St.-Johannes-Hospital muss Termine für Venen-Kranke absagen

rnSt.-Johannes-Hospital

Viele Patienten in Dortmund, die etwa eine Krampfader-OP vor sich haben, müssen sich einen neuen Arzt suchen. Das St.-Johannes-Hospital darf die Voruntersuchungen nicht länger durchführen.

Dortmund

, 31.10.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist eine Mammutaufgabe, die die Mitarbeiter im St.-Johannes-Hospital in diesen Tagen meistern müssen. Sie müssen jede Menge Termine absagen, weil das Krankenhaus bestimmte ambulante Behandlungen nach mehr als zehn Jahren nicht mehr durchführen darf.

Eine Leserin bekam am Montag den Anruf aus dem Krankenhaus. Eine Mitarbeiterin sagte ihren Termin im Januar in der „Vorstationären Diagnostik für Herz- und Gefäßkrankheiten“* im Johannes-Hospital ab. Die Patientin, die anonym bleiben möchte, muss nun einen Termin bei einem anderen Gefäßchirurgen vereinbaren.

Die Vorstationäre Diagnostik richtet sich an Menschen mit Herz- und Gefäßerkrankungen. Dabei werden alle Untersuchungen, die vor einer Operation nötig sind, durchgeführt. „Damit diese am OP-Tag nicht mehr gemacht werden müssen“, erklärt Gudula Stroetzel, Sprecherin der St. Johannes Gesellschaft.

Kassenärztliche Vereinigung „ermächtigt“ Krankenhäuser

Die neue Regelung traf das Krankenhaus genauso unerwartet wie die Patientin. Hintergrund ist die Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), dem Johannes-Hospital keine neue Ermächtigung für die Diagnostik auszustellen.

Die Vorstationäre Diagnostik wird nämlich laut KVWL üblicherweise von niedergelassenen Ärzten durchgeführt. Nur, wenn der Bedarf in einer Stadt nicht durch Arztpraxen allein gedeckt werden kann, dürfen das die Krankenhäuser übernehmen. Dann stellt die KVWL eine entsprechende Ermächtigung für das Krankenhaus aus.

Über zehn Jahre wurde diese Ermächtigung für das Johannes-Hospital immer wieder verlängert. Das berichtet Gudula Stroetzel. Doch am 30. September war plötzlich Schluss.

Zahl betroffener Patienten ist unklar

„Wir überprüfen regelmäßig, ob der Bedarf nicht doch durch niedergelassene Gefäßchirurgen gedeckt werden kann“, erklärt Vanessa Pudlo, Sprecherin der KVWL. Und die letzte Prüfung habe ergeben, dass die Unterstützung durch das Johannes-Hospital nicht mehr notwendig sei. Deswegen sei die Ermächtigung nicht verlängert worden. Die genauen Gründe für dieses Ergebnis der Prüfung kann Vanessa Pudlo jedoch nicht nennen.

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Am 4. Oktober erreichte das Johannes-Hospital die Nachricht. Alle Termine, die bis dahin vereinbart wurden, müssen nun wieder abgesagt werden. Wie viele Patienten genau betroffen sind, sagt das Krankenhaus nicht. Gudula Stroetzel verweist auf den Datenschutz der Patienten.

Die Leserin, die ebenfalls betroffen ist, berichtete jedoch, dass es sich um rund 900 Fälle handeln müsse. Denn die Mitarbeiterin, die sie benachrichtigte, hätte gesagt, dass sie noch so viele Anrufe vor sich hätte. Gudula Stroetzel will die Zahl nicht bestätigen, gibt jedoch zu bedenken, dass sie eine bewusste Übertreibung gewesen sein könnte.

* In der ursprünglichen Version hatte es in der Überschrift geheißen, das St.-Johannes-Hospital müsse Termine von Herzkranken absagen. Nach Angaben von Sprecherin Gudula Stroetzel sei dies ein Missverständnis. Der Funktionsbereich zählt zu der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Betroffen ist hier die Ermächtigung für Gefäßchirurgie, von den Terminabsagen sind daher nur Gefäßkranke betroffen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
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