Vom „Irrenwächter der Bekloppten“ zum Kranken- und Gesundheitspfleger

rn125 Jahre LWL-Klinik

Sammelunterkünfte und brummige Wärter – die Zustände vor 125 Jahren in der LWL-Klinik, die damals noch Irrenanstalt hieß, sind heute nicht mehr vorstellbar. Aber wie sieht es heute aus?

Aplerbeck

, 14.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lea Michelle Krois und Stefanos Christodantou schauten ein wenig ungläubig, als Hans Joachim Thimm zu den Anfängen der Klinik zurückblickte. In die Anfänge der Psychiatrie, als die Klinik, die als Aplerbecker Irrenanstalt gegründet wurde zu den modernsten ihrer Zeit gehörte.

Die beiden Auszubildenden zur Gesundheits- und Pflegekraft absolvieren gleichzeitig ein Fernstudium an der Uni Hamburg. „Nach dem Master kann man sich dann spezialisieren, das war auch die Intention, das Studium zu beginnen“, sagt Stefanos Christodantou. Der sieht, wie seine Kollegin Lea Michelle Krois, seine Zukunft durchaus an der LWL-Klinik in Aplerbeck.

Kaum fachliche Ausbildung

Eine solch fachlich hochwertige Ausbildung war in der Geschichte der Klinik lange Zeit unvorstellbar. Bis in das Jahr 1902 hießen die Mitarbeiter noch Wärter. Sie waren unterbezahlt und hatten einen immens schlechten Ruf in der Öffentlichkeit. „Es hieß damals, die Wärter kann man nicht von den Bekloppten unterscheiden“, sagt Hans Joachim Thimm.

Und so sieht es heute aus vor dem Haus 30. Stefanos Christdantou (Azubi) und Sebastian Breitmann (Gesundheits- und Krankenpfleger und Praxisanleiter).

Und so sieht es heute aus vor dem Haus 30. Stefanos Christdantou (Azubi) und Sebastian Breitmann (Gesundheits- und Krankenpfleger und Praxisanleiter). © Jörg Bauerfeld

Zwei Krankenpfleger vor dem Haus 30. Das Foto entstand um 1930.

Zwei Krankenpfleger vor dem Haus 30. Das Foto entstand um 1930. © Archiv LWL

Dabei war die Aplerbecker Irrenanstalt ihrer Zeit weit voraus. Die Patienten wurden nicht mehr an die Betten gefesselt und als in Aplerbecker Bürgerhäusern die Menschen noch auf ein Plumpsklo gingen, gab es in der Klinik schon „Tornado-Spül-Klosetts“.

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Die Betreuung der Patienten ist mit dem heutigen Umgang mit Patienten nicht zu vergleichen. Es gab kaum Medikamente und auch kaum Pflegepersonal. So gab es in den Anfangsjahren der Klinik 33 weibliche Pflegekräfte, das waren Diakonissen und in etwa die gleiche Zahl an männlichen Pflegekräften, dazu drei Ärzte. Heute verfügt die LWL-Klinik an der Marsbruchstraße über 1300 Mitarbeiter, so Thimm.

Pflegepersonal und Auszubildende auf der Treppe zum Verwaltungsgebäude der Klinik.

Pflegepersonal und Auszubildende auf der Treppe zum Verwaltungsgebäude der Klinik. © Jörg Bauerfeld

Mitarbeiterinnen der Klinik auf eben dieser Treppe um 1935.

Mitarbeiterinnen der Klinik auf eben dieser Treppe um 1935. © LWL Archiv

„Erst seit den 60er-Jahren ist die Pflege in der Psychiatrie als Krankenpflege anerkannt“, so Thimm.

1962 hat der erste Kurs der Pflegekräfte an der LWL-Klinik ihr Examen gemacht. Heute gibt es hier die Pflegeakademie, auf der zahlreiche junge Menschen ihre ersten Schritte in Richtung Pflegeberuf absolvieren.

Lange eine strikte Geschlechtertrennung

Zu der Zeit gab es auf dem Klinik-Gelände in Aplerbeck noch eine strikte Geschlechtertrennung hinsichtlich der Patienten. Erst in den 80er-Jahren wurde diese aufgehoben und es gab „gemischte“ Therapiegruppen.

Das ehemalige Haus 11 auf dem Kinikgelände.

Das ehemalige Haus 11 auf dem Kinikgelände. © LWL Archiv

Mit der Anerkennung des Berufes wuchsen auch das Ansehen und die Bezahlung. Die Auszubildenden zu Pflege- und Gesundheitspflegenden werden im Übrigen recht gut bezahlt. Rund 1200 Euro brutto gibt es heute im ersten Lehrjahr. Dann aber stagniert die Bezahlung - es sei denn, die Angestellten bilden sich weiter – im LWL eigenen Fortbildungszentrum.

„Die Krankenpflege ist immer Veränderungen unterworfen, seit dem ersten Januar gibt es neu auch den Beruf Pflegefachfrau / Pflegefachmann“, sagt Doris Wattad, Leiterin der LWL-Akademie.

Auch das war früher die Arbeit der Pflegerinnen. Gartenarbeit im Direktorengarten.

Auch das war früher die Arbeit der Pflegerinnen. Gartenarbeit im Direktorengarten. © Archiv LWL

Aber, was die Bezahlung angeht, würde noch Luft nach oben bestehen. Das ist auch im 125. Jahr der Klinik so. Hier sei die Politik gefragt, die Weichen neu zu stellen.

Viele Gebäude aus den Gründerjahren sind noch erhalten

Was aber ist von den Anfängen der LWL Klinik geblieben? Einige Gebäude zum Beispiel. Das Hauptgebäude beispielsweise ist noch aus dem Jahr 1895. Genau wie einige Nebengebäude, die Landhäuser.

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Aber die Klinik ist auch im Wandel begriffen. Das Phoenix-Haus ist eines der modernsten Therapiehäuser in Deutschland. Dort, wo das alte Sport- und Bewegungszentrum steht, wird bald neu gebaut.

Neue Pläne für das Klinikgelände

Auch die Parkplatzsituation vor der Klinik soll sich verbessern. Und was ist mit einer großen Jubiläumsfeier? Schließlich sind 125 Jahre Klinik kein Pappenstiel. Durch die Corona-Pandemie ist diese ausgefallen.

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Das einzige, was darauf hindeutet, sind die großen Plakate entlang der Marsbruchstraße und ein Bildband zu 125 Jahren LWL-Klinik. Herausgegeben von Hans Joachim Thimm.

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