Viele Dortmunder fühlen sich in Dortmund nicht sicher

rnOnline-Umfrage

Auch wenn in Dortmund seit dem Jahr 2004 nie so wenige Straftaten registriert wurden wie heute, sehnen sich viele Bürger nach mehr Sicherheit. Es gibt konkrete Forderungen.

Dortmund

, 08.08.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die objektive Sicherheit, nachzulesen in der Kriminalstatistik, unterscheidet sich deutlich vom Sicherheitsgefühl der Menschen in Dortmund. Hier sind nie so wenige Straftaten registriert worden wie in den letzten 15 Jahren - doch nicht mal die Hälfte der Dortmunder fühlt sich in der Innenstadt sicher.

Das ist eines der Ergebnisse der nicht repräsentativen Online-Umfrage dieser Redaktion zur Zufriedenheit der Bürger mit der Arbeit der Dortmunder Stadtverwaltung. 2709 Dortmunder haben sich daran beteiligt. Eines der Themen befasste sich mit der Sicherheit in der Stadt.

Natürlich ist dafür in erster Linie die Polizei zuständig. Gefragt nach Vorschlägen, wie sich das Sicherheitsgefühl in Dortmund verbessern lässt, forderten viele der Befragten auch deshalb mehr Polizeipräsenz im Stadtgebiet. Doch in der Online-Umfrage ging es ausdrücklich um die Möglichkeiten der städtischen Ordnungskräfte und der Stadtverwaltung.

Sicherheitsgefühl in den Stadtteilen besser als in der Innenstadt

Laut Umfrage fühlen sich gerade mal 44 Prozent der Teilnehmer in der Dortmunder Innenstadt sicher, davon trifft diese Aussage für 12,25 Prozent „voll und ganz zu“, für 31,88 Prozent „eher zu“. Kritischer dagegen sehen das fast 55 Prozent. Für 30,25 Prozent trifft die Aussage „eher nicht zu“, und für 24,47 Prozent, also fast ein Viertel der Befragten, „gar nicht“.

Besser sieht es für die Stadtteile aus. Die Mehrheit fühlt sich in ihrem Stadtteil sicher. Das „trifft voll und ganz zu“ sagen 29,49 Prozent, „trifft eher zu“ 39,05 Prozent. Trotzdem: Es gibt auch andere Stimmen. Für 18,41 Prozent trifft das „eher nicht zu“ und für 11,89 Prozent „gar nicht“.

Viele haben auch Ideen, wie sie sich sicherer in der Stadt fühlen würden. Vor allem wünschen sie sich mehr städtische Ordnungskräfte, und das rund um die Uhr sowie auch in den Vororten, vor allem am Phoenix-See, in der Nordstadt, an der Möllerbrücke, am Sonnenplatz, im Westpark und im Stadtgarten. Ebenfalls gewünscht: ein rigoroses Durchgreifen bei Ordnungswidrigkeiten und anderen

Rechtsverstößen.

Bessere Straßenbeleuchtung

Gewünscht werden immer wieder auch

  • eine bessere Straßenbeleuchtung
  • das Rückschneiden von Gebüschen in unübersichtlichen, dunklen Ecken sowie
  • die Umgestaltung von sogenannten Angsträumen
  • ein härteres Vorgehen gegen Bettler
  • eine Beschwerde-Hotline
  • die schnellere Beseitigung der Anzeichen von Verwahrlosung wie Graffiti

Während gleich dreimal von der Stadtverwaltung kostenlose Selbstverteidigungskurse gefordert werden, sehen andere in mehr sozialen Projekten zur Beseitigung des sozialen Gefälles und der Vermeidung von Ghetto-Bildung bessere Lösungen.

Andere wiederum monieren, dass Mitarbeiter des Ordnungsamtes nicht nur „desinteressiert spazierengehen, sondern sich auch umschauen und gegebenenfalls für Ordnung sorgen“ sollen.

