Auch in der Dortmunder CDU gibt es unterschiedliche Reaktionen auf die Nominierung von Armin Laschet als Kanzlerkandidat der Union. © AFP
Kanzlerkandidatur

Votum für Laschet blieb in der Dortmunder CDU nicht ohne Folgen

Armin Laschet ist der Kanzlerkandidat der Union bei der Bundestagswahl im September. Das macht nicht alle in der Dortmunder CDU glücklich. Einige beließen es nicht beim Frust allein.

Schon vor dem 19. April, der letzten nächtlichen Entscheidungsschlacht im aufreibenden Machtkampf um den Spitzenposten für die Bundestagswahl im September, klingelte in der CDU-Geschäftsstelle am Südwall häufiger das Telefon. Am anderen Ende der Leitung war nicht nur die viel zitierte Parteibasis, sondern waren zuweilen auch Nichtmitglieder, die ihre Meinung zur Kanzlerkandidaten-Kür in der CDU kundtun wollten, berichtet der Kreisverbandsgeschäftsführer Andreas Brausen auf Anfrage.

Schon bei der Aufstellung der Bundestagskandidaten Klaus Wegener und Michael Depenbrock habe man ein großes Interesse an der K-Frage verspürt, so Brausen. Ohne es näher abgefragt zu haben, sei die Stimmung eher für Laschet gewesen, meint er.

Der kommissarische Kreisvorsitzende Sascha Mader verortet die Kampflinie in der Dortmunder Partei zu zwei Dritteln bei Laschet und zu einem Drittel bei Markus Söder. Mader: „Das ist in den Ortsunionen sehr unterschiedlich.“

Sieben Austritte, zwei Eintritte

Schon bei der Wahl des Bundesvorsitzenden waren viele Dortmunder CDU-Mitglieder für Laschets unterlegenen Konkurrenten Friedrich Merz. Austritte habe es nach Laschets Sieg aber nicht gegeben, sagte damals Andreas Brausen.

Dieses Mal haben es vereinzelte enttäuschte Söder-Fans aber nicht dabei belassen, einfach Frust zu schieben, nachdem klar war, dass der CDU-Vorsitzende und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet für die Union um die Kanzlerschaft ins Rennen zieht. Sie erklärten daraufhin ihren Parteiaustritt. „Es hat sieben Austritte gegeben“, sagt Geschäftsführer Brausen, „aber auch zwei Neueintritte“.

Andere Kreisverbände hat es härter getroffen

Viele hätten keine ausführliche Begründung für diesen Schritt mitgeliefert, doch die Austritte ließen sich deutlich der Nominierung von Laschet zuordnen, so Brausen. Andere Kreisverbände habe es deutlich härter getroffen. „Bei uns war es noch human.“

Die CDU in Dortmund zählt damit laut Brausen noch über 1500 Mitglieder. Rechnet man die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) und die Junge Union (JU) mit, sind es etwas mehr als 2000 Mitglieder.

Noch nicht das letzte Wort

„Es tut mir leid um jeden, der geht, weil der sich um die Chance bringt, sich inhaltlich einzubringen“, sagt Sascha Mader. Er hofft, dass nicht bei jedem der Austritte das letzte Wort gesprochen ist. Bei einigen werde er mit Betonung auf die Werte der CDU dafür werben, sich den Schritt noch einmal zu überlegen. „Ich bin ein Fan von Laschet, weil ich glaube, dass die politische Zukunft in der Mitte liegt“, so der kommissarische Kreisvorsitzende.

Ironischerweise ist die Partei mit Laschet, dem eine große Fähigkeit zum Zusammenführen und Integrieren nachgesagt wird, ausgerechnet wegen seiner Nominierung so gespalten.

Es hat immer eine Reaktion gegeben

Bei der Ernennung von Kanzlerkandidaten habe es immer eine Reaktion der Partei gegeben, führt Sascha Mader an. „Es hätte auch bei Söder eine Reaktion gegeben, ob heftiger oder nicht, sei dahin gestellt.“ Als Volkspartei wie die CDU habe man einen gemeinsamen Werte-Kanon, aber eben auch Favoriten bei der personellen Besetzung der Spitzenämter.

Was in den Diskussionen um das Votum für Laschet oder Söder auch in Dortmund immer wieder kritisiert wurde, war das in der Außenwirkung unglückliche Prozedere. Nach Ansicht vieler sei das Verfahren zu sehr in die Länge gezogen worden, erklärt Brausen.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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