Vom Tellerwäscher zur Institution: Hasans Holzkohlegrill glüht wieder

rnGastronomie im Westen

Sechs Monate blieb die Küche kalt. Der Eigentümer von Hasans Holzkohlegrill kündigte den Mietvertrag. Jetzt geht es weiter – 100 Meter entfernt, an einer traditionsreichen Adresse in Dortmund.

Oestrich

, 16.09.2020, 12:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hasan und Nurdal Güler sind das, was man eine Institution nennt. Immer kundenorientiert, gastfreundlich, beliebt im Stadtteil. Vor allem aber servieren sie leckeres Essen: frisch und vom Holzkohlegrill. Bekannt ist vor allem Hasan: Er gibt dem Holzkohlegrill seinen Namen.

Ein halbes Jahr ist das Restaurant geschlossen. Besorgniserregende Gerüchte machen die Runde, auch auf Facebook: Der Grill wird nie wieder öffnen. Der Grund: Der kleine quadratische Flachbau an der Castroper Straße 76 wird abgerissen. An der Stelle will die Lindhorst-Gruppe ein Appartement-Haus mit 20 Seniorenwohnungen bauen.

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Im Juni die Trendwende: Ein Schild im Fenster verkündet einen Umzug: nur 100 Meter weiter an die Castroper Straße 92. Hier hat die Pizzeria Rimini das Lokal geräumt. Innerhalb weniger Monate droht Oestrich, seine letzten kulinarischen Treffpunkte zu verlieren.

Politiker helfen bei der Suche nach einem Standort

Bezirksbürgermeister Wilhelm Tölch und Sandra Spitzner erfuhren von der Existenz-Bedrohung. Sandra Spitzner ist die örtliche SPD-Vorsitzende und Stammgast im Holzkohlegrill.

„Die Betroffenheit war groß“, sagt die Oestricherin. „Man kommt hier nicht nur zum Essen her, sondern fühlt sich aufgehoben.“ Tölch spricht mit der Wirtschaftsförderung. Sie schauen sich mit Hasan Güler leerstehende Lokalitäten in Oestrich an. Der traditionsreiche Standort Castroper Straße 92 entspricht dann den Anforderungen.

Wo früher Torten und anderes Konditorenwerk den Appetit anregten, steht heute die Frischetheke mit Salaten und Hefeteig-Schiffchen.

Wo früher Torten und anderes Konditorenwerk den Appetit anregten, steht heute die Frischetheke mit Salaten und Hefeteig-Schiffchen. © Uwe von Schirp

Vor Jahrzehnten war hier ein Café mit einem Milchgeschäft im Anbau, später eine Eisdiele, nebenan ein Geldautomat – zuletzt „Rimini“, die Pizzeria. Dort aber, wo früher Torten und Gefrorenes über die Theke gingen, locken nun knackfrische Salate, herzhafte Hefeteig-Schiffchen, Fleischspieße und mehr in der Auslage.

Vom Tellerwäscher zum Restaurantbesitzer

Und wo vor 50 Jahren vor allem sonntags die Inhaber ein Schälchen kühle Konditorensahne über die Theke reichten, führt heute ein silbrig glänzender Abluftkamin nach oben und draußen. Darunter glühen die Holzkohlen unter dem Grillrost.

Der Klassiker: Auch die Döner-Spieße bereitet Hasan Güler selbst zu.

Der Klassiker: Auch die Döner-Spieße bereitet Hasan Güler selbst zu. © Uwe von Schirp

Hinten vor der Außenwand brutzelt es. Geschichtete Kalb- und Hähnchenfleischlappen drehen sich an Döner-Spießen. „Alles ist frisch im Haus zubereitet“, sagt der gelernte Koch. Seit seinem 15. Lebensjahr steht er in einer Restaurant-Küche. „Ich habe als Tellerwäscher angefangen“, erzählt er.

Das war noch in seiner Heimat in Ost-Anatolien. Auch Ehefrau Nurdal stammt aus der Region. Vor 26 Jahren folgte der heute 51-Jährige ihr der Liebe wegen nach Westfalen. So lange sind sie auch schon in der Gastronomie selbstständig, 14 Jahre davon an der Castroper Straße 76, jetzt ein paar Häuser weiter.

Rund 25 Personen haben im Gastraum Platz.

Rund 25 Personen haben im Gastraum Platz. © Uwe von Schirp

Ihre beiden Töchter sind mittlerweile erwachsen. Die ältere studiert, die jüngere hat gerade ihr Abitur abgelegt. „Ich will hier alt werden“, sagt Nurdal Güler. „Wir wollen hier bleiben.“ Hier, das ist Oestrich. Drei Monate hat Hasan die Räume renoviert, von den Erfordernissen einer Pizzeria an die eines türkischen Holzkohlegrills angepasst.

Wiedereröffnung verbreitete sich wie ein Lauffeuer

Hell und einladend erstrahlt der Gastraum. Gut 25 Personen bietet er Platz. Es wirkt alles etwas großräumiger als an der alten Adresse – auch die Terrasse vor der Tür.

Auf eine offizielle Eröffnung haben Gülers verzichtet. Dennoch ist es ihnen wichtig, Wilhelm Tölch und Sandra Spitzner zu einem eher symbolhaften Termin mit dieser Redaktion einzuladen. Der scheidende Bezirksbürgermeister hat ein kleines Geschenk mitgebracht. „Ich bin froh, dass der Holzkohlegrill hier bleibt“, sagt Tölch.

Bürgermeister Wilhelm Tölch (l.) und Sandra Spitzner (r.) gratulieren Hasan und Nurdal Güler zur Neueröffnung.

Bezirksbürgermeister Wilhelm Tölch (l.) und Sandra Spitzner (r.) gratulieren Hasan und Nurdal Güler zur Neueröffnung. © Uwe von Schirp

„Wir haben spontan geöffnet“, erzählt Nurdal Güler. „Die Leute haben uns ja gesehen.“ Und sie haben gefragt, wann es losgeht. Als Ehemann Hasan dann am ersten Tag die Glut im im Holzkohlegrill entfacht, verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer bei Facebook und Instagram.

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