„Vor unserer Waschmaschine roch es nach Schwefel“ - so lebten die Frauen der Koker

rnKokerei Hansa

Früher schufteten ihre Männer in der Kokerei Hansa - sie hielten ihnen den Rücken frei. Der Künstler Michael Dörner rückt die Frauen nun ins Rampenlicht. Wir sprachen mit zweien von ihnen.

Dortmund, Huckarde

, 17.08.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Die Hitze brannte mir durch die Schuhsohlen hindurch unter den Füßen. Die Luft drückte, der Schweiß rann und ich konnte mir kaum vorstellen, dass mein Mann hier Tag für Tag am Ofen steht. Ich hätte das garantiert nicht geschafft.“ Als Annette Schnell die Arbeit ihres Mannes besichtigte, wurde ihr erst richtig bewusst, was für harte Arbeit er Tag für Tag leistet.

„Vorher war mein Mann Fleischer. Dieser Job bringt ja nun auch einige Gerüche mit sich. Der beißende Geruch der Kokerei war jedoch unangenehmer und hing vor unserer Waschmaschine. Es roch ein bisschen nach Schwefel“, erinnert sie sich.

Die Kokerei war der Lebensmittelpunkt

Die Frauen der Koker nimmt ein Projekt des Künstlers Michael Dörner in den Blick. Es wird Teil einer Ausstellung, die ab dem 8. September daran erinnert, dass vor 25 Jahren die Kokerei Hansa schloss - viele Malocher wurden dann nach Kaiserstuhl verlegt. Nach weiteren zehn Jahren war auch dort Schluss.

„Als unser Gasometer abgerissen wurde, fehlte plötzlich etwas. Selbst unsere Kinder spürten das. Die Kokerei gehörte einfach zu unserem Leben“, erinnert sich Monika Kaltwasser. Als sie ihren Mann vor über 40 Jahren kennenlernte, hatte sie nur vage Vorstellungen davon, was eine Kokerei überhaupt ist. „Mein Mann ist aber sehr mitteilungsbedürftig. Als ich den Arbeitsplatz besichtigte, wusste ich genau, wie was funktioniert und wer welche Arbeit verrichtet. Eigentlich hätte ich gar nicht hingehen müssen, so viel hat er davon erzählt.“

Bei den abendlichen Gesprächen ging es nicht nur um die Arbeit selber, sondern auch um die Kollegen. „Es kam öfter vor, dass welche betrunken waren und allerhand Blödsinn machten. Das war zwar streng verboten, aber dran gehalten hat sich kaum einer. Soetwas wäre heute kaum denkbar.“

„Ich gehe arbeiten, kümmer du dich bitte um die Kinder“

Als die Kinder auf die Welt kamen, war ihr Mann mit der Erziehung etwas überfordert: „Er war Einzelkind und hatte keine Ahnung von kleinen Geschwistern oder dergleichen. Eigentlich arbeitete ich als Friseurin, doch er bettelte ‚Bleib besser Zuhause. Ich arbeite lieber eine Schicht mehr.‘ Und so widmete ich mich den Kindern. Ich hielt ihm den Rücken frei. Das bereue ich aber nicht. Ich bin keine Glucke. Ich habe beispielsweise auch einen Motorradführerschein.“

Ihr Mann arbeitete viel - so konnte es auch an Silvester passieren, dass sie mit ihren Kindern alleine war. Zum Glück konnte er die Wechselschicht ablegen - anders als der Mann von Annette Schnelle, der selten zuhause war. Ihre beiden Kinder haben sich nun auch Jobs mit Wechselschicht ausgesucht - ihre Tochter hat aber nach einiger Zeit aufgegeben: „Ich weiß gar nicht, wie Papa das all die Jahre gepackt hat.“


Wie die Frauen hinter den Männern die Zeit erlebt haben, wird im Herbst in der Kokerei Hansa ausgestellt.

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