Viele Dortmunder fordern: Stadt soll selbst bezahlbare Wohnungen bauen

rnUmfrage-Ergebnis

In Dortmund eine (neue) Wohnung zu finden ist für etliche Dortmunder schwierig. Daher sollte die Stadt selbst bezahlbare Wohnungen bauen, fordert eine Mehrheit der Teilnehmer unserer Umfrage.

Dortmund

, 28.07.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für bezahlbare Wohnungen in Dortmund zu sorgen, haben sich alle Parteien auf ihren politischen Aufgabenzettel geschrieben. Das scheint auch bitter nötig zu sein. Das zeigt das Ergebnis unserer Online-Umfrage zur Zufriedenheit der Dortmunderinnen und Dortmunder mit ihrer Stadtverwaltung. Rund 2.700 Menschen haben sich an dieser Umfrage beteiligt. Sie ist zwar nicht repräsentativ, gibt aber dennoch ein deutliches Meinungsbild wieder.

Der Aussage „Es ist schwierig, in Dortmund eine geeignete Wohnung zu finden“, stimmten zwei Drittel der Befragten (66,4 Prozent) voll und ganz beziehungsweise eher zu. Nur 17,5 Prozent sehen darin gar kein beziehungsweise eher ein kleines Problem.

Die favorisierten Wege zu mehr Wohnungen

Das heißt: Hier besteht aus Sicht der überwiegenden Zahl der teilnehmenden Dortmunderinnen und Dortmunder dringender Handlungsbedarf. Sie stützen damit die bei den Wohnungsexperten in Dortmund grassierende Zahl von rund 20.000 Wohnungen, die in den nächsten zehn Jahren in der Stadt gebaut werden müssten.

SERIE


DIE ARBEIT DER STADT IM UMFRAGE-CHECK

Bei der Kommunalwahl im September wird ein neuer Oberbürgermeister gewählt - und damit ein neuer Chef für die Dortmunder Stadtverwaltung. Der ebenfalls zu wählende Stadtrat ist der wichtigste Auftraggeber für die Verwaltung. Im Vorfeld der Wahl nehmen wir deshalb die bisherige Arbeit der Stadtverwaltung unter die Lupe: Was läuft gut? Was geht besser? In einer Online-Umfrage haben 2709 Dortmunder ihre Meinung zu zahlreichen Themenfeldern mitgeteilt, in denen die Verwaltung maßgeblichen Einfluss hat. Die Ergebnisse stellen wir Ihnen in dieser Serie vor.

Was aber sollte die Stadt aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger tun? Auch diese Frage haben wir in unserer Umfrage gestellt. Unter den Antworten gibt es einen ganz klaren Favoriten: Die Aussage, wonach die Stadt selbst bezahlbare Wohnungen bauen sollte, wird von 70,2 Prozent der Befragten unterstützt.

Stadt will selbst eher nicht als Bauherr auftreten

Zwei weitere Maßnahmen haben ebenfalls eine hohe, wenn auch nicht ganz so starke Rückendeckung in der Bevölkerung. Die Stadt möge mehr Bauflächen schaffen (36,6 Prozent) und die Genehmigungsverfahren sollten vereinfacht werden (37,4 Prozent) halten viele für geeignete Wege, um das Problem zu lösen.

Die Stadtverwaltung bestätigt in ihrer Stellungnahme zur Umfrage die „angespannte Situation“ auf dem Dortmunder Wohnungsmarkt, ist aber zurückhaltend, wenn es darum geht, selbst als Bauherr von Wohnungen aufzutreten. Das sei in erster Linie die Aufgabe anderer Akteure. Klar sei aber auch: „Steigende Mieten und Immobilienpreise, ein wachsender Nachfragedruck im mittleren und preiswerten Segment sowie eine anhaltend niedrige Wohnungsleerstandsquote“ seien Belege für die schwierige Lage.

Zusätzliche Stellen in der Verwaltung

Daher habe das Thema „Sicherung und Schaffung“ von Wohnraum eine „hohe Priorität“. Bereits 2015 habe man eine Wohnungsbauoffensive gestartet. Dabei setze man auf verschiedene Maßnahmen, angefangen bei der laufenden Schaffung von Planungsrecht, auf den Ausbau von Wohnflächen im Bestand, die Anwerbung privater Investoren und eigene städtische Wohnbauprojekte.

Im Übrigen weist die Stadt darauf hin, dass bereits in der jüngsten Vergangenheit mehr Bebauungspläne für neue Wohngebiete samt dazugehöriger Infrastruktur auf den Weg gebracht worden seien und man daran auch in Zukunft verstärkt arbeiten werde. Allerdings würden die Planverfahren immer komplexer, so dass es in der Regel zwei bis drei Jahre dauere, ehe ein neuer Bebauungsplan in Kraft treten könne. Um hier voranzukommen, habe der Rat im vergangenen Jahr zusätzliches Personal im Stadtplanungs- und Bauordnungsamt bewilligt.

Klagen über lange Bearbeitungszeiten

Letzteres scheint einen wichtigen Punkt zu treffen, denn gerade bei der Frage der Genehmigungen brechen viele Menschen nicht gerade in Begeisterungsstürme aus, wenn es um die Stadt geht. So schreibt ein Umfrageteilnehmer, der nach eigenen Angaben bei der Sanierung eines Mehrfamilienhauses in der Nordstadt seine Erfahrungen mit der Stadtverwaltung gemacht hat: „Bearbeitungszeiten sind sehr lang und Entscheidungen sehr bürokratisch.“ Viele Mitarbeiter wirkten „desinteressiert“. Das gelte zwar nicht für alle, es gebe auch Mitarbeiter, die „anders ticken“, die könnten aber „im Gesamtkonstrukt wenig ausrichten“. Vielleicht bessern sich hier ja die Erfahrungen der Dortmunder, wenn das zusätzliche Personal eingearbeitet ist.

Die Stadt weist in ihrer Stellungnahme noch auf eine Dortmunder Besonderheit hin. Hier gebe es nämlich den „Grundstücks- und Vermögensverwaltungsfonds“. Dieser Eigenbetrieb sorge dafür, dass städtische Grundstücke bis zur Baureife entwickelt würden. Das sei etwa in der Brechtener Heide und im Erdbeerfeld so geschehen und werde demnächst in Grevel und in Wickede auf größeren Flächen umgesetzt.

Das Ziel: Mindestens 1.500 Wohnungen im Jahr

Hauptverantwortlich für den Bau neuer Wohnungen in Dortmund sei, darauf weist die Stadt ausdrücklich hin, aber nicht die Stadt selbst, sondern das seien die Wohnungsunternehmen und Privatinvestoren. Inzwischen würden etwa 1.500 neue Wohnungen im Jahr gebaut. Dieses Niveau wolle man mindestens halten.

Allerdings seien die Kapazitäten in der Bauwirtschaft aktuell sehr begrenzt und die Preise sehr hoch. Das bremse die Entwicklung. Gleichwohl halte man an der 2014 beschlossenen Quote fest, nach der bei der Entwicklung neuer Wohnflächen 25 Prozent für Sozialwohnungen verwendet werden müssen.

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