Dortmunder Vivawest-Mieter verlieren ihre Wohnungen: Acht Häuser sind betroffen

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Einige Dortmunder Vivawest-Mieter müssen ihre Wohnungen räumen. Der Wohnungsanbieter will die Mehrfamilienhäuser abreißen, in denen sie wohnen. Eine Alternative sieht Vivawest nicht.

Dorstfeld

, 21.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bis vor zwei Wochen war die Welt von Gerhard (79) und Ilse Uhland (77, Namen von der Redaktion geändert) noch in Ordnung. Dann klingelte ein Vivawest-Mitarbeiter an ihrer Tür.

„In eineinhalb Jahren müssen wir hier raus“, fasst Gerhard Uhland das Ergebnis des Gesprächs zusammen. Und damit ist das Ehepaar nicht allein. Insgesamt acht Häuser an der Hügelstraße und der Straße „Am Quartus“ in Dorstfeld sollen abgerissen werden.

Alle 22 Mietparteien müssen ihre Wohnungen spätestens 2021 verlassen. Zehn weitere Wohnungen in den Häusern stehen teils schon seit Jahren leer. „Die müssen den Plan schon früher gehabt haben“, ärgert sich Ilse Uhland. „Deshalb haben sie trotz der vielen Anfragen niemanden mehr einziehen lassen.“

Die überwiegend älteren Bewohner sind verzweifelt

In den Häusern wohnen überwiegend ältere Menschen. Manche sogar schon seit ihrem Bau Ende der 1950er-Jahre. „Wir sind alle verzweifelt“, sagt Ilse Uhland. „Wir schlafen seit der Nachricht kaum noch.“

Warum sie ausziehen müssen und die Häuser samt ihrer Wohnungen abgerissen werden sollen, verstehen die Bewohner nicht. Schimmel und kaputte Rohre seien ihnen als Gründe genannt worden.

Davon sieht oder riecht man jedoch weder in den Wohnungen, noch im Flur oder Keller des Hauses, in dem die Uhlands wohnen, etwas. „Viele hier haben ihre Wohnungen renoviert oder sogar saniert und sorgen dafür, dass die Häuser gut in Schuss sind“, sagt Gerhard Uhland.

Die Bewohner eines Hauses zeigen ihren Keller, um zu zeigen, dass nirgends Schimmel ist.

Die Bewohner eines Hauses zeigen ihren Keller, um zu zeigen, dass nirgends Schimmel ist. © Carolin West

Das Ehepaar vermutet, dass Vivawest das Grundstück nach dem Abriss der Häuser verkaufen oder selbst neue Häuser dort bauen möchte. „Uns wurde Hilfe beim Umzug und bei der Wohnungssuche angeboten – aber ob wir darauf vertrauen können?“, fragt Ilse Uhland.

Vivawest: „Grundrisse entsprechen Wohnbedürfnissen nicht mehr“

„Die Fläche wird mit neuen Mietwohnungen bebaut“, bestätigt Vivawest-Pressesprecherin Katrin Lamprecht. „Die Planungen befinden sich in einem frühen Stadium, sodass noch keine Aussage zu Anzahl, Größe und Preis der Wohnungen getroffen werden kann.“

Grund für den Abriss seien jedoch weder Schimmel noch veraltete Rohre. Vielmehr weisen die Häuser Schieflagen auf, die auch durch eine Modernisierung nicht zu beheben seien.

„Die Grundrisse entsprechen zudem nicht mehr den heutigen Wohnbedürfnissen“, erklärt sie. Vivawest habe alles überprüft, da der Großteil der Wohnungen vermietet sei. Doch letztlich habe es keine andere Option als den Abriss gegeben.

Und es gebe auch keine Möglichkeit, die Häuser noch zu retten. Katrin Lamprecht verspricht jedoch, dass Vivawest den Umzug aller Mieter übernehme und bei der Suche nach einer Ersatzwohnung helfe.

„Wir haben alles hier und fühlen uns wohl, dass wir wegmüssen, ist schlimm“, sagt das Ehepaar Uhland.

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