Vom Vermieter abgelehnt: Familie fühlt sich diskriminiert und sorgt sich um ihre Bleibe

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Ein Vermieter soll ein deutsches Ehepaar mit iranischen Wurzeln abgewiesen haben, weil er „keine Ausländer“ wolle. Der Mieterverein nennt das „rechtswidrig“. Dem Paar läuft die Zeit davon.

Dortmund

, 18.03.2019, 13:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wohnung im Erdgeschoss, rund 68 Quadratmeter, Warmmiete nicht höher als 600 Euro. Es passte alles, als Anita Azizian (57) und ihr Mann Ali Bayati, Rentner (65) Mitte Februar ihre Besichtigung am Hofstadtweg 4 in Lütgendortmund hatten. Der Mitarbeiter der Hausverwaltung sei sehr freundlich gewesen, berichtet ihre Tochter Tina Günter. Er habe an Ort und Stelle sein „Okay“ gegeben und ihre Eltern gebeten, Kopien ihrer Ausweise nachzureichen. Dann könne der Mietvertrag aufgesetzt werden.

Das Paar kündigte seine Wohnung an der Spicherner Straße in Dorstfeld und bereitete sich gedanklich auf den Umzug vor. Doch nun haben Anita Azizian und Ali Bayati ein Problem: Ihre alte Wohnung müssen sie bis 1. April verlassen haben – und in ihre neue Wohnung können sie nicht. Der Vermieter will sie nicht.

"Kein gutes Bauchgefühl"

Wenige Tage nach der Besichtigung habe der Mitarbeiter der Hausverwaltung anklingen lassen, dass der Vermieter „kein gutes Bauchgefühl“ habe, sagte Anita Azizian. Er wolle noch einmal versuchen, auf den Vermieter einzuwirken. Am 1. März dann die endgültige Absage.

Die Begründung, sagt Tochter Tina, habe man erst nach mehrfacher Nachfrage am Telefon erhalten: Der Vermieter wolle sie nicht, weil sie „Ausländer“ seien, hieß es. „Dem Mann von der Hausverwaltung war das selber peinlich“, sagt Anita Azizian. Die Familie ist empört.

Sie leben seit 32 Jahren hier, sind bestens integriert und sprechen perfekt Deutsch. Was sie besonders aufregt: Sie haben iranische Wurzeln und einen deutschen Pass. „Wie kommt jemand dazu, meine Eltern so zu diskriminieren?“, schimpft Tochter Tina. Den Vermieter kennen sie nicht. Er bleibt anonym und lässt die Hausverwaltung die Geschäfte regeln. Das Wohnungsangebot hatte die Familie im Internet gefunden.

"Haben keinen Einfluss auf Kunden"

Der Eigentümerverband Haus & Grund verwaltet in Dortmund unter anderem rund 1500 private Mietwohnungen in 200 Objekten. Darunter auch das Haus in Lütgendortmund. Hauptgeschäftsführer Michael Mönig möchte sich „aus Datenschutzgründen“ zu dem Fall nicht äußern. „Wir kennen nicht die Gesinnung der einzelnen Vermieter.“

Natürlich gebe Haus & Grund einem Wohnungseigentümer bei Bedarf den Hinweis, dass ein Interessent wegen seiner Herkunft nicht abgewiesen werden dürfe. „Aber was unsere Kunden am Ende machen, darauf haben wir keinen Einfluss“, sagt Mönig.

Martin Grebe, Anwalt und Rechtsberater beim Mieterverein, hat zu dem Fall eine klare Position: „Das ist heftig.“ Der Schilderung der betroffenen Familie zufolge liege ein klarer Rechtsverstoß vor. Offenbar könne der Vermieter keine „sachlichen Gründe“ für die Zurückweisung vorbringen.

Ehepaar in großer Sorge

Der Verweis auf die Herkunft sei „unhaltbar“, sagte Grebe. Deshalb gebe es das „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“ (Antidiskriminierungsgesetz). Demnach sei es Vermietern verboten, einen Interessenten wegen seiner Rasse oder der ethnischen Herkunft zu benachteiligen. Allerdings müsse eine Diskriminierung bewiesen werden. „Und daran hapert es oft“, sagt Grebe.

Er kenne keinen Fall, in dem ein Vermieter so offen eine solche Begründung angeführt habe. „Entweder hören die Interessenten gar nichts mehr oder sie bekommen zur Antwort, die Wohnung sei bereits vermietet.“ Ihm sei auch kein Fall bekannt, in dem sich Interessenten in eine Wohnung hätten einklagen können. „Generell kommen aber Ansprüche auf Schadenersatz oder Schmerzensgeld in Betracht.“

Anita Azizian und ihr Mann haben damit nichts am Hut. „Zumal wir ja nichts Schriftliches in Händen halten.“ Sie haben jetzt andere Sorgen. Sie brauchen bis Anfang April eine neue Wohnung. Sie haben ihren jetzigen Verwalter angeschrieben mit der Bitte, die Kündigung erst einmal rückgängig zu machen. Eine Antwort haben sie bislang nicht.

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