Video zeigt brutalen Skinhead-Angriff auf "Hirsch-Q"

Rechtsextremismus

Es waren dramatische Minuten. In der Nacht zum 12. Dezember haben Skinheads die Kneipe "Hirsch-Q" in der Innnestadt überfallen. Eine Überwachungskamera hat die Szene festgehalten. Wir dokumentieren den Gewaltausbruch.

DORTMUND

von Von Peter Bandermann

, 17.12.2010, 16:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Video zeigt brutalen Skinhead-Angriff auf "Hirsch-Q"

Gerissenes Sicherheitsglas an der "Hirsch-Q"-Glasfassade nach dem Skinhead-Angriff.

K. hatte 2005 den Punker Thomas "Schmuddel" Schulz mit einem Messerstich getötet. Die Justiz hatte ihn auf Bewährung freigelassen. Wenige Wochen nach seiner Entlassung aus der JVA in Werl ist Sven K. an dem gemeinschaftlich begangenen Überfall in der Dortmunder Innenstadt beteiligt.

Der Film führt drastisch vor Augen, wie ein Schlägertrupp mit Springerstiefeln und Bomberjacken die Fensterfront der Kneipe einzutreten versucht, in einen (auf dem Film nicht erkennbaren) Vorraum eindringt und einen Gast auf die Straße zerrt. Mehrere Männer treten brutal auf das wehrlos am Boden liegende Opfer ein. Zu sehen sind die Sequenzen aus zwei Kamera-Perspektiven. Die Aufnahmen sind zu einem Film zusammengefügt worden. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruch.

"Hirsch-Q"-Gäste und -Mitarbeiter stellten klar, dass es sich dabei nicht um eine Kneipen-Schlägerei gehandelt habe. Die Angreifer hätten hinterhältig und brutal die überraschten Gäste angegriffen. Einen der Angreifer konnten Besucher der Gaststätte in der Brückstraße bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Zeugen des Vorfalls sprachen von glücklichen Umständen, dass angesichts der Brutalität vor und in der Kneipe niemand zu Tode geprügelt worden sei. Ein Gast wurde mit Messerstichen verletzt.

Mit einer Solidaritätserklärung reagierten die Vertrauensleute der vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) auf den Angriff. Vertrauensmann Dietmar Kompa forderte Gewerkschaften, Polizei und andere Verantwortliche auf, "noch aktiver gegen Rechts tätig zu werden."

"Wir bedauern, dass erneut Menschen Opfer von rechter Gewalt geworden sind", erklärte Stadt-Pressesprecher Udo Bullerdieck. Die "Hirsch-Q"-Kneipe ist seit 2006 bereits 13 mal von Rechtsextremisten "besucht" worden, in sechs Fällen kam es zu Gewalttaten. Bullerdieck verwies auf den Aufbau einer Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt . Das Büro werde Anfang 2011 seine Arbeit aufnehmen. 

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