Baukunstarchiv NRW holt spektakuläre Architektur nach Dortmund

rnBaukunstarchiv am Ostwall

Das Baukunstarchiv sieht sich als fester Teil der „Dortmunder Kulturfamilie“. Zeitgleich mit den Museen hat man die Corona-Pause beendet - und bietet ein hochkarätiges Ausstellungsprogramm.

Dortmund

, 02.06.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nicht nur für Architektur-Fans ist es ein echter Rätselspaß: Was ist Original, was ist Nachbau? Diese Frage stellt sich unwillkürlich beim Betrachten der Bilder in der Ausstellung „Reproduktives Entwerfen“, die zurzeit im Lichthof des Baukunstarchivs am Ostwall zu sehen ist.

Manifest mit provokanten Thesen

Es sind durchaus provokante Thesen, die die Ausstellungsmacher Georg Ebbing, Moritz Henkel, Philipp Rentschler und Ulrich von Ey aufstellen. Das Motto: Man muss das Rad in der Architektur nicht neu erfinden, sondern kann auf bewährte Bauwerke zurückgreifen, um Neues zu entwickeln.

„Wir sind es leid, immer wieder neu anzufangen!“, heißt es in dem „Manifest“, das der Ausstellung zugrunde liegt. „Alles Vorhandene ist reproduzierbar“. Und: „Das Vorhandene wird nachempfunden nicht kopiert.“ In einer 50er-Jahre-Häuserzeile finden sich so klassizistische Fassaden wieder, aus dem Luftbrücken-Denkmal in Berlin wird ein Hochhaus.

Viele der ausgestellten reproduktiven Werke sind studentische Arbeiten. Der Umgang mit architektonischen Vorbildern wird also zum Lehrstoff. Näher gebracht wird der in der Ausstellung auch mit vielen spielerischen Elementen, bei denen man etwa Hausfassaden verrücken und neu einpassen kann.

Ausstellungszeit verlängert

Das alles natürlich angepasst an die aktuellen Corona-Regeln, wie Markus Lehrmann als Geschäftsführer des Baukunstarchivs betont. Ursprünglich war die Ausstellung schon am 6. Februar eröffnet worden, musste dann aber Anfang März in eine Zwangspause.

Inzwischen ist das Baukunstarchiv und damit die Ausstellung „Reproduktives Entwerfen“ wieder geöffnet. Und das sogar länger als ursprünglich geplant: Die Ausstellung ist nun bis zum 12. Juli im ehemaligen Museum am Ostwall zu sehen, verkündet der wissenschaftliche Leiter des Baukunstarchivs Prof. Wolfgang Sonne.

Ausbesserungsarbeiten am Gartensaal

Und auch sonst kommt das Baukunstarchiv mit neuem Schwung aus der Corona-Pause. Es wurde die Gelegenheit zu Ausbesserungsarbeiten im Gebäude genutzt, das im November 2018 nach umfangreichem Umbau des alten Museums eröffnet worden war. Dazu gehören etwa Schallschutzmaßnahmen und ein Sonnenschutz im Gartensaal, der oft für Tagungen und Seminare genutzt wird.

„Das Baukunstarchivs ist ja ein Haus des Dialogs“, betonen die Organisatoren um Markus Lehrmann, Prof. Wolfgang Sonne und Klaus Fehlemann vom Förderverein für das Baukunstarchiv. „Wir sind immer noch ein Start-Up und machen uns fit für die Zukunft“, erklärt Lehrmann.

Jetzt lesen

Zugleich wurde weiter am Ausstellungsprogramm gearbeitet. Und das ist durchaus spektakulär. Höhepunkt ist eine Ausstellung, die Ernst Ludwig Kirchner gewidmet ist. Denn der weltbekannte Maler war auch ausgebildeter Architekt. „Vor der Kunst die Architektur“, ist deshalb der Titel der Ausstellung, die vom 25. September bis 20. Dezember im Baukunstarchiv zu sehen ist und damit einen der bekanntestes Expressionisten an den Ostwall zurückbringt.

Von der Architektur zur Malerei

Zu sehen sind Zeichnungen und Architektur-Skizzen Kirchners aus einer privaten Sammlung in Davos, die in Dortmund so erstmals zu sehen sein werden. Danach geht die Ausstellung auf Wanderschaft an Kirchners Studienort Dresden und in seine Geburtsstadt Aschaffenburg.

Einem bekannten Architekten, dessen Nachlass im Baukunstarchiv gehütet wird, ist die folgende Ausstellung vom 22. Januar bis 11. April 2021 gewidmet. Es ist eine umfangreiche Werkschau von Harald Deilmann, von dem in Dortmund unter anderem die Spielbank Hohensyburg und das frühere WestLB-Gebäude an der Kampstraße stammen. Die Schau unter dem Titel „Lebendige Architektur“ ist bis zum 11. April zu sehen.

Schau zur Industriekultur

Nur kurze Zeit nach der Eröffnung der Deilmann-Schau wird dann im ersten Obergeschoss eine gemeinsam mit der Regionalverband Ruhr (RVR) konzipierte Dauerausstellung eröffnet, mit der das Baukunstarchiv Teil der Route der Industriekultur im Ruhrgebiet wird.

Die Ausstellung unter dem Titel „Impulse. Baukunst der Industriekultur“ zeigt anhand von 24 Bautypen – vom Siedlungshaus bis zum Förderturm, vom Kanal bis zum Rathaus – den engen Zusammenhang zwischen Architektur und Industriekultur. „Damit wird das Baukunstarchiv zu einer Art Fixpunkt der Industriekultur-Route“, sagt Klaus Fehlemann.

Eines der neuen Objekte im Baukunstarchiv NRW.

Eines der neuen Objekte im Baukunstarchiv NRW. © Oliver Schaper

Ein künstlerischer Höhepunkt des Ausstellungsprogramms wird die Werksschau von Jörg Wiele mit kinetischen Plastiken und Kunst am Bau. Der Düsseldorfer Künstler hat auch die Plastik „Scheibenmandala“ geschaffen, die als Geschenk der Dortmunder Kulturstiftung die Besucher im Foyer des Baukunstarchivs empfängt. Auch dort ist dann bei vielen Objekten wieder Anfassen erlaubt.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt