Grundschullehrer haben in Dortmund bereits ein Impfangebot erhalten. Genau wie Kindergartenpersonal können sie nicht immer auf den Abstand achten. Was halten sie von der Debatte um Impfprivilegien? (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Impfprivilegien

Vorteile für Geimpfte? Geimpfte Lehrer mit überraschender Aussage

Die Bundesregierung plant Vorteile für Geimpfte. Doch was sagen die Betroffenen selbst eigentlich zu dem Vorstoß? Wir haben an Grundschulen und in Kindergärten nachgefragt.

Trotz hoher Inzidenzwerte diskutierte die Bundespolitik jüngst über mögliche Privilegien für Geimpfte. Im Raum stehen Vorteile hinsichtlich der Einreise nach Deutschland und Erleichterungen beim Zugang zu Geschäften. Die Bundesregierung plant dazu eine entsprechende Verordnung.

Was halten Lehrer und Erzieher von Impfprivilegien?

Die Lehrer an Grundschulen und Kita-Personal haben Mitte März ein Impfangebot bekommen. Was halten sie von der Diskussion?

Volker Maibaum, Vorstand der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft in Dortmund und Lehrer im Sabbatjahr, findet: Wichtig sei zunächst, dass überhaupt alle Lehrer in Dortmund ein Impfangebot bekämen, damit auf lange Sicht Präsenzunterricht wieder möglich sei.

„Wir haben ungefähr 6000 Lehrkräfte in Dortmund“, sagt Volker Maibaum. „Schätzungsweise 4000 von denen müssen noch vollständig geimpft werden.“

Birgitta Scholten ist GEW-Personalrätin, Sonderpädagogin an einer Dortmunder Grundschule und bisher erst einmal geimpft. Sie sagt: „Im Bezug auf meinen Beruf fühle ich mich schon mit der Erstimpfung sehr viel sicherer.“

Birgitta Scholten ist Personalrätin der GEW und Sonderpädagogin. Sie fühlt sich sicherer, seit sie geimpft ist. © Birgitta Scholten © Birgitta Scholten

Claudia Knabe, Leiterin der Freien Kita Dortmund an der Rheinischen Straße, sagt auch, dass die Impfung ihr Sicherheit gebe. Beide Frauen berichten, dass es im Umgang mit kleinen Kindern manchmal gar nicht vermeidbar sei, den Abstand zu unterschreiten.

Trotzdem halten beide Pädagoginnen nichts von Vorteilen für Geimpfte, selbst nicht im Berufsalltag. „Auch als Geimpfte habe ich keinen kompletten Schutz. Die Sicherheitsvorkehrungen sollten trotzdem weiter gelten“, sagt Brigitta Scholten.

Der Begriff „Vollschutz“ ist irreführend

Der Gesundheitsamtsleiter der Stadt Dortmund Dr. Frank Renken ging bei der Pressekonferenz der Stadtspitze am Dienstag (27.4.) auf das Thema „Vollschutz“ ein.

Der Vollschutz von Geimpften und denen, die eine Covid-Erkrankung schon durchgemacht haben, sei irreführend und schlichtweg falsch. Zehn Prozent dieser Menschen seien immer noch ansteckend und könnten erkranken. Er machte klar, was er als Gesundheitsexperte von der Debatte hält: „Die Diskussion sehe ich fachlich überhaupt nicht begründet.“

Vorteile in puncto Einkaufen hält Brigitta Scholten für nicht richtig. So lange nicht alle ein Impfangebot hätten, sei die Idee fragwürdig. „Es gibt so viele Berufsgruppen, die es auch verdienen, geimpft zu werden.“ Die Gewerkschafterin fände es ungerecht, wenn die Geimpften auf diese Weise Vorteile genießen würden.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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