Vom Westenhellweg nach Kalifornien: Straßenmusikerin erspielt sich Flugticket

rnRaphaela Kalla (19)

Eine Straßenmusikerin hat im Sommer für Aufsehen auf dem Westenhellweg gesorgt. Wochenlang spielte die 19-Jährige für einen Flug nach Kalifornien. Der Plan ging auf. Und es kam noch besser.

Dortmund

, 02.11.2019, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Raphaela Kalla aufwacht, blickt sie auf das tiefe Blau des Ozeans. Die 19-Jährige wohnt in Santa Cruz, der legendären Surferstadt südlich von San Francisco, in einem großzügigen Haus am Pazifik. „Von meinem Zimmer kann ich den Sonnenaufgang und den Sonnenuntergang sehen!“ Ab und zu schwimmen Wale vorbei. Kalla lebt ihren Traum.

Dieser Traum begann vor knapp drei Monaten auf den Pflastersteinen des Westenhellwegs. Kalla, die eigentlich aus Frankfurt am Main kommt, hatte zuvor auf dem Jakobsweg Keri und Dan aus Santa Cruz kennengelernt. Man verstand sich prächtig, also lud das Paar aus Kalifornien Kalla ein, eine Weile bei ihnen zu wohnen.

Dortmunds Straßenmusiker-Regeln sind relativ locker

Das Problem dabei war nur: Kalla fehlte das Geld für das Flugticket. Doch anstatt ihre Eltern anzuhauen oder zu kellnern, fasste die junge Frau einen anderen Entschluss: Sie wollte sich das Geld auf der Straße verdienen, als Straßenmusikerin. Also schnappte sie sich ihre Ukulele, lernte ein paar Lieder und machte sich auf den Weg.

Der führte sie auf den Westenhellweg – zum einen, weil in Dortmund die Regeln für Straßenmusiker vergleichsweise locker sind, zum anderen, weil sie kostenlos bei Freunden eines Bekannten in einer leer stehenden Wohnung in Hombruch wohnen konnte.

Für mehrere Wochen spielte sich die zierliche Frau mit dem selbstgemalten bunten Pappschild „Für einen Flug nach Kalifornien“ täglich den Westenhellweg runter. Zwischendurch versuchte sie ihr Glück auch in Hamburg und Berlin.

Straßenmusikerin erspielt 3000 Euro in anderthalb Monaten

Offensichtlich kam sie bei den Passanten gut an: „Nach anderthalb Monaten hatte ich 3000 Euro“, erzählt Kalla am Telefon, mehr als genug für das Flugticket und ein 6-Monats-Visum.

Vom Westenhellweg nach Kalifornien: Straßenmusikerin erspielt sich Flugticket

Angekommen: Straßenmusikerin Raphaela Kalla in San Francisco auf einem der berühmten Cable Cars. © Raphaela Kalla

Den Rest des Geldes will sie nun für Reisen innerhalb der USA nutzen. „Ich will unbedingt nach Hawaii und nach New York“, erzählt sie – und fast glaubt man, im Hintergrund läuft Udo Jürgens („Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii, ging nie durch San Francisco in zerrissenen Jeans“).

Vielleicht studiert Kalla auch noch in Kalifornien

Doch erst einmal will sie in Ruhe ankommen in ihrem neuen Zuhause am Pazifik, bei ihren Gastgebern Keri und Dan, Hund Bailey und Katze Buttercup. Tagsüber geht sie tauchen.

Und wer weiß, sagt sie am Ende, vielleicht studiere sie ja auch noch in Kalifornien. Sie hat ein Auge auf den Psychologie-Bachelor an einem nahen College geworfen.

Studieren in den USA ist teuer. Vielleicht greift Kalla also bald schon wieder zu ihrer Ukulele.

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