Vorzeitiger Wechsel an der Spitze von DEW21

Heim folgt Brinkmann

Brisanter Wechsel an der Spitze von DEW21: Die Wirtschaftsingenieurin Heike Heim wird neue Vorsitzende der Geschäftsführung und folgt damit auf Dr. Frank Brinkmann, der noch vor Ende seines Vertrages beim kommunalen Energieversorger gehen soll. Ungewöhnlich war auch, wie Brinkmann von seiner Nachfolgerin erfuhr.

DORTMUND

, 03.03.2017, 18:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Oberbürgermeister Ullrich Sierau macht Nägel mit Köpfen: Bevor der Aufsichtsrat am 9. März über den Nachfolger von Dr. Frank Brinkmann als Vorsitzender der Geschäftsführung von DEW21 abstimmt, verkündete der OB als Chef des DEW-Aufsichtsrates am Freitag die Personalie, auf die sich die Findungskommission geeinigt hat: Heike Heim, Vorstandsvorsitzende der Energieversorgung Offenbach AG, soll zum 1. Juli die Geschäfte bei DEW übernehmen.

Für die Wirtschaftsingenieurin hatte es nach anfangs unterschiedlichen Meinungen in der Findungskommission ein einstimmiges Votum gegeben. Er gehe davon aus, so Sierau, dass der Aufsichtsrat dem Vorschlag folgen werde und auch der Rat am 6. April 2017 zustimmt. Derweil soll Brinkmann von seiner Funktion als DEW-Chef vorzeitig entbunden werden

Sollte der Wechsel verhindert werden?

Der Name Heike Heim kursierte schon länger in Rathauskreisen. Sogar bis Offenbach hatte jemand gestreut, dass die Vorstandsvorsitzende der Energieversorgung Offenbach AG (EVO) und Favoritin von Aufsichtsratschef Ullrich Sierau für den DEW-Spitzenposten vor einem Wechsel nach Dortmund stehe. Möglicherweise geschah das in der Absicht, diesen Wechsel zu verhindern.

Schließlich wäre es nicht das erste Mal in Dortmund gewesen, dass gefragte Bewerber durch Indiskretionen verbrannt wurden oder wieder abgesprungen sind. In Kreisen des DEW-Aufsichtsrats herrschte schon Unruhe, weil die Nachfolge von Dr. Frank Brinkmann an der DEW-Spitze bis Freitag nicht auf der Tagesordnung für die Sitzung am 9. März stand. Hinter vorgehaltener Hand wurde die Sorge geäußert, dass die Wirtschaftsingenieurin es sich möglicherweise noch anders überlegt.

Sierau schafft vollendete Tatsachen

Entgegen seiner Gewohnheit verkündete Sierau nun vor der Aufsichtsratssitzung am kommenden Donnerstag ihren Namen und schaffte damit vollendete Tatsachen, nachdem der Zeitpunkt für einen Wechsel Heims festgezurrt war.

Sierau teilte in der Presseerklärung mit: „Heike Heim erfüllt als Diplom-Wirtschaftsingenieurin (technische Fachrichtung Elektrotechnik) sowie aufgrund ihrer bisherigen Tätigkeitsschwerpunkte sowohl die technischen als auch die betriebswirtschaftlich-kaufmännischen Voraussetzungen. Dies hat sie in verschiedenen Beratungsfunktionen, aber auch als Vorstandsvorsitzende der Energieversorgung Offenbach AG unter Beweis gestellt. Insofern hat es ein einstimmiges Votum für Frau Heim gegeben.“

Guntram Pehlke, Chef der DEW-Mutter DSW21, soll ursprünglich einen Bewerber aus dem Münsterland favorisiert haben. Weil neben dem technischen Geschäftsführer Peter Flosbach und Arbeitsdirektor Manfred Kossack jemand mit ausgeprägter kaufmännischer Kompetenz gesucht wurde, gab es in den Reihen des Aufsichtsrates Vorbehalte gegen Heike Heim. Sie ist keine Diplom-Kauffrau.

Wirbel um Brinkmanns Vertrag

Nach Informationen dieser Redaktion erfuhr DEW-Chef Frank Brinkmann allerdings erst durch die Presseerklärung von den aktuellen Entwicklungen.

Der DEW-Aufsichtsrat hatte im September 2016 beschlossen, Brinkmann von seiner Funktion als Vorsitzenden der DEW-Geschäftsführung vor Ablauf seiner Vertragslaufzeit Ende 2017 zu entbinden und über eine Vertragsauflösung zu verhandeln, sobald ein Nachfolger feststeht. Brinkmann hatte stets betont, er wolle seinen Vertrag bis zum Ende erfüllen. Und auch der DEW-Betriebsrat hatte damals erklärt, Brinkmann sei bis Ende 2017 als Vorsitzender der Geschäftsführung bestellt.

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