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Verwildertes Grundstück am Tremoniapark verwandelt sich in urbane Oase

rnProjekt der Urbanisten

Am Tremoniapark wollen die Urbanisten ein weiteres innerstädtisches Gartenprojekt starten. Die Stadt Dortmund hat dem Verein ein Angebot gemacht, das dieser kaum ausschlagen konnte.

Dortmund

, 10.10.2018 / Lesedauer: 3 min

Das Gelände am Leierweg auf Höhe des Tremoniabogens sieht ein wenig aus wie aus einem Astrid-Lindgren-Klassiker: ein fast verfallenes Haus, ein windschiefer Holzzaun. Im Garten steht ein verlassener Camping-Wagen, überall liegen Steine und Schutt herum.

Ein perfekter Abenteuerspielplatz für Kinder, den diese eigentlich nicht benutzen dürfen. Das soll sich nach den Plänen der Urbanisten aber bald ändern.

„Die ganze Nachbarschaft hat einen Bezug hierzu“

„Seit drei Jahren betreiben wir den Westgarten“, berichtet Svenja Noltemeyer vom Vorstand der Urbanisten. In diesem Gemeinschaftsgarten auf dem Gelände des Heinrich-Schmitz-Bildungszentrums am Westpark wird von Anwohnern Gemüse angebaut. „Wir wussten allerdings nicht, ob wir dort noch lange bleiben durften, daher haben wir uns lange nach einer anderen Möglichkeit umgesehen. Dann hat sich die Stadt bei uns gemeldet.“ Und die hat den Verein auf das etwa 200 Quadratmeter große Gelände aufmerksam gemacht.

Christoph Richard von den Urbanisten war gleich begeistert, er wohnt in der Nähe und kannte diese Fläche bereits. „Die ganze Nachbarschaft hat einen Bezug zu diesem Grundstück“, weiß er. In der Umgebung mit vielen Neubauten sei mit dem langsam verfallenden Haus und dem verwilderten Garten „ein Präsentierteller“, ergänzt Svenja Noltemeyer.

Jetzt fehlen noch die Freiwilligen

Das Haus ist noch in Privatbesitz, das Grundstück davor gehört der Stadt Dortmund. „Sieht man sich den Bebauungsplan an, sieht man, wie eng das Viertel bebaut ist. Und die Restfläche vor dem Haus ist wohl die letzte hier, die noch im Besitz der Stadt ist“, meint Christoph Richard. Schnell stand für ihn fest: „Ich will das hier machen.“

Heute ist er ebenso wie Annette Bathen Projektleiter am Leierweg. Gemeinsam wollen beide für die Anschubenergie sorgen, damit sich später Freiwillige aus der Nachbarschaft um die Bewirtschaftung des Geländes kümmern. Ähnlich wie beim Westgarten. „Im Westpark haben wir 60 Freiwillige, im wechselnden Einsatz sind immer etwa zwölf.“

Anklingeln war gar nicht nötig

Mit einem ähnlichen Erfolg rechnen die Urbanisten auch am Leierweg. Allein schon durch die Auffälligkeit des Grundstücks. „Ich musste gar nicht von Tür zu Tür gehen und klingeln, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen.“ Vielmehr werde er schnell angesprochen, wenn er vor Ort ist. „Schließlich ist das Haus das wohl älteste am Leierweg, wohl auch älter als der Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg dahinter.“ Und auch der alte Camper sticht auffällig ins Auge: „Der ist vermutlich das zweitälteste Haus hier“, scherzt Richard.

Verwildertes Grundstück am Tremoniapark verwandelt sich in urbane Oase

In Sachen Müllentsorgung haben die Urbanisten um Christoph Richard einiges vor sich. Auch der alte Camper soll vermutlich weichen. © Johannes Franz

Mit der Stadt habe man bereits einen Pachtvertrag ausgehandelt, „und auch mit dem Nachbarn haben wir bereits gesprochen“. Der Besitzer der alten Immobilie sollte sich nicht überrumpelt fühlen. Bevor es mit den Vorbereitungsarbeiten losgeht, wird es aber noch etwas dauern: „Ganz allein mit ehrenamtlichem Engagement wird das nicht zu machen sein“, erklärt Svenja Noltemeyer. Zu hoch seien die Kosten für Material und die Entsorgung des Mülls auf dem Gelände.

Also haben die Urbanisten einen Antrag an die zuständige Bezirksvertretung Innenstadt-West zur finanziellen Unterstützung gestellt. Zu den wichtigsten Posten gehören Entrümpelung und Müllbeseitigung, die Einrichtung eines Wasseranschlusses und der Bau von Hochbeeten. Letztere sind notwendig, da für den Verzehr genutztes Gemüse nicht ohne vorherige Proben aus dem Boden kommen darf. Dieser könne noch aus den Jahren, in denen das Tremonia-Gelände als Versuchsgrube genutzt wurde, kontaminiert sein.

Vor allem die Kinder sollen profitieren

Der Antrag beläuft sich auf 9650 Euro, bei der letzten BV-Sitzung Ende September stimmten die Mitglieder für die finanzielle Förderung.

Der Westgarten, der übrigens doch nicht weichen muss, sondern am Westpark weiter wachsen darf, habe übrigens bewiesen, dass die Hochbeete bestens geeignet seien, um zum Beispiel den Nachwuchs wieder mit der Natur vertraut zu machen. „Es gibt ja Kinder, die keine Himbeeren pflücken oder essen wollen. Nur im Joghurt, da mögen sie die Beeren!“, berichtet Svenja Noltemeyer aus eigener Erfahrung.

Der gemeinnützige Verein „Die Urbanisten“ hat sich zum Ziel gesetzt, das städtische Zusammenleben der Menschen vor Ort zu verbessern und neue Perspektiven für urbane Lebensräume zu schaffen. Eine Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen, sieht der Verein im „Urban Gardening“, dem Gartenanbau im städtischen Raum. Neben der lokalen Nahrungsmittelherstellung und dem ortsnahen Konsum soll Urban Gardening der Stadtbevölkerung, insbesondere Kindern, die Natur wieder näher bringen.
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