Virales Video zeigt Panzer in Dortmund: Bundeswehr erklärt Hintergründe

rnGerüchte im Umlauf

Ein Autofahrer filmt einen Zug, auf dem zahlreiche Militärfahrzeuge transportiert werden. Das Video aus Dortmund kursiert im Internet, wir haben es analysiert und die Bundeswehr befragt.

Dortmund

, 21.03.2020, 05:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

In diesen außergewöhnlichen Tagen könnte man den Eindruck kriegen, das Video, das aktuell im Internet kursiert, habe mit dem Coronavirus zu tun. Zahlreiche Panzer sind nahe dem Bahnhof Dortmund-Scharnhorst zu sehen. Sie stehen hintereinander auf einem Zug.

Auf drei verschiedenen Wege haben unsere Redakteure in dieser Woche das Video unabhängig voneinander zugeschickt bekommen. Darin ist Folgendes zu sehen: Jemand fährt im Auto nahe dem Scharnhorster Bahnhof über die Flughafenstraße.

Mindestens 25 Militär-Fahrzeuge auf einem Zug

Eine Unterführung führt den Wagen unter einem Gleis her, auf dem ein Zug mit zahlreichen Militärfahrzeugen steht. Mindestens 25 Fahrzeuge sind zu zählen, von Geländewagen über Lastwagen bis hin zu sogenannten GTK-Boxern - Gepanzerten Transport-Kraftfahrzeugen.

Eine erste Analyse des Videos ergibt: Der Clip kann nicht nach dem 11. März aufgenommen worden sein. Im Display des Autoradios sind die Uhrzeit und das Lied zu sehen, das gerade auf dem Radiosender Eins Live läuft.

Der 11. März ist der früheste Zeitpunkt, für den die täglichen Eins-Live-Playlisten für unsere Redaktion einsehbar waren. Die Playlisten zeigen: An keinem Tag wurde das Lied seitdem zu der Uhrzeit gespielt, die im Auto angezeigt wird. Auch wenn man annimmt, dass die Uhrzeit fälschlicherweise noch auf Sommerzeit eingestellt ist, passen die Angaben nicht zueinander.

Über Whatsapp wird dieses Video verschickt, in dem gepanzerte Wagen auf einem Zug zu sehen sind.

Über Whatsapp wird dieses Video verschickt, in dem gepanzerte Wagen auf einem Zug zu sehen sind. © Kevin Kindel

Auf Anfrage der Redaktion äußert sich die Bundeswehr zu dem Zug. Ein Sprecher des NRW-Landeskommandos sagt zwar: „Es fällt uns sehr schwer, das Video zuzuordnen, weil der zeitliche Bezug fehlt.“ Aber: „Nein, diese Fahrzeuge sind nicht wegen des Coronavirus eingesetzt worden.“

Sehr wohl sei es möglich, dass das Video im Rahmen des Nato-Manövers Defender 2020 entstanden ist, das inzwischen übrigens abgebrochen wurde: „Vielleicht aber auch früher“, so der Bundeswehr-Sprecher. Schon immer sei solch schweres Gerät auf der Schiene transportiert worden, etwa zu ganz normalen Trainings auf Truppenübungsplätzen. Da sei auch das Dortmunder Stadtgebiet ein bekannter Transportweg.

Die Bundeswehr ist grundsätzlich aktuell im Einsatz

Grundsätzlich ist die Bundeswehr tatsächlich wegen der Corona-Krise im Einsatz, allerdings in zivilen Einsatzbereichen. An der deutsch-polnischen Grenze versorgten Soldaten etwa Menschen, die in langen Staus festsaßen, mit Verpflegung und Decken.

Dem Bundeswehr-Sprecher ist mit Blick auf das Video wichtig, dass die Menschen nicht besorgt sein sollten, wenn sie Soldaten sehen. „Die Bevölkerung kann und darf beruhigt sein, die Bundeswehr in dieser schweren Zeit an ihrer Seite zu haben“, so der Sprecher: „Mit ganzer Kraft bringen wir uns bei der Überwindung der Corona-Pandemie ein und unterstützen im Rahmen unserer Möglichkeiten und Ressourcen.“

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