Von Ralf Waldmann nie genutzter Prototyp löst bei Nachlass-Versteigerung Wettstreit aus

rnRalf Waldmann

Für das Auktionshaus Stendel war es ein „ganz großes Ding“ und für manchen Fan eine „Herzensangelegenheit“: die Versteigerung des Nachlasses von Motorrad-Vizeweltmeister Ralf Waldmann.

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, 08.04.2019, 18:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es kommt nur sehr selten vor, dass persönliche Sachen von einem Vize-Weltmeister versteigert werden. Samstag (6. April) gab es für alle Motorradfans eine solche Gelegenheit. Der Nachlass des vor einem Jahr plötzlich verstorbenen Ralf Waldmann kam im Auktionshaus Stendel „unter den Hammer“. Dies lockte rund 200 Fans und Motorsportfreunde auf den Hof der Weinhandlung Stendel an der Kreuzstraße.

Die einen, wie Ralf Kerner aus Hombruch, wollten „einfach nur ´mal schauen“. Andere, wie Peter Heinrich aus Düsseldorf nahmen sich vor, „bis zu einem bestimmten Limit“ mitzubieten.

Kuriose Unikate

Auch Unikate wie der unvollständige Prototyp des Motorrads MZ RE 250 mit Rahmen, Rennverkleidung und Motor, der nie zum Einsatz gekommen ist, wurden versteigert. So eigenartig die unfertige weiß-grüne Konstruktion ist, so kurios war das Verhalten der Bieter. Beim genannten Einstiegspreis von 400 Euro gab es kein Gebot. Erst bei der Rückstufung auf 340 Euro setzte der Wettstreit der zahlreichen Auktionsbesucher ein und endete dann bei 3000 Euro.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Versteigerung des Nachlasses von Ralf Waldmann

Für das Auktionshaus Stendel war es ein „ganz großes Ding“ und für manchen Fan eine „Herzensangelegenheit“: Wir haben die Bilder der Versteigerung des Nachlasses von Ralf Waldmann.
08.04.2019
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Die Bieter der Versteigerung© Dietmar Bock
Gespannt warten die Bieter auf die Versteigerung.© Dietmar Bock
Mitarbeiter des Auktionshauses© Dietmar Bock
Die Auktion hat begonnen.© Dietmar Bock
Honda NSR© Dietmar Bock
Eine Kiste mit Ersatzteilen© Dietmar Bock
Motorradkleidung© Dietmar Bock
Verschiedene Schutzkleidungen© Dietmar Bock
Lotus Elise© Dietmar Bock
Weitere Motorräder© Dietmar Bock
Motorrad Verkleidung© Dietmar Bock
Pokale© Dietmar Bock
Prototyp MZ RE© Dietmar Bock

„Das hier ist schon ein ganz großes Ding“, hob Auktionshaus-Chefin Apollonia Stendel hervor. „Es war auch nicht einfach zu handhaben“, ergänzte sie mit Blick auf viele fehlende Unterlagen. Neben Apollonia Stendel und Klaus Krösche, beide von der Industrie- und Handelskammer öffentlich bestellte und vereidigte Versteigerer, leitete auch Tim Stendel die zweistündige Veranstaltung des seit exakt 50 Jahren für Versteigerungen vereidigten Auktionshauses.

Da selbst der namentlich nicht genannte Nachlassverwalter nicht alle Papiere und Zulassungen nicht beschaffen konnte, hieß es oftmals: „Nicht für den deutschen Straßenverkehr zugelassen“ oder „keine weiteren Angaben möglich“.

Reichhaltige Auswahl

Die Palette der versteigerten Objekte reichte von Schmiermitteln, Werkzeugen und in Kisten gesammelten Ersatzteilen, original verpackten Krümmern über Lederkombis, Helmen, Handschuhen, Pokalen bis hin zu Alltags- und Rennmotorrädern und sogar drei Vierrädern.

Der Zustand der Fahrzeuge war ebenso unterschiedlich. Er reichte vom arg ramponierten, „teilzerlegten“ Moped, wie der Kreidler Florett mit „Eiertank“ aus dem Jahr 1966, bis zu top gewarteten Rennmaschinen, die allerdings nicht auf hiesigen Straßen fahren dürfen. „Für mich ist das eine Herzenssache, diese Maschine ersteigert zu haben“, sagte ein erfolgreicher Bieter, der namentlich nicht genannt werden will.

„Wir sind sehr zufrieden“, bilanzierte Apollonia Stendel. Allein für die drei im Angebot befindlichen Wagen kamen fast 80.000 Euro zusammen. Der gelbe Lotus Elise ging für 16.400 Euro weg, der rote BWM Z1 für 2700 und der weiße VW-Bus T6 für 35.500 Euro. Die Gesamtsumme, die seitens des Auktionators nicht veröffentlicht wird, lag auf jeden Fall im sechsstelligen Bereich.

Das Leben des Ralf Waldmann

  • Ralf Waldmann wurde am 14. Juli 1966 in Hagen geboren, lebte in Ennepetal, wo er am 10. März 2018 im Alter von 51 Jahren an einem Herzinfarkt verstarb.
  • Der gelernte Gas-Wasser-Installateur gilt als erfolgreichster Motorradfahrer der WM-Geschichte, ohne jemals Weltmeister gewesen zu sein.
  • Von seinen 169 Starts gewann er 20 Grand Prix´, darunter auch 1991 den Großen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring. Ferner fuhr er zehn Pole-Positionen sowie insgesamt 50 WM-Podestplätze und 1668 WM-Punkte heraus.
  • Auf Honda wurde er in der 125 Kubikzentimeter-Klasse 1991 und 1992 ebenso WM-Dritter wie 1995 in der 250er-Klasse. 1996 und 1997 feierte Waldmann mit zwei Vize-Weltmeisterschaften seine größten Erfolge. Ebenfalls auf der 250er-Honda. Beide Male unterlag er nur dem beinahe unbesiegbaren Italiener Max Biaggi.
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