Vom Wunschtraum des ruhigen Hellwegs und Albtraum der Schnellstraße

rnVerkehr in Dortmund

Bald könnte Tempo 30 zum Schutz der Schulkinder an der Oesterstraße in Brackel kommen. Am Hellweg ist die Verkehrsberuhigung schwieriger und wirft wieder die Frage nach der OWIIIa auf.

Brackel

, 21.07.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Oesterstraße wird viel genutzt: von Autofahrern, die vom Brackeler Hellweg kommen und über den Heßlingsweg die Flughafen- und die Brackeler Straße erreichen. Aber auch viele Schüler, die im Hohenbuschei-Neubaugebiet wohnen und auf den Bürgersteigen Richtung Erich-Kästner-Grundschule oder Geschwister-Scholl-Gesamtschule unterwegs sind, nutzen die Straße.

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Gefährlich für die Schüler ist die Verkehrssituation am Netto, dessen Parkplatz Autofahrern als Abkürzung nach Hohenbuschei dient. Um die Kinder und Jugendlichen besser zu schützen, will die Brackeler Bezirksvertretung (BV) ein durchgehendes Tempolimit auf der Oesterstraße.

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Doch ihr Beschluss greift nicht, weil der BV die Befugnis dazu fehlt: Die Oesterstraße gehört nämlich zum Vorbehaltsstraßennetz, wie Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka (SPD) mitteilt.

Das Vorbehaltsstraßennetz umfasst alle Straßen mit wichtigen verbindenden Funktionen im Straßennetz Dortmunds. Da es sich um ein stadtweites Netz handele, könne hier nur der Rat Veränderungen vornehmen.

Der Oberbürgermeister (OB) habe aber signalisiert, dass ein solcher Antrag der BV im Falle der Oesterstraße Erfolg haben könnte, die Straße also durch einen Ratsbeschluss aus dem Vorbehaltsnetz herausgenommen werden könnte, so der Bezirksbürgermeister. Dies wäre die Voraussetzung für Tempo 30 dort.

Sozialdemokraten wollen Status-Änderung für den Hellweg

So weit die Oesterstraße: Völlig anders sehe es beim Hellweg in Asseln und Wickede aus, erläutert Karl-Heinz Czierpka. Der Hellweg sei als Landesstraße im Vorbehaltsnetz, und das Land habe hier das Heft des Handelns in der Hand.

Ziemlich eng und unübersichtlich ist es auf dem Wickeder Hellweg. So manch brenzlige Situation entsteht. Die SPD möchte eine generelle Verkehrsberuhigung am Hellweg. Sie erneuert ihre Forderung nach der Verlängerung der Brackeler Straße und erntet Kritik der Naturschützer.

Ziemlich eng und unübersichtlich ist es auf dem Wickeder Hellweg. So manch brenzlige Situation entsteht. Die SPD möchte eine generelle Verkehrsberuhigung am Hellweg. Sie erneuert ihre Forderung nach der Verlängerung der Brackeler Straße und erntet Kritik der Naturschützer. © Schaper

Tempo 30 dürfe dort nur angeordnet werden, wenn etwa soziale Einrichtungen wie Kitas oder Seniorenheime über die Vorbehaltsstraße erschlossen würden. Dies sei beim evangelischen Begegnungszentrum neben der Johannes-Kirche in Wickede der Fall. In diesem Bereich könne man auf maximal 300 Metern eine Geschwindigkeitsreduzierung verfügen.

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Eines werde aus dem Schreiben des OB klar, resümiert Karl-Heinz Czierpka: Veränderungen auf dem Hellweg in Wickede und Asseln wie etwa bauliche Maßnahmen zur Verlangsamung des Verkehrs oder ein Lkw-Verbot seien gar nicht möglich, solange der Hellweg den Status einer Landesstraße habe.

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Bekanntlich will die SPD die Aufenthaltsqualität am Hellweg erhöhen. Czierpka nimmt diese Konstellation zum Anlass, erneut den Weiterbau der Brackeler Straße (L663n oder OWIIIa genannt) zu fordern.

Bürgerinitiative: OWIIIa würde Hellweg-Probleme nicht lösen

Dieses Plädoyer für die Verlängerung der Brackeler Straße hat die Bürgerinitiative „Schützt unseren Freiraum“ zum Anlass genommen, gegen den Weiterbau Stellung zu beziehen.

Asselner Hellweg: Stau oder Nicht-Stau, das ist hier die Frage. Die Beurteilung des Hellweg-Verkehrs geht weit auseinander.

Asselner Hellweg: Stau oder Nicht-Stau, das ist hier die Frage. Die Beurteilung des Hellweg-Verkehrs geht weit auseinander. © Schaper

Den von der SPD beklagten Stau auf dem Hellweg, der als einer der Gründe für den Bau der Umgehungsstraße genannt werde, gebe es nur in der Hauptverkehrszeit vormittags und nachmittags sowie bei Baustellen, argumentiert BI-Mitglied Wilhelm Auffahrt.

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Zu allen anderen Zeiten fließe der Verkehr flüssig. Der Verkehr aus den Wohngebieten werde auf den Hellweg geleitet, an dieser Situation zur Entlastung der Wohngebiete werde auch die gewollte OWIIIa nichts ändern. Da überhaupt nur zwei Zufahrten von der OWIIIa in die Stadtteile geplant seien (Asselner Straße und Wickeder Straße), werde es zu keiner Verkehrsentlastung kommen.

Im Gegenteil: Um die Umgehungsstraße zu erreichen, müsste ein Großteil der Wickeder über die Ebbinghaus- zur Wickeder Straße fahren. Dort wären dann gleich drei Kindergärten von deutlich mehr Verkehr vor ihrer Haustür betroffen.

Verdrängt werde von der SPD auch die Tatsache, dass der Pkw-Verkehr auf dem Hellweg in Asseln und Wickede erheblich abgenommen habe. Es gebe kein vernünftiges Argument für den Weiterbau der OW III a nach Osten zur Autobahn A 1, schlussfolgert Wilhelm Auffahrt.

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