Zum 75-jährigen Bestehen der Firma Weckbacher blicken die beiden Geschäftsführer Dirk Rutenhofer (l.) und Michael Mainz nicht nur auf eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte zurück, sondern auch nach vorne. Die Zukunft nimmt auf diesem Bild hinter ihnen gerade Gestalt an. © Weckbacher / Jan Heinze
Firmenjubiläum

Vom kleinen Dortmunder Schlüsseldienst zur Firma, die den Bundestag abschließt

In 75 Jahren hat die Dortmunder Firma Weckbacher viele namhafte Gebäude mit Schließanlagen ausgestattet – zum Beispiel den Bundestag. Zum Jubiläum startet bald ein großes Zukunftsprojekt.

Es könnte die Eine-Million-Euro-Frage bei Günter Jauch sein: Aus welcher Stadt kommt die Firma, die den Deutschen Bundestag im Berliner Reichstagsgebäude gesichert hat? a) aus New York, b) aus Berlin, c) aus London oder d) aus Dortmund?

D wie Dortmund lautet die richtige Antwort. Und es handelt sich um die Firma Weckbacher Sicherheitssysteme GmbH an der Kaiserstraße 158. Das Unternehmen feiert sein 75-jähriges Bestehen und steht für eine besondere Dortmunder Erfolgsgeschichte.

„Wir sind am 3. Januar 1946 als kleiner Eisenwarenladen mit Schlüsseldienst gestartet. Heute zählen wir bundesweit zu den bedeutendsten Errichtern von Sicherheitstechnik. Vom Schlüssel mit Bart damals zur vollelektronischen Schließanlage heute – darauf sind wir schon ein wenig stolz“, erklären die beiden Geschäftsführer Dirk Rutenhofer und Michael Mainz.

Neue Herausforderungen in den 90er-Jahren

Bereits die Wirtschaftswunderjahre ließen den Betrieb florieren, so dass die damalige Weckbacher KG in den 1960er Jahren zu einem der bedeutendsten Großhändler des metallverarbeitenden Handwerks und der Industrie im Ruhrgebiet aufstieg.

Der neue Firmensitz von Weckbacher in Dortmund mit dem Sicherheitszentrum NRW für Muster- und Ausstellungsflächen soll im Oktober dieses Jahres bezogen werden.
Der neue Firmensitz mit dem Sicherheitszentrum NRW für Muster- und Ausstellungsflächen soll im Oktober dieses Jahres bezogen werden. © Weckbacher / Jan Heinze © Weckbacher / Jan Heinze

Im Privatkundensektor zählte das Unternehmen ebenfalls zu den führenden mechanischen Schließanlagenexperten. Doch zu Beginn der 1990er Jahre stand Weckbacher vor wirtschaftlichen und strategischen Herausforderungen. Die Märkte hatten sich geändert und erforderten mehr Beweglichkeit. Wollte es bestehen bleiben, musste sich das Unternehmen grundlegend wandeln. Die beiden neuen Geschäftsführer Michael Mainz und Dirk Rutenhofer sowie Prokurist Eckhard John erkannten das und setzten auf einen Neubeginn.

Die mit zum Teil schmerzhaften Einschnitten verbundenen Maßnahmen verfehlten ihre Wirkung nicht. „Dank großartiger Mitarbeiter und vieler innovativer Entscheidungen transformierten wir uns vom alteingesessenen, eindimensionalen Schlüsseldienst zum Errichter digitaler Schließanlagen und elektronischer Sicherheitstechnik“, so Dirk Rutenhofer.

Ausschreibung für den Bundestag umfasste sechs Ordner

Der Auf- und Umbruch führte Ende der 90er-Jahre zu einem kühnen Unterfangen. „Ich hatte von der Ausschreibung einer Schließanlage für den Bundestag gehört und sie einfach mal angefordert. Es kamen sechs Ordner, die ich unserem damaligen Prokuristen Eckhard John dann auf den Schreibtisch legte“, erzählt Dirk Rutenhofer.

Die Anekdote, wie er schließlich den Jahrhundertauftrag für Weckbacher an Land zog, erzählt der heute 80-jährige Eckhard John immer noch gerne: „Wir haben rauf und runter gerechnet, zu welchem Preis wir das anbieten können. Für mich war klar, dass wir an dem Auftrag auch Geld verdienen müssen. Wir landeten schließlich mit unserem Angebot an siebter Stelle.“

Der ehemalige Prokurist Eckhard John erzählt bis heute gerne die Geschichte, wie er 1998 den Auftrag für die Schließanlagen im Berliner Reichstagsgebäude nach Dortmund holte.
Der ehemalige Prokurist Eckhard John erzählt bis heute gerne die Geschichte, wie er 1998 den Auftrag für die Schließanlagen im Berliner Reichstagsgebäude nach Dortmund holte. © Weckbacher / Jan Heinze © Weckbacher / Jan Heinze

Trotzdem wurde die Unternehmensführung zu einer Besprechung nach Berlin eingeladen. „Wir wurden gefragt, warum wir so teuer sind. Da haben wir denen die Augen geöffnet und erklärt, dass wir genau das Sicherheitssystem angeboten haben, das auch ausgeschrieben war – und nicht ein ganz anderes, günstigeres“, so Eckhard John, der in seinem Berufsleben nie einen Computer bediente, alle Preise im Kopf hatte und in der Branche als „der Schließanlagen-Papst aus Dortmund“ galt.

