Verzweifelter Anwohner eines Schulhofs in Dortmund: „Wir möchten wieder schlafen können“

rnBürger-Ärger

Der Schulhof einer Dortmunder Grundschule ist ein beliebter Treffpunkt, sogar nachts. Die Anwohner nervt das erheblich – nicht nur wegen der Ruhestörung. Sie haben Unappetitliches entdeckt.

Bövinghausen

, 13.12.2019, 17:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Akif Cosgun wünscht sich vor allem eines: endlich mal wieder ein paar Nächte hintereinander durchschlafen und am nächsten Morgen erholt zur Arbeit fahren. Doch eine dauerhafte Nachtruhe ist dem 33-Jährigen und seiner Frau nach eigenen Angaben seit Monaten nicht vergönnt.

Schuld am Schlafdefizit sind laut Akif Cosgun regelmäßige Gruppentreffen auf dem benachbarten Schulhof an der Uranusstraße, die lange nach Unterrichtsschluss der Bövinghauser Freiligrath-Grundschule beginnen und bisweilen sogar bis zum frühen Morgen dauern.

„Die betrinken sich und hören laute Musik“

„Die betrinken sich dort, hören laute Musik und fahren auch schon mal mit ihren Autos auf den Hof“, erzählt der 33-Jährige. An Schlaf sei dann nicht mehr zu denken. Im Sommer sei es schlimmer als im Winter, sagt Cosgun. „Momentan ist es vor allem an den Wochenenden nicht auszuhalten.“

Sein Unmut, das ist Akif Cosgun ganz wichtig zu betonen, richte sich nicht gegen die Freiligrath-Grundschule. „Für den Ärger ist sie überhaupt nicht verantwortlich.“

Um Hilfe bat der junge Familienvater auch im Namen seiner Nachbarn nun die Bezirksvertretung Lütgendortmund. In der Einwohnerfragestunde der Dezember-Sitzung klagte er dem Gremium sein Leid und lieferte gleich einen Lösungsvorschlag mit. „Es müsste einfach abends das Schultor abgeschlossen werden.“

Dann fänden sich am nächsten Morgen auch keine Hinterlassenschaften wie Glasscherben und Essensreste mehr auf dem Schulhof. Sogar von einer Rattenplage spricht der Anwohner.

Verzweifelter Anwohner eines Schulhofs in Dortmund: „Wir möchten wieder schlafen können“

Auch Hunde werden manchmal zu den Gruppentreffen auf dem Schulhof mitgebracht. © privat

CDU-Bezirksvertreterin Karin Naumann, der das Problem schon bekannt war, hatte für Akif Cosgun gute Nachrichten: Es liefen bereits Gespräche mit der Leitung des benachbarten Jugendtreffs. Die Mitarbeiter könnten an den Wochentagen um 20 Uhr das Tor abschließen.

„Das ist ein gedeckter Tisch für Ratten“

Zum Thema Ratten merkte Karin Neumann an: „In der Nachbarschaft werden Hühner gehalten und mit Fleisch gefüttert. Das ist doch ein gedeckter Tisch für Ratten.“

Schulleiterin Gabriela Wisniewski-Ries widerspricht den Ratten-Schilderungen. „Wir haben hier keine Rattenplage.“ Einzig eine tote Ratte habe der Hausmeister kürzlich gefunden und entsorgt. „Bei der letzten Begehung vor zwei Wochen wurde nichts gefunden, auch nicht im Keller.“

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Von der Lärmbelästigung gerade in den Sommermonaten weiß Gabriela Wisniewski-Ries hingegen. Den Vorschlag, dass die Mitarbeiter des Jugendtreffs das Tor schließen, hält sie daher für eine gute Idee.

Schulleiterin: Streetworker und mehr Polizeipräsenz könnten helfen

Eine Lösung für das Wochenende, wenn der Jugendtreff geschlossen ist, hat die Rektorin nicht. Dem Hausmeister den Schließdienst in seiner Freizeit aufzubürden, sei nicht zumutbar.

Die Situation entspannen könnten Streetworker und eine stärke Präsenz der Polizei, meint Gabriela Wisniewski-Ries. „Die Beamten müssen hier einfach noch öfter Streife fahren.“

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Genau das sei der Fall, sagt Polizeisprecherin Nina Kupferschmidt nach Rücksprache mit der zuständigen Wache. Wann immer es möglich sei, würden die Beamten den Schulhof in ihre Kontrollfahrten einbeziehen. „Die Kollegen sehen hier keinen Brennpunkt“, sagt Kupferschmidt. Von ausufernden Vorkommnissen wie Straftaten oder schlimmen Verunreinigungen könne an der Uranusstraße nicht die Rede sein. Laut der Polizeisprecherin gab es dort im Sommer 2019 drei Polizei-Einsätze.

Polizei: Viele Schulhöfe sind Anlaufstellen für Jugendliche

Generell sei der geschilderte Fall keine Besonderheit. Nahezu im gesamten Stadtgebiet seien Schulhöfe Anlaufstellen für Jugendliche, erklärt Nina Kupferschmidt.

Akif Cosgun hingegen ist froh, dass er das Thema öffentlich gemacht hat und ihm zumindest teilweise geholfen werden kann. „Für mich ist es ohnehin am wichtigsten, dass es die Woche über ruhig bleibt, damit ich nicht immer so gerädert zur Arbeit gehen muss.“

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