Vertrag von DEW-Chef Brinkmann wird nicht verlängert

Aufsichtsrat folgt Gesellschafterbeschluss

Signale gab es bereits mehrere, trotzdem löste die Nachricht am Mittwoch auf der Belegschaftsversammlung von DEW21 Betroffenheit aus: Der Chef des heimischen Energieversorgers, Dr. Frank Brinkmann, soll gehen, sein Vertrag über 2017 hinaus nicht verlängert werden. Gleichzeitig wird an seinem vorzeitigen Abgang gearbeitet.

DORTMUND

, 22.09.2016, 09:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Vertrag von DEW-Chef Brinkmann wird nicht verlängert

Dr. Frank Brinkmann ist seit 2010 Chef von DEW21.

Der Aufsichtsrat hat am Dienstagabend vorzeitig beschlossen, Brinkmann als Kaufmännischen Geschäftsführer und Vorsitzenden der DEW-Geschäftsführung nicht wieder zu bestellen. Sein Vertrag läuft Ende 2017 aus.

Der Aufsichtsrat folgte damit einem Empfehlungsbeschluss der Gesellschafterversammlung, den der DSW-Vorstandsvorsitzende Guntram Pehlke gegen den Chef des Tochterunternehmens angestrengt hatte. DSW ist mit 61 Prozent Hauptgesellschafter von DEW, der Energiekonzern RWE hält 39 Prozent.  Pehlke würde seinen Widersacher im DSW-Konzern lieber heute als morgen vor die Tür setzen.

Geordnetes Verfahren

Doch der Aufsichtsrat, darunter vor allem die Arbeitnehmerseite,  will ebenso wie DEW-Gesellschafter RWE ein geordnetes Verfahren und zunächst die Nachfolge Brinkmanns regeln. Sobald das geschehen ist, soll mit Brinkmann über einen Aufhebungsvertrag verhandelt werden. Eine Findungskommission ist bereits eingerichtet, neben dem Aufsichtsratspräsidium gehören ihr zwei Vertreter aus dem Rat an, Ulrich Monegel (CDU) und Renate Weyer (SPD).  Potenzielle Headhunter, die Brinkmanns Nachfolger finden wollen, sollen sich schon am Montag präsentieren.  

Auf Betreiben von Pehlke kam der Punkt "Angelegenheiten der Geschäftsführung" erst am Dienstag, dem Tag der Aufsichtsratsitzung, auf die Tagesordnung – mit dem Ziel, Dr. Frank Brinkmann nicht als DEW21-Chef über 2017 hinaus wiederzubestellen und über einen Aufhebungsvertrag mit ihm zu verhandeln.

Auch formal Fakten geschaffen

Der Aufsichtsratsbeschluss hätte mit der Entscheidung noch ein halbes Jahr Zeit gehabt. Brinkmanns Vertrag läuft bis zum 31. Dezember 2017. Erst neun Monate vorher hätte man ihm mitteilen müssen, ob man mit ihm weitermachen will oder nicht. Doch Pehlke und Oberbürgermeister Ullrich Sierau als DEW-Aufsichtsratsvorsitzender wollten nun wohl auch formal die Fakten schaffen, die sich bereits nach Vorgesprächen der Partei- und Fraktionsspitzen von CDU und SPD abgezeichnet hatten. Sierau will sich zu der Angelegenheit nicht äußern. 

Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sind nicht glücklich mit der Entscheidung, doch man habe aufgrund der Äußerungen des Gesellschafters DSW und von politischen Vertretern zur Kenntnis nehmen müssen, dass es für Brinkmann keine Perspektive mehr bei DEW gebe, sagte DEW-Betriebsratsvorsitzender und Aufsichtsratsvize Dirk Wittmann auf Nachfrage. Aufgrund der mangelnden Unterstützung aus der Politik und um Getöse und Schaden fürs Unternehmen zu vermeiden, stimmten die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat zu, eine erneute Bestellung Brinkmanns nach 2017 auszuschließen. Bei 16 Ja-Stimmen gab es eine Enthaltung der Grünen. Zudem war ein RWE-Aufsichtsratsmitglied nicht anwesend.

Arbeitnehmervertreter: Brinkmann soll bis Vertragsende bleiben  

Auf der Belegschaftsversammlung am Dienstag im DSW-Werksaal an der Von-den-Berken-Straße betonte Betriebsratsvorsitzender Wittmann unter Beifall, für die Arbeitnehmervertreter sei Brinkmann bis Ende 2017 als Vorsitzender der Geschäftsführung bestellt. Brinkmann selbst unterstrich vor seinen Mitarbeitern, er akzeptiere die Gremienentscheidung. Sie schaffe letztlich Planungssicherheit für alle Beteiligten. Aber er wolle seinen Vertrag bis zum Ende erfüllen.

Dr. Frank Brinkmann war spätestens 2012 bei Guntram Pehlke in Ungnade gefallen, als er in der Debatte um die 2014 anstehende Verlängerung des Konsortialvertrags mit RWE vorschlug – wie in Wirtschaftskonzernen nicht unüblich – alle Beteiligungen der Sparte Energie bei einer Gesellschaft zu bündeln, sprich bei DEW. Mit diesen Überlegungen kam er Guntram Pehlkes Strategieplänen ins Gehege.

Parteibuch soll bei Brinkmann-Nachfolge nicht im Vordergrund stehen

RWE-Vertreter im Aufsichtsrat haben jetzt die jüngsten DEW-Zahlen als gut anerkannt, doch kritisiert, die Zukunft bis 2021 sei nicht ambitioniert genug geplant. Es gab Gegenreden von Arbeitnehmerseite. Tenor: Man dürfe das Unternehmen nicht auszehren.

In Sachen Brinkmann-Nachfolger kündigte Dirk Wittmann in der Belegschaftsversammlung an, die Arbeitnehmerseite werde bei der Auswahlkommission darauf drängen, dass "die fachliche Qualifikation im Vordergrund steht und nicht das Parteibuch."  

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