Mehrere Niederlassungen in ganz Deutschland

Es war am Gründonnerstag 1998 als gegen Mittag ein Fax aus Berlin einging. „Das war der Auftrag, ein Auftrag der Bundesrepublik Deutschland über zwei Millionen D-Mark. Es galt, das Reichstagsgebäude nebst sämtlichen Neubauten des Deutschen Bundestages in Berlin zu ‚verschließen‘ – mit über 10.000 Schließzylindern“, sagt Dirk Rutenhofer.

Inzwischen sind die Anlagen aus Dortmund nahezu im gesamten Regierungsviertel, aber auch im Berliner Schloss oder im Bundeskanzleramt zu finden.

Daneben finden sich zahlreiche Ankerprojekte in anderen Teilen der Republik, darunter die Zwillingstürme der Deutschen Bank sowie der Maintower in Frankfurt, die Meistersingerhalle in Nürnberg, die neue Messe und das Staatstheater in Stuttgart oder das Universitätsklinikum Düsseldorf mit mehr als 20.000 intelligenten Türschlössern. Demzufolge hat Weckbacher auch eigene Niederlassungen in Berlin, Würzburg, Maintal, Stuttgart sowie Bielefeld.

Zugangssteuerungen für Kliniken und Pflegeheime

Das Unternehmen darf heute ohne falsche Bescheidenheit behaupten, dass wohl die meisten Bundesbürger einmal im Laufe ihres Lebens in einem von Weckbacher gesicherten Gebäude gestanden haben oder stehen werden. So übrigens auch die vielen Fans des BVB beim Besuch der Heimspiele im Signal Iduna Park.

Zurzeit ist Weckbacher vor allem in Krankenhäusern oder auch für Impfzentren tätig. Waren die Fachleute bereits vor Corona im laufenden Krankenhausbetrieb unter strengsten Hygienevorgaben äußerst gefragt, konnten und können sie ihre Fertigkeiten unter den momentanen Ausnahmebedingungen erneut beweisen.

„Dank unserer elektronischen Zugangssteuerungen konnten in Kliniken und Pflegeeinrichtungen sehr schnell neue Hochsicherheitszonen zum Beispiel für medizinische Schutzkleidung eingerichtet werden“, sagt Geschäftsführer Michael Mainz.

Sicherheitszentrum NRW entsteht an der Hannöverschen Straße

Wenn man all dies weiß, überrascht es nicht, dass dem Unternehmen, das in der ersten Liga der bundesweiten Sicherheitsexperten spielt, der alteingesessene Firmensitz an der Kaiserstraße zu klein geworden ist. Weckbacher hat längst das nächste Zukunftsprojekt gestartet und wird nach 75 Jahren die angemieteten Räume an der Kaiserstraße verlassen.

Intern heißt das Projekt nur „H76“. Dahinter verbirgt sich der an der Hannöverschen Straße 76 entstehende, neue Firmensitz. Das derzeit im Bau befindliche dreigeschossige Gebäude wird neben den notwendigen Planungs- und Verwaltungsbüros mit dem „Weckbacher Sicherheitszentrum NRW“ auch wegweisende Muster- und Ausstellungsflächen beinhalten, die den Stand der Sicherheitstechnik demonstrieren.

Umzug im Jubiläumsjahr wird ein „Schlüsselmoment“

Dirk Rutenhofer ist es wichtig, zu betonen, dass Weckbacher nicht nur Großbauten mit innovativer Zugangstechnik ausstattet, sondern auch Einfamilienhäuser und Wohnungen. Auch private Kunden sind also demnächst in dem Sicherheitszentrum NRW, das Anfang Oktober eröffnet werden soll, willkommen.

Die Firma Weckbacher beschäftigt derzeit 84 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – davon 48 in Dortmund. Zahlreiche seiner Schlosser, Tischler, Elektrotechniker, Ingenieure, Kaufleute und IT-Experten hat das Unternehmen selbst ausgebildet. Viele Angestellte arbeiten seit ihrer Ausbildung bei Weckbacher, manche von ihnen bereits seit nahezu 30 Jahren. Wie zum Beispiel der heutige Prokurist und Gesamtvertriebsleiter Dennis Ochmann.

„Mit dem Neubau an der Hannöverschen Straße“, sagt er, „bekennt sich das Unternehmen klar zum Standort Dortmund. Wir freuen uns, den Umzug pünktlich in unserem Jubiläumsjahr zu realisieren. Es ist ein wahrer Schlüsselmoment für uns.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle