Und ein Pflaster drauf. Diese Impfung ist geschafft. © Björn Althoff
Covid-Schutzimpfung

Viele Schüler kommen nicht zur Corona-Impfung – Jetzt gibt es eine große Aktion

Wie kann man es schaffen, dass mehr Schüler gegen Corona geimpft werden? Sonder-Aktionen im Impfzentrum brachten keinen großen Fortschritt. Mehrere Schulen haben nun eigene Ideen.

Mehr als 1000 Schüler waren angemeldet. Ihre Namen standen auf den Listen bei der großen Sonder-Aktion der Stadt im Impfzentrum auf Phoenix-West. Die Idee klang so praktisch wie unkompliziert.

Eltern, die ihre Ab-Zwölfjährigen gerne gegen Corona impfen lassen wollen, mussten sich nur bei den Schulen melden. Die sammelten die Namen. Dann kam ein Bus, um die Schüler zum Impfzentrum zu fahren und später wieder zurück zur Schule – während der Unterrichtszeit wohlgemerkt.

Sonder-Aktion: 10 bis 30 Prozent der Schüler fehlten

Zigtausend Mädchen und Jungen hätten das nutzen können. Angemeldet war nur ein Bruchteil. Und nicht einmal die kamen alle.

Extremes Beispiel: Mittwoch, 8. September. Nur 60 von 143 angemeldeten Schülern saßen in den Bussen. An den Tagen zuvor hatte der Anteil zwar höher gelegen, aber 10 bis 30 Prozent fehlten immer. Warum?

Die Stadt zuckt mit den Schultern. „Für das Fernbleiben gibt es jeweils sicherlich ganz unterschiedliche Erklärungen“, heißt es auf Anfrage. Da müsse man die Schulen fragen.

Einer der Schulleiter will nicht über Gründe spekulieren, zumal er selbst unterstreicht: „Wir hatten das Problem nicht. Wir hatten 45 Schüler angemeldet und die waren auch alle da.“ Carsten Schlagowski ist Sprecher der Hauptschulen in Dortmund und Leiter der Konrad-von-der-Mark-Schule in Hörde. Insofern hatte er es eh nicht weit.

Eine Impfung in der Schule? Nicht gestattet

„Wir brauchten uns gar nicht in den Bus zu setzen. Wir sind zu Fuß zum Impfzentrum gegangen.“ Vorher habe er selbst in allen Klassen für die Impf-Aktion geworben, habe dann dafür gesorgt, dass alle Angemeldeten auch mitgekommen seien. Er unterstreicht: Ein Selbstläufer sei das bei seiner Klientel nicht.

Schlagowski sagt: Das Beste wäre noch gewesen, ein Impfbus hätte direkt in die Schulen kommen dürfen, „um die Schüler zu impfen, aber auch Mama, Papa, Oma, Opa, Onkel, Tante, einfach alle.“ Das aber sei in NRW so ja nicht vorgesehen, so schade das auch sei.

Große Aktion in der Nordstadt steht an

Es hänge „von vielen Faktoren“ ab, ob die Schüler und ihre Familien sich gegen Corona impfen lassen würden. Vielleicht – das sagt nicht Schlagowski, sondern ein erfahrener Impfarzt aus Dortmund – habe halt nicht jede Schule einen solchen Aufwand betrieben.

Eine mögliche Lösung nun nach Schließung des Impfzentrums: dass Lehrer befreundete Ärzte ansprechen. An der Konrad-von-der-Mark-Schule ist das so. Auch in anderen Teilen Dortmunds gibt es diese Initiativen. In der Nordstadt sogar eine große.

Am Samstag im Dietrich-Keuning-Haus

Wessen Kinder auf die (Haupt-)Schule am Hafen, auf die Getrud-Bäumer-Realschule oder auf das Helmholtz-Gymnasium gehen – der hat vor wenigen Tagen Post nach Hause bekommen.

Am Samstag, 2. Oktober, von 9 bis 16.30 Uhr gibt es eine große Impfaktion im Dietrich-Keuning-Haus. Mit Biontech und schon vereinbartem Termin für die Zweitimpfung. Einzig mitzubringen: Ausweis und Krankenkassenkarte.

„Modell, um Impfungen niederschwellig anzubieten.“

Verantwortliche Ärztin ist Fatma Michels, die schon Ende Juni eine große Aktion in der Schule am Hafen durchführte. Seinerzeit gab es 300 Dosen Johnson & Johnson, vor allem für Eltern und andere erwachsene Angehörige der Schüler.

Ein Unterschied jetzt: Mittlerweile ist das Biontech-Vakzin auch für 12- bis 15-Jährige zugelassen.

Außerdem anders: Da das Impfzentrum dann geschlossen ist, „werden Organisation und Weiterleitung der Daten durch meine Praxis übernommen“, erklärt Michels. „Ich denke, es ist ein mögliches Modell, um in der Pandemie Impfungen weiterhin niederschwellig anbieten zu können.“

Nur 904 Schüler kamen ins Impfzentrum

Vor allem: Die Impfung kommt zu den Menschen, auch in die Brennpunkte. Vorher mussten die Menschen, wenn sie nicht in die Arztpraxen gingen, ins Zentrum auf Phoenix-West kommen.

Die Zahlen, die die Stadt auf Anfrage mitteilt, deuten nicht darauf hin, dass das am Ende noch erfolgreich war: „Im Zeitraum 2. bis 28. September sind 904 Schüler mit der Erstimpfung versorgt worden. Eine Zweitimpfung erhielten vom 23. bis 28.9. insgesamt 627 Schüler.“

Das bedeutet: Auch zur Zweitimpfung kamen viele nicht.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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