Vom Horror- zum Jugendbuch: Brackeler schreibt über Eichhörnchen

Literatur

Bisher ging es um Zombies und Dämonen – nun um Eichhörnchen: „Lena Eichhorn und die Frostkriege“ heißt das neue Buch des Brackeler Autors Tom C. Winter. Ein Teil ist unbeabsichtigt aktuell.

Brackel

, 20.04.2021, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Eichhörnchen wirft einen Blick ins Buch: "Lena Eichhorn und die Frostkriege" vom Brackeler Autor Tom C. Winter handelt von der mythischen Welt der kleinen Nager.

Ein Eichhörnchen wirft einen Blick ins Buch: „Lena Eichhorn und die Frostkriege" vom Brackeler Autor Tom C. Winter handelt von der mythischen Welt der kleinen Nager. © ShepArt

„Eichhörnchen fand ich schon immer faszinierend“, verrät der Brackeler Autor Tom C. Winter, „und ich beobachte sie gern in unserem Garten.“ In seinem Roman geht es um die elfjährige Lena, die nach Irland gezogen ist.

Ihre Eltern streiten ständig und in der Schule findet sie keine Freunde. Als Lena im Park von einem Eichhörnchen gebissen wird, ahnt sie nicht, was das bedeutet: Beim nächsten Vollmond verwandelt sie sich selbst in ein Eichhörnchen!

Mit ihrer neuen Eichhörnchenfreundin Nuknuk und weiteren Nagern kommt Lena alten Geheimnissen auf die Spur. Gemeinsam stellen sie sich einer großen Bedrohung.

Buch entstand aus Geschichten für eigene Kinder

Ursprünglich hat der gebürtige Brackeler Tom C. Winter seinen Kindern Geschichten über Lena und die Eichhörnchen erzählt. „Dabei entstand so nach und nach der Roman“, beschreibt er den Schaffensprozess.

„Meine Töchter waren ein sehr hilfreiches Testpublikum – was sie nicht spannend fanden, konnte ich gleich streichen.“ Angelehnt ist die Handlung an die „Heldenreise“ von Joseph Campbell, eine archetypische Grundstruktur vieler Mythen, Romane und Filme.

Tom C. Winter kommt aus Brackel.

Tom C. Winter kommt aus Brackel. © Lukas Palik

Eigentlich ist der Autor für Romane in einem ganz anderen Genre bekannt. Sein erster Roman „Welt der Toten“ drehte sich um einen Lehrer, der in einer von Zombies bevölkerten Welt seine Schüler sucht. In „Sie bleiben“ ging es um Dämonen, Geister und das (Weiter-)Leben nach dem Tod.

Das Schreiben des Lena-Eichhorn-Buches empfand er aber gegenüber den Horrorromanen gar nicht so anders. „Eine spannende Geschichte ist eine spannende Geschichte – ob mit Eichhörnchen oder mit Zombies“, meint er augenzwinkernd.

Viele Einflüsse

Für die Kultur seiner Eichhörnchen hat sich Tom C. Winter mit dem Mond-Zyklus auch bei der neureligiösen Wicca-Bewegung bedient, die sich auf naturverbundene Spiritualität und als Mysterienreligion versteht. Weitere Einflüsse waren keltische und nordische Mythologien.

Aber auch viele Fakten über Eichhörnchen haben Eingang in das Buch gefunden. So zum Beispiel, dass Eichhörnchen 10.000 Nüsse pro Jahr verstecken, aber nicht alle wiederfinden. Der Rest dient (unfreiwillig) der Aufforstung des Waldes. „Daher nennt man sie auch die Förster der Natur“, so Tom C. Winter, der Diplom-Psychologe und Psychotherapeut ist.

Das Buch liest sich flüssig und spannend. Schnell geht es in die Haupthandlung hinein: „Kinder hören nicht aus Höflichkeit zu. Eine Geschichte muss sie sofort packen, sonst verliert man sie als Zuhörer“, sagt Tom C. Winter. Der Schreibstil ist sowohl für Kinder ab neun Jahren (Verlagsempfehlung) als auch für Ältere geeignet, ähnlich wie bei Harry Potter. Eine Fortsetzung ist geplant.

Für das Buch im Oldib Verlag hat Tom C. Winter mit Zeichner Matt Fynch zusammengearbeitet, mit dem er auch schon die Graphic Novel „Das Geheimnis der Mia Diamond“ veröffentlicht hat und an dessen Comic-Reihe „Lilly Swan“ er mitarbeitet.

Bedrohung durch Pocken

Wie in der Realität sehen sich die in Europa heimischen Eichhörnchen von nordamerikanischen Grauhörnchen bedroht. Diese dringen allmählich in deren Lebensraum ein (in Deutschland bisher nicht).

Grauhörnchen bringen die „Eichhörnchen-Pocken“ mit, gegen die sie selbst immun sind. Für rote Eichhörnchen kann das Virus jedoch tödlich sein – es bleibt ihnen nur: Abstand halten. Eine Parallele zu Corona drängt sich dabei auf, auch wenn der Roman schon vor der Pandemie entstanden ist.

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„Ich habe die Geschichte so geschrieben, wie sie zu mir kam, ohne besonderen pädagogischen Anspruch“, erklärt der Autor. „Trotzdem würde ich mich freuen, wenn sie den Blick der jungen Leserinnen und Leser etwas mehr auf die Natur richtet.“

Ein Teil der Einnahmen geht an einen Notruf für Eichhörnchen, der Pflegestellen unterhält. Infos unter lenaeichhorn.de und unter www.eichhoernchen-notruf.com

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