Unterschiedliche Befugnisse

Die Konfrontation mit den Ergebnissen ist Anlass für das Ordnungsamt, noch einmal die unterschiedlichen Befugnisse der städtischen Ordnungskräfte zu erläutern, die in der Öffentlichkeit häufig vermengt würden.

Danach stehen hoheitliche Befugnisse - von der Feststellung der Personalien, dem Anhalten/Festhalten von Personen über die Erhebung von Verwarngeldern bis hin zur Erteilung von Platzverweisen und in Ingewahrsamnahmen - nur dem Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) beim Ordnungsamt zu. Dem hingegen ist der sogenannte „Service- und Präsenzdienst“ (die Mitarbeiter mit roten Käppis) nicht mit hoheitlichen Befugnissen ausgestattet und verfügt lediglich über die „Jedermannsrechte“ (z. B. Festhalten eines Straftäters bis zum Eintreffen der Polizei).

Ebenfalls keine hoheitlichen Befugnisse haben private Sicherheitsdienste, die sich im öffentlichen Raum bewegen (z. B. auf dem Gelände des Phoenix-Sees).

Nordstadt ist ein Schwerpunkt

Der Wunsch großer Bevölkerungsteile nach höherer Polizeipräsenz – und ebenso der Präsenz des KOD – verwundert die Ordnungsverwaltung nicht. Das sei bereits bei Bürger-Versammlungen, -dialogen sowie Ortsterminen zu Beschwerden wiederholt Thema gewesen, heißt es.

In der Nordstadt setzt das Ordnungsamt bereits seit Langem einen personellen Schwerpunkt und bekämpfe dort illegale Straßenprostitution, öffentliches Urinieren, Abfallverursachung oder sonstige Ordnungsstörungen.

Ebenso gehörten der Bereich Möllerbrücke/Sonnenplatz/Westpark, der Stadtgarten und das Hauptbahnhof-Umfeld zu den bevorzugten Einsatzgebieten des KOD, so die Stadtverwaltung. Bei einer begrenzten Anzahl von verfügbarem Personal (zurzeit 50 Mitarbeiter im KOD stadtweit im Schichtdienst) liege es auf der Hand, dass den Wünschen nach mehr Präsenz auch in den Stadtteilen nicht immer ausreichend Rechnung getragen werden könne.

Die Stadt sei bemüht, die freien Stellen im KOD durch externe Einstellungen zeitnah zu besetzen. Zudem habe der Rat beschlossen, erstmalig im Jahr 2020 einen Ausbildungsgang der „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“ zur nachhaltigen Verstärkung des KOD einzurichten.

Beleuchtungskataster

Durch den vom Rat beschlossenen „Masterplan Kommunale Sicherheit“ sei die Beseitigung von Angsträumen als Arbeitsschwerpunkt festgelegt, teilt die Verwaltung mit. Der Wunsch nach besserer Straßenbeleuchtung werde vom Tiefbauamt seit 2017 systematisch verfolgt. Für die als unterbeleuchtet wahrgenommenen „Angsträume“werde aktuell ein Beleuchtungskataster erstellt. Allein im Jahr 2019 wurden hierzu mehr als 20 Projekte fertiggestellt.

SERIE

DIE ARBEIT DER STADT IM UMFRAGE-CHECK

Bei der Kommunalwahl im September wird ein neuer Oberbürgermeister gewählt oder eine neue Oberbürgermeisterin. Damit erhält die Stadtverwaltung einen neuen Chef oder eine neue Chefin. Der ebenfalls zu wählende Stadtrat ist der wichtigste Auftraggeber für die Verwaltung. Im Vorfeld der Wahl nehmen wir deshalb die bisherige Arbeit der Stadtverwaltung unter die Lupe: Was läuft gut? Was geht besser? In einer Online-Umfrage haben 2709 Dortmunder ihre Meinung zu zahlreichen Themenfeldern mitgeteilt, in denen die Verwaltung maßgeblichen Einfluss hat. Die Ergebnisse stellen wir Ihnen in dieser Serie vor.
Lesen Sie jetzt