Versuchter Mord an Lehrer: Schüler werden nun doch angeklagt

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Drei Schüler werden wegen versuchten Mordes angeklagt, weil sie im Mai einen Lehrer der Martin-Luther-King-Gesamtschule mit Hämmern töten wollten. Zunächst sah es anders aus.

von Patricia Friedek, Bastian Pietsch

Dorstfeld

, 17.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Anfang Mai wollten drei Jugendliche einen Lehrer der Martin-Luther-King-Gesamtschule in Dortmund-Dorstfeld mit Hämmern erschlagen. Lange Zeit hieß es, es sei unwahrscheinlich, dass die Schüler wegen versuchten Mordes angeklagt werden. Doch genau das ist nun passiert.

Unter anderem wegen versuchten Mordes sei Anklage vor der Jugendkammer des Landgerichts Dortmund erhoben worden. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit.

Versetzung gefährdet

Zwei Schüler, deren Versetzung in die 12. Klasse gefährdet war und mit denen der betroffene Lehrer nach eigener Aussage Konflikte gehabt hatte, hatten ihn am 9. Mai hinter eine Garage gelockt. Ein dritter Komplize täuschte einen medizinischen Notfall vor. Der Plan war offenbar, den Lehrer dort zu töten. Der 51-Jährige hatte jedoch von Anfang an Verdacht geschöpft und gab den Schülern nicht die Gelegenheit, ihren Plan umzusetzen.

Zwei der Tatverdächtigen sind daraufhin der Schule verwiesen worden. Die beiden älteren Beschuldigten haben im Wesentlichen gestanden, der 16-Jährige bestreitet bislang die Vorwürfe. Alle drei waren bisher auf freiem Fuß. Kollegium und Klassen der Schule wurden zeitweise betreut.

Zunächst stand Rücktritt im Raum

Ob es zu einer Anklage wegen eines versuchten Tötungsdeliktes kommen würde, war unmittelbar nach der Tat noch nicht klar. Grund dafür ist eine Vorschrift des Strafgesetzbuches, nachdem jeder, der freiwillig von einer vorbereiteten Tat ablässt, nicht bestraft wird. Man nennt das Rücktritt vom Versuch.

Ein solcher Rücktritt vom Versuch hätte damals vorliegen können. Zumindest äußerte sich die Staatsanwaltschaft auf Basis des damaligen Ermittlungsstandes so. Um einschätzen zu können, ob tatsächlich ein Rücktritt vom Versuch vorliegt oder nicht, muss der Ablauf der Ereignisse jedoch möglichst genau bekannt sein.

Nun gibt es offenbar neue Erkenntnisse, die zum Beispiel aus Zeugenvernehmungen oder einer Auswertung der Handys der Schüler hervorgegangen sein könnten. Was genau Grundlage der Anklage wegen versuchten Mordes ist, konnte der zuständige Staatsanwalt Felix Giesenregen nicht beantworten. Er verwies auf die Pressehoheit des Landgerichts in dem Fall.

Dort heißt es, die Fallakte sei noch nicht eingegangen und man müsse auch zunächst prüfen, ob der Fall wegen des geringen Alters der Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt wird. Eine entsprechende Entscheidung könnte es im Laufe der kommenden Woche geben.

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