussia, und auch mit 81 Jahren steht er noch auf der Südtribüne. „Denn da herrscht immer Stimmung“, erzählt der Senior lachend, „ohne den BVB wollte ich gar nicht leben.“

Stimmung pur auf der Südtribüne. Auch mit 81 Jahren gehört Dieter Wehrs noch zu den BVB-Fans, die ihrem Team von hier aus frenetisch zujubeln.

Stimmung pur auf der Südtribüne. Auch mit 81 Jahren gehört Dieter Wehrs noch zu den BVB-Fans, die ihrem Team von hier aus frenetisch zujubeln. © Archiv

Auch Wehrs war direkt von dem corona-bedingten Zuschauerverbot in der Bundesliga betroffen: Als Dauerkarten-Inhaber wurde er vom BVB angeschrieben und gefragt, in welcher Form die Geisterspiele, die er nicht besuchen kann, finanziell abgewickelt werden sollen. Für diese Transaktion teilte ihm der BVB schriftlich unter anderem einen persönlichen Code mit.

Da der 81-Jährige nicht über einen Internetzugang verfügt, erklärte sich sein in Brechten wohnender Freund Jürgen Straeck bereit, die Formalitäten für ihn am PC zu erledigen. Dafür sollte Wehrs ihm den Code und die anderen persönlichen Daten per Brief zusenden, was er am Mittwoch, 13. Mai, von der Derner Poststation aus tat.

„Ich dachte, spätestens Freitag würde der Brief bei mir ankommen“, sagt Straeck, „aber das passierte nicht.“ Als der Briefkasten am Samstag immer noch leer blieb, informierte Straeck seinen Freund Hans Dieter Wehrs telefonisch. „Da war er ganz schön aufgeregt, weil er sich Sorgen machte, dass etwas mit der Dauerkarte für die kommende Saison schiefgehen könnte.“ Tja, so ein Platz auf der Süd ist eben ein kleiner Schatz.

Am 25. kam das Schreiben endlich an

Am Montag sei Wehrs deshalb noch einmal zur Postfiliale nach Derne gegangen, um sich nach dem Verbleib des Briefes zu erkundigen, weiß Straeck: „Dort sagte man ihm, dass so etwas gerade in Corona-Zeiten schon mal länger dauern könne.“

Also machte sich der 81-Jährige auf den Weg zur BVB-Geschäftsstelle, wo er zunächst ein falsches Formular mitnahm, weshalb er zwei Tage später noch einmal dort vorstellig wurde. „Dabei erhielt er dann einen neuen Code, mit dem er persönlich bei mir zu Hause vorbeikam“, erinnert sich Straeck. „Wir haben uns dann gemeinsam vor den Computer gesetzt – und die Sache war innerhalb weniger Minuten erledigt.“

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Wehrs durfte endlich aufatmen. „Denn er hatte sich große Sorgen gemacht, bestimmte Fristen nicht eingehalten zu haben“, zeigt Straeck Verständnis für die Aufregung seines Freundes. Nicht nachvollziehen kann er allerdings die Dauer des Brieftransports: „Am 25. kam sein Schreiben schließlich bei mir an; Name, Adresse – alles korrekt. Wie kann so etwas passieren?“

So recht weiß auch Rainer Ernzer, Pressesprecher der Deutsche Post DHL Group, darauf keine Antwort. Eines steht indes fest: Im Briefzentrum Dortmund durchlief das Schreiben die Anschriften-Lesemaschine, wo die Adresse in einen Strichcode umgewandelt wurde. Und den hat Ernzer noch einmal unter die Lupe nehmen lassen: „Der Code ist korrekt.“

Ein ewiges Geheimnis

Doch selbst bei einem Fehler, der angesichts von 57 Millionen täglichen Briefsendungen mal vorkommen könne, sei eine solch lange Laufzeit ungewöhnlich: „Ein bis zwei Tage Verzögerung – die kann es schon mal geben.“ Warum der Brief zwölf Tage unterwegs war, wird vermutlich auf ewig ein Geheimnis bleiben.

Dieter Wehrs kann es letztlich egal sein: Er feuert seinen BVB wieder lautstark an, sobald es erlaubt ist. Vom Stammplatz auf der Südtribüne.

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